Aktuelles

Wagners Geburtstag vor 140 Jahren

Am 22. Mai 1877 feierte Richard Wagner seinen 64. Geburtstag in London, wo er sich auf Konzertreise befand, um das Defizit der ersten Festspiele verringern. Gemeinsam mit Ring-Uraufführungsdirigent Hans Richter leitete er von 7. bis 29. Mai insgesamt acht umjubelte Konzerte in der Royal Albert Hall. Apropos: Auch die Royals gaben sich die Ehre! Am 12. Mai 1877 wurde Wagner durch einen Empfang des Prince of Wales geehrt, am 17. Mai 1877 folgte ein Empfang von Queen Victoria in Windsor Castle.  Ihr Sohn Prinz Leopold sprach Wagner auf dessen Hund Rus an, den er in Luzern gesehen hatte. Cosima notiert in ihre Tagebuch: »Windsor macht einen mächtigen Eindruck, nur will die innere Einrichtung durchaus nicht mit dem äußeren Bau stimmen; und selbst die schönen van Dycks, der herrliche Holbein und der magische Rembrandt passen nicht. Wie anders die Paläste in Italien!« Über den Geburtstag selbst schreibt Cosima:

 

Dienstag 22 R.'s Geburtstag! Sehr hübsche Briefe sämtlicher Kinder und mancherlei sonstige Gratulation.* Abends Bankett, bei welchem R. die Medaille verteilt, welche ich ihm bescherte; wahrscheinlich das letzte Werk Semper's, des großen Meisters! Materna, Richter, Wilhelmj erhalten sie. – R. spricht sehr ergreifend, dankt für den Empfang, und Semper zitierend vergleicht er Augenblicke und Jahre, solche Augenblicke, sagt er, lassen ihn die Jahre vergessen. Sonst das Fest ein wenig geräuschvoll, deutsch; man läßt Fidi leben!* Dieser Seite liegt ein Telegramm von Franz Liszt bei, aus Hannover vom gleichen Tage gerichtet an »Richard Wagner, Albert Hall, London. Herzensgruß Deines F.«

 

Zwei Tage später geht der gerade 64 Jahre alt gewordene Wagner ins Foto-Atelier Elliott & Fry in der Londoner Baker Street. Es entsteht eine Serie von acht Aufnahmen, die etwas Besonderes ist. Laut Gunther Braam, dem Autor des Standardwerks Richard Wagner in der zeitgenössischen Fotografie, welches dieser 2016 auch bei uns in Bamberg vorstellt hat, sticht diese Serie aus der Wagner-Ikonographie hervor, »weil sie uns Wagners Büste von (fast) allen Seiten zeigt.« Die Abbildung oben zeigt eine dieser Aufnahmen als Postkartenmotiv, die Aufnahme unten den sogenannten Wagnerorden nach einem Entwurf von Gottfried Semper, den Wagner vermutlich auch in London an die Künstler verteilte.

 


Noch ein paar freie Plätze im Passionsspielhaus

Bei unserer Sternfahrt nach Oberammergau am 21. und 22. Juli zum Fliegenden Holländer unter Ainars Rubikis im Passionsspielhaus sind noch drei Plätze frei. Weitere Infos dazu finden Sie unter der Rubrik Reisen. Interessenten können sich per E-Mail direkt anmelden unter reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de telefonisch unter 09194-4645. Auch Nicht-Mitglieder sind willkommen!

 

Der neue Münchner »Tannhäuser« in Radio, TV und online

Am Sonntag, 21. Mai 2017, überträgt BR Klassik die mit Spannung erwartete Münchner Tannhäuser-Neuproduktion live aus dem Nationaltheater. Die Sendung beginnt um 15.30 Uhr mit Kurz-Interviews von Hauptbeteiligten aus dem Foyer, die Premiere startet um 16 Uhr. Hier ein Vorbericht aus der BR-Sendung Capriccio.

Als Livestream im Rahmen von »Oper für alle« ist dieser Tannhäuser am 9. Juli um 16 Uhr kostenlos auf Staatsoper-TV zu sehen; der TV-Sender arte überträgt diese Aufführung zeitversetzt um 21.45 Uhr. Musikalische Leitung: Kirill Petrenko, Inszenierung: Romeo Castellucci, mit Georg Zeppenfeld, Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher, Anja Harteros und Elena Pankratova.

 

Obertonseminar mit Leopoldo Siano in Würzburg findet statt

Anders als bei unserer letzten Vortragsveranstaltung mitgeteilt, findet das Obertonseminar von und mit Leopoldo Siano an der VHS Würzburg doch statt. Unter dem Titel »Im Inneren des Klangs« hält der Musikwissenschaftler am 27. Mai 2017 einen  sechsstündigen Intensivworkshop für achtsames Hören und zum Obertongesang, den er faszinierend auch bei seinem Vortrag im Bamberger Hof demonstrierte. Anmeldungen sind unter dem obigen Link möglich.

Unsere letzte Veranstaltung

Richard Wagner (1813–1883) und Karlheinz Stockhausen (1928–2007) waren beide auf ihre Art revolutionäre Komponisten und Persönlichkeiten, auch wenn letzterer Vergleiche mit Wagner vehement ablehnte. Wer mehr darüber wissen will, sollte sich Dienstag, den 16. Mai 2017 vormerken: Auf Einladung unseres Verbands sprach der junge Musikwissenschaftler Leopoldo Siano (siehe Foto)um 19.30 Uhr im Hotel Bamberger Hof über die Gemeinsamkeiten der beiden Komponisten. Der Titel seines Vortrags lautete »Zukunftsmusik: Stockhausen als Reinkarnation Wagners im 20. Jahrhundert?«

 

Von 1977 bis 2003 arbeitete Karlheinz Stockhausen wie besessen an seiner »Musikkathedrale«, dem Opernzyklus Licht. Gleichfalls 26 Jahre investierte Richard Wagner in den Ring des Nibelungen. Allerdings dauert die Heptalogie Stockhausens neunundzwanzig Stunden, das heißt ungefähr doppelt so lang wie Wagners Tetralogie. Nicht nur wegen der formalen Maßlosigkeit wurde Stockhausen mehrmals mit Wagner verglichen. Wie der Ring ist auch Licht eine monumentale Konzeption mit einem unverkennbaren Hang zum Gesamtkunstwerk (wie Wagner war Stockhausen Autor seiner Libretti). Stets und mit Entschiedenheit lehnte doch Stockhausen jedweden Vergleich mit Wagners Werk ab, indem er es als antithetisch zu seinem eigenem Opus betrachtete. Ihm war die Musik Wagners zu retrospektiv, emotionell und instinktiv; verächtlich nannte er sie: »Unterleibsmusik«.

 

Nichtsdestotrotz stand Stockhausen Wagner viel näher als er zugeben konnte. Mit dem Sachsen teilte der Rheinländer die universalistischen und globalisierenden Ansprüche sowie das Streben, aus der Musik eine Religion machen zu wollen. Diesbezüglich wurde von unterschiedlicher Seite bemerkt, dass Stockhausen in Kürten ein neues »Erlösungszentrum« beziehungsweise ein neues Bayreuth schaffen wollte. In seinem Vortrag veranschaulichte Leopoldo Siano anhand von Klangbeispielen und der Besprechung der jüngsten musikwissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema die geheimen Affinitäten zwischen diesen zwei revolutionären Persönlichkeiten der deutschen Musikgeschichte.

 

Zur Person: Dr. phil Leopoldo Siano ist 1982 in Rom geboren und siedelte nach musikalischen und musikwissenschaftlichen Studien in seiner Heimatstadt und Cremona 2009 nach Deutschland um, wo er sein Promotionsstudium an der Universität zu Köln mit einer Dissertation über den Werkzyklus Klang. Die 24 Stunden des Tages von Karlheinz Stockhausen absolvierte. Diese Arbeit wurde 2013 in einem Wiener Verlag veröffentlicht und 2014 mit dem Offermann-Hergarten-Preis ausgezeichnet. Seit 2012 ist er Dozent am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln, wo er im Sommersemester 2017 Seminare zur Analyse elektroakustischer Musik und für das Gasthörer- und Seniorenstudium über »Mythos, Religion und Philosophie in den Musikdramen Richard Wagners« gibt. Als Musikpublizist und Vortragender bei verschiedenen Institutionen, darunter phonosophia, ist er international tätig. In der musikwissenschaftlichen Forschung hat er sich unter anderem auf Musik des 20. Jahrhunderts fokussiert. Derzeit arbeitet er an seinem neuen Buch zum Thema »Musik und Weltentstehung« (von der Barockzeit bis heute). Das »Hören als Seinserfahrung« ist der Schwerpunkt seiner Interessen und seines Wirkens. Er leitet auch Intensivworkshops zum Obertongesang.  


Nike Wagners Bayreuth-Abgesang

In einem Interview mit Wolfram Goertz in der Rheinischen Post hat Nike Wager (Foto: Karlheinz Beer) erstmals öffentlich geäußert, dass sie Nein sagen würde, wenn es um die Leitung der Bayreuther Festspiele geht. Als der Fragesteller das nicht glauben will, antwortet sie: »Können Sie aber. Auch Träume kommen irgendwann an ein Ende. Und immer nur Wagner zu machen, das ist doch grottenlangweilig.« Und auf die Frage, wo sie Wagner am liebsten hört, sagt die Wagner-Urenkelin: »Wissen Sie, was wunderbar ist? Ich kann an jedem Ort der Welt sein, sobald mich irgendwo ein Ton von Richard Wagner trifft, berührt mich das wie eine Umarmung. Das ist wie eine Heimkehr.«


Ainars Rubikis wird GMD in Berlin

Ainars Rubikis, den wir bei unserer übernächsten Opernfahrt am 21. Juli 2017 als Holländer-Dirigenten im Oberammergauer Passionsspielhaus erleben dürfen, wird ab der Spielzeit 2018/19 neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Wie Intendant Barry Kosky (der heuer in Bayreuth die Meistersinger neu inszeniert) und Kultursenator Klaus Lederer am 8. Mai mitteilten, tritt Rubikis sein Amt zunächst für drei Jahre mit einer Option auf Verlängerung an. Der in Riga geborene 38-jährige Musiker zählt zu den aufstrebenden Dirigenten der jüngeren Generation und gewann 2010 den prestigeträchtigen Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg. Von 2012 bis 2014 war er Musikchef des Theaters in Nowosibirsk, er dirigierte zudem an der Lyric Opera of Chicago, dem Bolschoi-Theater in Moskau, an der Komischen Oper Berlin und im Opernhaus Zürich – und bei den Bamberger Symphonikern unter anderem 2012 eine begeisternde Finta giardiniera. Wer mehr über ihn erfahren möchte, wird auf der Homepage des Fränkischen Tags fündig: Ein Gespräch vom 5. März 2010, unmittelbar nach dem Gewinn des Mahler-Wettbewerbs sowie ein Interview vom 20. Januar 2011. Hier außerdem noch ein Link zur aktuellen Berichterstattung im Berliner Tagesspiegel.

 

Und es lohnt sich, noch einmal zu lesen, was Herbert Blomstedt, Ehrendirigent der Bamberger Symphoniker und damaliges Jury-Mitglied, über Ainars Rubikis, den Sieger des 3. Mahler-Wettbewerbs, sagte: »Bei ihm ist eigentlich alles gut. Was ihn unterscheidet von vielen anderen, die vielleicht gleich begabt sind, ist, dass er ein Poet ist, sehr innerlich empfindet, sich selbst nicht ins Zentrum stellt. Und das wirkt sich sofort auf das Musizieren im Orchester aus, auf den Klang. Typen wie er sind leider selten geworden – und sind oft nicht besonders angesehen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass er auch vom Orchester, von der gesamten Jury geschätzt wird – und nicht nur von mir. Bleibt nur zu hoffen, dass das so auch von den Agenten und Managern der Welt gesehen wird. Denn die übliche Präferenz für die mehr extrovertierten, agilen, tanzenden, gymnastisierenden, boxenden Dirigenten ist gefährlich.«

 

Wer Interesse an unserer Opern- und Kunstfahrt nach Oberammergau am 21. und 22. Juli 2017 mit Ainars Rubikis hat, kann sich unter der E-Mail-Adresse reisedienst-rwv-Bamberg@t-online.de anmelden: Ein paar Plätze sind noch frei. Mehr Infos finden Sie unter Reisen. 



Werkstatt-Bilder in der Bildergalerie

Der strenge Zeitplan unserer Parsifal-Werkstatt führte dazu, dass der Video-Beitrag der Studentin Marlene Lou Kleinerüschkamp nicht vorgeführt werden konnte. Alle, die wissen wollen, wie eine junge Frau über den Parzival Wolframs von Eschenbach reflektiert, können sich den rund sieben Minuten dauernden Film unter der Rubrik Parsifal-Werkstatt anschauen. Zusätzlich kann man an dieser Stelle auch den Vortrag von Studentin Fiona Walter nachlesen. Fotos von den zwei Tagen der Werkstatt gibt es in der Bildergalerie, eine Parsifal-Kritik unter Beers Tipps. 

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Intensiv, informativ und illuminierend

Keine Frage: unsere Parsifal-Werkstatt war ein voller Erfolg. So schreibt unser neues Mitglied Clemens Renker: »In Konnotation zu Parsifal danke ich sehr herzlich für die außerordentlich gelungene Werkstatt: Wie durch eine Verwandlungsmusik sind wir aktiven Zuhörer durch alle Referenten wissender geworden: Wir saßen zwar – doch wähnten wir uns stets schon weiter. Denn durch die gelungenste geistig-seelische Erbauung ward da die Zeit über die zwei Tage zum Raum. Und dann hatten wir noch zum Abschluss die Aufführung im Landestheater Coburg. Mein Gott! Ein voller Augenblick der Seligkeit!, schreibt Fjodor Dostojewski am Ende seines empfindsamen Romanes Weiße Nächte.« 

 

Das Foto von Raimund Roth oben zeigt den mit achtzig Besuchern gut gefüllten Saal vor der Eröffnung am Samstag und stehend Kulturbürgermeister Dr. Christian Lange und RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth, das Foto von Ronald Rinklef unten zeigt vor dem Eingang zu den Harmoniesälen am Sonntag nach dem Podiumsgespräch die Podiumsteilnehmer von links Parsifal-Regisseur Jakob Peters-Messer, Prof. Dr. Stephan Mösch, Intendant Bodo Busse vom Landestheater Coburg (LTC), Parsifal-Dirigent und LTC-Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Sabine Zurmühl und Moderator Prof. Dr. Holger Noltze. Einen aktuellen Bericht von Rudolf Görtler aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags (und weiteren Tageszeitungen der Mediengruppe Oberfranken) vom 24. April 2017 finden Sie in der Rubrik Presse. Demnächst werden auch Fotos in die Bildergalerie eingestellt . . .

 


Die »Parsifal«-Werkstatt startet

Am Wochenende ist es endlich so weit: Unsere »Parsifal«-Werkstatt beginnt! Wer das Programm noch nicht kennt, sei auf die einschlägige Rubrik verwiesen, wo aktuelle Informationen zu einigen Referenten und ein lesenswerter Text von Regisseur Jakob Peters-Messer zu seiner Coburger Neuinszenierung ebenso zu finden sind wie der gesamte Ablauf der Tagung am 22. und 23. April 2017. Und weil sich doch manche oder mancher gefragt hat, ob der Mann auf der obigen Illustration von Werkstatt-Referent Thomas Goerge Parsifal sein mag, sei hiermit klargestellt, dass es sich um Amfortas handelt. Genauer gesagt hat der Künstler der gezeichneten Figur den fotografierten Kopf von Theodor Reichmann gegeben, der bei der »Parsifal«-Uraufführung 1882 und bis 1902 immer wieder den siechen Gralskönig im Festspielhaus verkörpert hat. Weiteres über dieses Sänger finden Sie unter Beers Tipps.


Mit der »Walküre« in die Osternacht

Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat
Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat

Wer nicht weiß, was er am Karsamstag Abend anfangen soll: Ab 20.15 Uhr sendet 3sat eine Aufzeichnung der prominent besetzten Walküre, die zur Eröffnung der diesjährigen Jubiläums-Osterfestspiele in Salzburg vor einer Woche ihre viel bejubelte Premiere feierte. Es handelt sich um die so genannte Re-Kreation der Eröffnungsinszenierung Herbert von Karajans aus dem Jahr 1967 (Regie: Vera Nemirova, Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen, Rekonstruktion des Originalbühnenbilds und Kostüme: Jens Kilian). Es musiziert die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann, die Hauptrollen singen und spielen Anja Harteros (szenisches Rollendebüt als Sieglinde), Peter Seiffert (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Anja Kampe (szenisches Rollendebüt als Brünnhilde), Vitalij Kowaljow (Wotan) und Christa Mayer (Fricka). Die Inszenierung wird am 17. April nochmals aufgeführt und später als Koproduktion mit dem Beijing Music Festival auch in Peking gezeigt. Die Reaktionen der Kritiker waren wie immer unterschiedlich. Hier Links zu Rezensionen von Eleonore Büning in der FAZ  Christine Lemke-Matwey in der Zeit, Christian Wildhagen in der NZZ sowie -geko- im Wiener Kurier. 


»Parsifal«-Generalprobe & Premiere

Der neue Coburger Parsifal, den wir mit unserer Parsifal-Werkstatt begleiten (ausführliche Infos dazu in der gleichnamigen Rubrik), hat am 6. April um 17 Uhr Generalprobe (bei der wir mit einer kleinen Gruppe dabei sind) und am 9. April um 16 Uhr seine längst ausverkaufte Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 13. April (17 Uhr), am 16., 23. und 30. April (jeweils 16 Uhr), am 15. Juni (17 Uhr) sowie am 18. und 25. Juni (jeweils 16 Uhr). Zur Aufführung am 23. April fahren wir mit einer großen Gruppe per Bus nach Coburg; zwei Restplätze sind noch frei. Fahrt und Eintritt kosten 55 Euro; Anmeldungen hierzu bitte direkt an unsere Vorsitzende unter roth@rwv-bamberg.de

 

Weitere Infos zum Parsifal auf der Homepage des Landestheaters, Kartentelefon unter 09561-898989. Das Probenfoto zeigt eine Szene mit Roman Payer, der am 22. April auch zu Gast in unserer Werkstatt sein und im Gespräch mit Intendant Bodo Busse und GMD Roland Kluttig Auskunft geben wird über sein Rollendebüt in der Titelpartie des Wagnerschen Bühnenweihfestspiels.  (Foto: Andrea Kremper)

 

In unserer Rubrik Parsifal-Werkstatt finden Sie den lesenswerten Programmhefttext von Regisseur Jakob Peters-Messer sowie einige Szenenfotos. Und hier noch ein Link zur Premierenkritik von Peter Jungblut beim Bayerischen Rundfunk und von Peter Krause auf der Online-Plattform concerti


Teodor Currentzis, den wir am 12. April in Meiningen erleben dürfen, wird aktuell in der Süddeutschen Zeitung bejubelt und zwar gleich mehrfach. Er wurde außerdem gerade zum neuen Chefdirigenten des SWR-Symphonieorchesters ab der Spielzeit 2018/19 gekürt. Und wer weiß? Vielleicht wird er auch noch Kirill Petrenkos Nachfolger in München? Wäre Nikolaus Bachler durchaus zuzutrauen . . .

 

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Die Wiener Festwochen haben auf Ihrer Homepage neue Details über Bernhard Langs und Jonathan Meeses MONDPARSIFAL ALPHA 1-8 (ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ) veröffentlicht, der Komponist selbst hat seine Oper offenbar umbenannt, denn er nennt das Projekt inzwischen ParZeFool, wie seinem lesenswerten Text auf der Homepage des Klangforums Wien zu entnehmen ist. Simone Young wird die Uraufführung dirigieren, die wir im Juni bei unserer bereits ausgebuchten großen Musik- und Kunstfahrt 2017 besuchen! (Für Nachrücker gibt es eine Warteliste.) Unter Beers Tipps finden Sie Berichte über eine außergewöhnliche Siegfried-Wagner-Ausstellung in Berlin.


Pressetermin zur »Parsifal«-Werkstatt

Klappern gehört zum Geschäft. Am Aschermittwoch haben wir bei einem Pressegespräch im Hotel Bamberger Hof unsere »Parsifal«-Werkstatt vorgestellt. In der Rubrik Presse kann man den tollen Artikel von Rudolf Görtler aus dem Fränkischen Tag und den offiziellen Pressetext nachlesen, in der Rubrik »Parsifal«-Werkstatt alles Einzelheiten und Aktuelles von Werkstatt-Referent Thomas Goerge und Podiumsteilnehmer Jakob Peters-Messer.

Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer  Foto: Erich Weiß
Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer Foto: Erich Weiß

Was man sonst nur in Luzern erlebt . . .

Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova
Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova

Die Anmeldefrist für unsere Fahrt zum Karwochenkonzert mit dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis, seinem Orchester MusicAeterna aus Perm und zwei Gesangssolistinnen am 12. April 2017 in Meiningen ist zwar abgelaufen, aber es gibt eine Warteliste für eventuelle Nachrücker. Der außergewöhnliche Dirigent und das von ihm gegründete Orchester gastieren inzwischen an den großen Häusern, ob dass nun das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie, das Konzerthaus Berlin oder die Salzburger Festspiele sind, wo mit dem amerikanischen Regisseur Peter Sellars heuer die Mozart-Oper La clemenza di Tito realisiert wird.

 

»Wir haben die Ehre«, schreibt das Meininger Theater, »Teodor Currentzis und sein MusicAeterna-Ensemble mit einem deutschlandweit einzigartigen Programm bei uns zu Gast zu haben.« Und wo spielen die Gäste aus Perm dieses Programm in identischer Besetzung, d.h. mit Nuria Rial (Sopran) und Paula Murrily (Mezzosopran) noch? In Luzern, bei den dortigen Oster-Festspielen im berühmten KKL. Hier die schweizerische Konzertvorschau, die somit auch für das Konzert in Meiningen gilt:

 

Als »angelico maestro«, als  »engelhafter Meister«, ist Giovanni Battista Pergolesi in die Musikgeschichte eingegangen. Sein allzu früher Tod, der ihn 1736 im Alter von nur 26 Jahren ereilte, tat ein Übriges, um Vergleiche mit Mozart zu provozieren und seinen Mythos zu begründen. Vor allem Pergolesis letztes vollendetes Werk, das ergreifende Stabat Mater, wirkt wie eine Verheißung: Diese Musik will nicht durch Kunstfertigkeit überwältigen, sie will mit einer zu Herzen gehenden Schlichtheit berühren – ein Ideal, das ganze Generationen vorwegnimmt. Teodor Currentzis koppelt diesen frühen Geniestreich mit einer Passionsmusik des reifen Joseph Haydn, den Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze, die in der originalen Orchesterfassung von 1787 erklingen. Haydn spiegelt jedes der letzten Christus-Worte mit einer tiefgründigen musikalischen Meditation und lässt am Ende mit dem »Terremoto«, dem Erdbeben, den Zorn Gottes hereinbrechen: genau das Richtige für den Pultekstatiker Currentzis.

 

Erst Ende Januar 2017 wurde übrigens die Dokumentation »Currentzis – der Klassikrebell« von Christian Berger mit dem französischen FIPA-Preis ausgezeichnet, woraufhin die Deutsche Welle den sehenswerten Film in zwei Teilen online gestellt hat.

 

Die Anmeldefrist für das Karwochen-Konzert in Meiningen ist abgelaufen. Wer jetzt noch Interesse hat, kann sich als eventueller Nachrücker unter der E-Mail-Adresse

reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de auf die Warteliste setzen lassen. Busfahrt (Abfahrt 16.15 Uhr) und Eintrittskarte kosten für Mitglieder 75 Euro, für Nicht-Mitglieder 85 Euro. 


Unsere letzte Veranstaltung

Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner
Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner

21. Februar 2017, 19.30 Uhr, Hotel Bamberger Hof: Richard Wagner – Die Inszenierung eines Lebens heißt die neue Biografie, in der der Musiker, Musikschriftsteller und Musik-Antiquar Dr. Ulrich Drüner aus Stuttgart Wagner in all seinen gegensätzlichen Facetten zeigt. Und zwar ohne die sonst gerne üblichen Beschönigungen oder Verteufelungen, was der Biografie auch prompt die Auszeichnung Buch des Jahres bei der internationalen Fachzeitschrift Opernwelt einbrachte. Die Fotos zeigen links Ulrich Drüner (Foto: privat) und oben eine Karikatur der Wagners, die erstmals in der neuen Biografie veröffentlicht wurde. 

 

Richard Wagner, der Selbstinszenator

Postfaktische Techniken schreibt man heute natürlich dem amerikanischen Präsidenten zu. Aber Richard Wagner? Der Stuttgarter Antiquar, Bratscher und Musikwissenschaftler Ulrich Drüner hat genau das getan, allerdings nicht mit diesem Ausdruck, denn der kam erst so richtig auf, als seine neue und tatsächlich auch mit Neuem aufwartende Biografie Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens (Blessing Verlag, 832 S., mit 123 Abbildungen) schon auf dem Markt war. Aber immerhin ein Journalist schrieb daraufhin, dass Wagner unter anderem »ein Virtuose in der Handhabung postfaktischer Techniken« und somit gewissermaßen »trumpistisch« gewesen sei.

 

Bevor jetzt alles durcheinander geht, besser der Reihe nach: Es ist nichts Neues, dass der Faktencheck nicht nur im Notfall ergibt, dass Richard Wagner immer wieder und auch bis zur Selbstverleugnung gelogen und Tatsachen so umgebogen hat, wie es ihm aktuell und vor allem nachträglich in den Kram passte. Beziehungsweise in seine Selbstinszenierung, die darauf abzielte, aus dem eigenen Leben einen Mythos zu formen. Was man mit offenen Augen in seinen Schriften nachlesen kann, zum Beispiel in seiner Autobiografie Mein Leben, die er von 1865 bis 1880 seiner zweiten Frau Cosima diktierte. Und nicht nur dort.

 

Ulrich Drüner deckt unter anderem auf, dass die sogenannten Hungerjahre in Paris so harmvoll gar nicht gewesen sein können, weil Wagner 1842 allein an den Opernbearbeitungen für Maurice Schlesinger das Jahresgehalt eines Musikers

verdiente. Der Autor zielt mit seinen deutlichen Klarstellungen auch, was den von

manchen Biografen immer noch verharmlosten Antisemitismus betrifft, aber nicht darauf ab, Wagner zu demontieren. Sondern er versucht, dessen ideologisch stets nach der einen oder anderen Seite verzerrtes Bild zurecht zu rücken.

 

Ob und wie ihm das gelingt, dürfen hiesige Musikfreunde am 21. Februar um 19.30 Uhr in einer Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbands Bamberg im Hotel Bamberger Hof erfahren. Ulrich Drüner wird über seine Biografie, seinen Zugang zu und seine Auseinandersetzung mit Wagner berichten. Als Mensch sieht er ihn in einigen bisher so noch nicht wahrgenommenen Facetten. Und als Musiker sieht der Musiker Drüner ihn so, dass niemand Wagner politisch zu verurteilen, zu beschönigen oder zu verteidigen brauche, denn »die Werte schöpfende Wirkung seiner Kunst kann ihm niemand nehmen.«

 

Weil ihm als Musikantiquar nicht nur faktisch erstaunliche Funde gelingen, zeigt er im Buch und in Bamberg unter anderem eine bisher unbekannte und treffliche Karikatur des »hohen Paares«, die der Wagner- und Cosima-Porträtist Franz von Lenbach auf die Rückseite eines nicht ausgefüllten Bayreuther Patronats-Scheines bannte, dessen Großbuchstabentexte bei dem sehr dünnen Papier etwas durchscheinen.

Dass Drüner im Buch noch mutmaßt, Lenbach habe bei den Wagners nur gerne kassiert und nichts gegeben, hat er inzwischen revidiert: Wie er von Wagnerforscher Egon Voss erfuhr, ist Lenbach »zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Subskribent der Firma Bayreuth geworden. Das als Ergänzung der Bildlegende S. 637; bei Abfassung derselben wusste ich das noch nicht«, schreibt er uns nach Bamberg. Womit postfaktisch alles perfekt ist, oder?

 

Lesenswerte Kritiken und Artikel zu Ulrich Drüners Wagner-Biographie

haben Alexander Dick in der Badischen Zeitung, Robert Jungwirth in der Neuen Zürcher Zeitung und Mirko Weber in der Stuttgarter Zeitung geschrieben.


Aktivitäten von unseren Mitgliedern

Dr. Bettina Wagner, die neue Leiterin der Staatsbibliothek Bamberg, stellt sich im Mai mit einem Vortrag im Großen VHS-Saal und einer gemeinsam mit der Volkshochschule Bamberg Stadt veranstalteten Führung in der Staatsbibliothek dem Bamberger Publikum vor. Der Eintritt zu ihrem Vortrag Vom Medienwandel und Buchhandel. Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert und ihre Folgen am 9. Mai 2017 um 19 Uhr im Großen VHS-Saal (Altes E-Werk, Tränkgasse 4) ist frei, für die Führung zum Thema Deutschsprachige Bibeln bis Luther. Einblick in die Schätze der Staatsbibliothek Bamberg (Staatsbibliothek, Domplatz 8) am 17. Mai 2017 um 18 Uhr muss man sich bei der VHS anmelden und drei Euro berappen. 

 

***

Die Produktion von Wagners Tristan und Isolde, für die der Bamberger Maler, Bühnen- und Kostümbildner Karlheinz Beer das Bühnenbild schuf und deren zweite Aufführung wir am 10. April 2016 mit einen großen Gruppe in Landshut besucht haben, wird in der laufenden Saison wieder aufgenommen und am 14., 21. und 25. Mai 2017 nochmals im Landshuter Theaterzelt gezeigt. Weitere Informationen auf der Homepage des Landestheaters Niederbayern. Das Musical Jesus Christ Superstar ist eine weitere Produktion des Landestheaters, für die Beer das Bühnenbild geschaffen hat (Premiere im November 2016); sie steht auch noch im April in Landshut und Passau auf dem Spielplan. Opernfreunde dürfen sich schon jetzt auf Dezember 2017, wenn dort Der Rosenkavalier von Richard Strauss  in seinem Bühnenbild Premiere feiern wird.


Richard Wagners 134. Todestag

Heute vor 134 Jahren, am 13. Februar 1883, ist Richard Wagner gestorben. Wer mehr Details darüber wissen will, dem seien folgende Beiträge aus dem Blog Mein Wagner-Jahr auf der Homepage des Fränkischen Tags empfohlen:

Wagners Tod in Venedig I

Wagners Tod in Venedig II

Wagners Tod in Venedig III

Wagners Tod in Venedig IV

Auch einige Beiträge vor- und nachher beziehen sich konkret auf diesen Zeitraum. Leider sind bei einem Update der FT-Seite bis auf den jeweils ersten Bildtext alle weiteren Bildtexte verloren gegangen. Also wundern Sie sich nicht!


Beeindruckende Bayreuth-Chronik

Das Festspielhaus 1876, noch ohne den vorgesetzten Königsbau, in einem Aquarell von Susanne Schinkel, der Tochter des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel und Tante von Hans von Wolzogen. Abbildung aus Oswald Georg Bauers zweibändiger Geschichte der Bayreuther Festspiele (Deutscher Kunstverlag).

 

Unter PRESSE finden Sie den aktuellen Bericht von Rudolf Görtler über Oswald Georg Bauers Vortrag im VHS-Saal aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags vom 19. Januar 2017. 

 

Auch für Oswald Georg Bauer war der sogenannte  Jahrhundert-Ring  in der Inszenierung von Patrice Chéreau und unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez das Bayreuther Schlüsselerlebnis. In seiner Festspielgeschichte widmet er allein dieser Festspielproduktion sechzig Druckseiten. Bei seinem Vortrag in Bamberg erinnerte er ausführlich an die letzte und legendäre Vorstellung der Götterdämmerung am 25. August 1980, bei der es den wohl längsten Schlussapplaus der Theatergeschichte gab: Er dauerte eine Stunde und 29 Minuten, es wurden 101 Vorhänge gezählt. Die Abbildung zeigt das Schlussbild, bei dem sich das Volk auf der Bühne zum Publikum wendet und mit ihm die aus dem Orchestergraben tönende Schlussmusik hört. Vorlage: Oswald Georg Bauer: Die Geschichte  der Bayreuther Festspiele, Band II, Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, Zustiftung Wolfgang Wagner. 


Neue Service-Adresse für Fahrten

Wer sich für eine unserer Fahrten anmelden möchte, kann das jetzt direkt über die E-Mail-Adresse reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de erledigen. Unser Vorstandsmitglied Dr. Jürgen Gröbel kümmert sich dann um alles Weitere. Apropos: Für die Parsifal-Generalprobe am 6. April in Coburg (nur für Mitglieder), das Karwochenkonzert mit MusicAeterna unter Teodor Currentzis (siehe unter Reisen) in Meiningen am 12. April und den Fliegenden Holländer in Oberammergau gibt es noch Karten – alles außergewöhnliche Kunstereignisse, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.  


Unsere vorletzte Veranstaltung

Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung  Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser
Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser

Wie schreibt man eine Chronik der Mutter aller Festspiele, die Geschichte der Bayreuther Festspiele? Genau diese Frage wird Oswald Georg Bauer auf unsere Einladung am 17. Januar um 19 Uhr im Großen VHS-Saal beantworten, indem er sein im letzten Festspielsommer erschienenes, zweibändiges und in jeder Hinsicht gewichtiges Werk inhaltlich und mit einigen Bildbeispielen vorstellt.  Dass Bauers Bayreuther Festspielchronik nicht nur hierzulande auf viel positive Resonanz gestoßen ist, zeigt unsere kleinere Abbildung: Im November war der Autor (Bildmitte) in Island und konnte sein jüngstes Werk gemeinsam mit der dortigen Wagnerverbandsvorsitzenden Selma Gudmundsdóttir (rechts) unter anderem dem isländischen Staatsoberhaupt, dem Historiker Gudni Th. Jóhannesson (links), präsentieren (Foto: Steinunn B. Ragnarsdóttir).

 

Oswald Georg Bauer ist 1941 geboren, stammt aus Würzburg, ist promovierter Theaterwissenschaftler und war von 1974 an ein prägender dramaturgischer Mitarbeiter der Festspiele. 1977 wurde er dort Pressechef und blieb beratend Wolfgang Wagner auch weiterhin treu, als er 1986 als Generalsekretär an die Bayerische Akademie der Schönen Künste in München wechselte. Am letzten Aufführungstag der Festspiele 1989 fragte Bauer den Wagner-Enkel, was dieser davon hielte, wenn er die Geschichte der Festspiele schreibe. »Herr Bauer«, erwiderte der Festspielleiter, »hiermit ernenne ich Sie zum Chronisten der Festspiele.«

 

An dem Zusatz »aber ausschließlich aus den Quellen« sollte sich der frisch gebackene Chronist ganz schön abarbeiten, denn es galt nicht nur, die festspielhausinternen Dokumente, Unterlagen, Presseberichte und das komplette Bildmaterial zu sichten und einzuordnen, sondern auch die Archivalienfülle andernorts sowie die überbordende Sekundärliteratur. Darüber hinaus suchte und fand Bauer bisher nicht veröffentlichte Berichte aus Nachlässen von Zeitzeugen. Von 2004 an arbeitete er kontinuierlich an dem Projekt.

 

Insgesamt 27 Jahre dauerte es vom Auftrag bis zur feierlichen Buchpräsentation in der Villa Wahnfried am 26. Juli 2016 – eine wahrhaft wagnerische Zeitspanne, denn von der ersten Idee bis zur Uraufführung des zentralen Wagner-Werks, der Ring-Tetralogie, dauerte es fast genauso lang. Band I beginnt 1850 mit den ersten Festspielplänen und umspannt mit etlichen Krisen- und Kriegszeiten ein komplettes Jahrhundert, Band II beginnt mit der Ära Neu-Bayreuths 1951 und präsentiert die seither jährliche Festspielgeschichte chronologisch bis ins Jahr 2000.

 

Kritiker haben das knapp 1300 Seiten und über 1000 Abbildungen umfassende, insgesamt mehr als sieben Kilo auf die Waage bringende Kompendium in seltener Einmütigkeit sofort als Standardwerk gerühmt. Der Bayreuth-Kenner Bernd Buchner, der mit Wagners Welttheater 2013 selbst eine Festspielgeschichte verfasst hat, schreibt in seiner erst jüngst veröffentlichten Rezension: »Das monumentale zweibändige Buch wird auf Jahrzehnte hinaus Maßstäbe setzen. Bestechend in der Detailfülle, farbig und hellsichtig formuliert, bietet das Werk ein großes, überwältigendes Leseerlebnis.«

 

Wer wissen will, warum und wie Richard Wagner die Mutter aller Festspiele erfunden hat und was sich seit der Eröffnung 1876 am Grünen Hügel nicht nur künstlerisch getan hat, der sollte sich am 17. Januar 2017 rechtzeitig einen Platz in der VHS sichern (Saalöffnung um 18.30 Uhr). Der Eintritt zu Oswald Georg Bauers Vortrag um 19 Uhr, den der Richard-Wagner-Verband Bamberg in Zusammenarbeit mit der VHS Bamberg Stadt anbietet, ist auch für Nicht-Mitglieder frei. 


Wielands Wagners 100. Geburtstag

Heute vor hundert Jahren, am 5. Januar 1917, wurde in Bayreuth Wieland Wagner geboren, der künstlerisch bedeutendste Nachkomme Richard Wagners. Was sich unter anderem auch daran ablesen lässt, dass das Nachrichtenmagazin Der Spiegel  ihm im Sommer 1965 unter dem Titel »Von Walhall nach Wall Street – Wagner-Enkel Wieland Wagner« seine Titelstory widmete (Heft Nr. 30 von 21. bis 27.7.1965). Eine ausführliche Würdigung finden Sie aus Anlass seines 50. Todestags am 17. Oktober 2016 unter Beers Tipps, lesenswerte aktuelle Geburtstagsartikel sind von Alexander Dick in der Badischen Zeitung, von Judith Sternburg in der Frankfurter Rundschau und Jürgen Liebig auf Deutschlandradio Kultur mit O-Tönen sowie mit aktuellen Infos der dpa-Bericht in den Salzburger Nachrichten. Die unten abgebildeten Postkarten aus dem Jahr 1917 zeigen Wieland als Baby im Kinderwagen und im Arm seiner Mutter Winifred, die damals zwanzig Jahre alt war.

 

Übrigens: Heute vor einem Jahr ist der Komponist und Dirigent Pierre Boulez gestorben, der 1966, also im letzten Festspielsommer, den Wieland Wagner erleben  durfte, als Parsifal-Dirigent am Grünen Hügel in Wielands legendärer Neubayreuth-Inszenierung debütierte, von 1976 bis 1980 als musikalischer Leiter im Jahrhundert-Ring Festspielgeschichte schrieb und noch im hohen Alter von 79 bzw. 80 Jahren mit der ihm eigenen künstlerischen Offenheit nochmals Parsifal in Bayreuth in der zu Unrecht umstrittenen Schlingensief-Inszenierung dirigierte.  

 


Pures Opernglück mit der Zugabe

Frank Piontek aus Bayreuth, der schon mehrfach als Referent zu Gast bei uns war, hat seinen Weihnachtswunsch mit einem Link begleitet, der niemandem vorenthalten werden darf. Die begeisternde Zugabe beim Schlussapplaus der Rameau-Oper Les Indes galantes (bitte auf den Link klicken!) unter William Christie an der Pariser Garnier-Oper ist ein wunderbares Heilmittel gegen jeglichen Kulturpessimismus! 


Reise-Flyer und »Parsifal«-Projekt

Siehe auch unter Termine und Reisen 


Schräger Wagner zum Jahresausklang

Mitgliederversammlungen können mitunter labil, lächerlich, lähmend, lagerbildend, langatmig, langweilig, lästig, lastenschwer, lau, launisch, laut, leer, leidenschaftslos, leidvoll, lethargisch, liederlich, lügenhaft und sogar luziferisch sein. Dass im RWV Bamberg hingegen alles rund läuft, zeigte beispielhaft der Jahresabschluss im Keesmannsaal am 2. Dezember 2016. Sämtliche Vereinsregularien waren binnen vierzig Minuten erledigt. Positive Bilanzen zogen 1. Vorsitzende Jasenka Roth und Schatzmeisterin Friederike Ehrenforth – Dankesworte an all jene inklusive, die sich auf unterschiedliche Weise aktiv oder durch Spenden zusätzlich engagiert haben. Anträge gab es keine. Was nur heißen kann, dass unsere Mitglieder mit der Arbeit des Vorstands zufrieden sind. Letzteren wiederum entlasteten als Kassenprüfer Martin Köhl und Elmar Wendenburg.

 

Als neues Vorstandsmitglied wurde Jürgen Gröbel vorgestellt, der sich in erster Linie um die deutlich angewachsene Reise-Organisation kümmert – eine der zahlreichen Aufgaben, die seit der Wiedergründung des Verbands von Dietlinde Schunk-Assenmacher betreut wurde, die auf eigenen Wunsch ihre Vorstandsarbeit niedergelegt hat. Jasenka Roth verabschiedete die langjährige Schriftführerin mit einer ausführlichen und sehr persönlichen Würdigung. »Frau Schunk-Assenmacher«, sagte sie, »war von Anfang an ganze dreizehn Jahre im Vorstand des Verbandes. Sie hat ihn entscheidend geprägt. Ohne sie wäre der Verband nicht das, was er heute ist. Sie hat durch viele persönliche Kontakte Vorträge organisiert und für unsere Präsenz bei den Mitgliedern, Freunden und in der Presse gesorgt. Und sie hilft uns auch weiter.« Als Dankeschön gab es DVDs vom Mannheimer Ring in der Inszenierung von Achim Freyer, eine stark in den bildenden Künsten fußende Interpretation der Tetralogie, also aus jenem Bereich, mit dem sich die Kunsthistorikerin und Galeristin Schunk-Assenmacher auch beim Wagnerverband besonders einbrachte.

 

Zum öffentlichen Teil des Jahresabschlussfests hatten sich über siebzig Mitglieder und Freunde angemeldet sowie, eigens aus Weimar kommend, unsere diesjährige Stipendiatin Yuka Beppu und deren Freund. Auf die Keesmannschen Kochkünste folgte Musikdramatisches der schrägen Art. Martin Neubauer (Rezitator) und Heiko Triebener (Tuba) von den Bamberger Symphonikern ließen den Saal mit unerhörten Wagnerklängen, Stab- und sonstigen Reimen und vielem mehr erzittern. Kurz: ein Abend, der kein einmaliges Experiment bleiben soll.

 

Zu den weiteren künftigen Projekten gehören Opern- und Konzertreisen nach

Halle an der Saale, Meiningen, Wien und Oberammergau sowie das zweitägige

Parsifal-Symposium in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Coburg, wo wir

neben der Generalprobe auch eine Vorstellung der Neuinszenierung von Jakob

Peters-Messer besuchen. Daneben kommen wieder namhafte Referenten nach Bamberg – und mit Daphne Wagner erneut eine Wagner-Urenkelin. Als Stipendiat 2017 wird der aus Russland stammende Pianist, Komponist und Dirigent Sergey Neller, der beim letzten Mahler-Wettbewerb der Bamberger Symphoniker mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde, bei uns in Bamberg konzertieren. »Kommen Sie«, appellierte Jasenka Roth an Mitglieder und Gäste, »zu unseren Veranstaltungen. Man bekommt viele neue Impulse, ob inhaltlich oder im freundschaftlichen Austausch mit anderen. Und als Kollateralnutzen bleibt man lebendig, lern- und

entwicklungsfähig – und erfährt nebenbei auch etwas über Richard Wagner.«

 

Unsere Schnappschüsse zeigen oben und unten einen Blick in den Saal, in der Mitte links Jasenka Roth und Dietlinde Schunk-Assenmacher, mittig Martin Neubauer in Aktion und rechts Heiko Triebener. Fotos: privat


Nike Wagner bei uns in Bamberg

Erstmals war Wagner-Urenkelin Nike Wagner am Samstag, 6. Februar 2016, in Bamberg zu erleben und sprach auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands  im vollbesetzten großen VHS-Saal zum Thema Wagners BeethovenWeitere Texte und Berichte zu dieser Veranstaltung finden Sie unter Presse und unter Rückblick.

Nike Wagner (ganz links) mit Jasenka Roth, 1. Vorsitzende des RWV Bamberg, Christine Sünkel, stellv. Leiterin der VHS Bamberg Stadt, RWV-Mitglied Christiana Schmidt und 3. Bürgermeister Wolfgang Metzner, sowie (rechts) ein Blick in den vollbesetzten Saal der Volkshochschule Bamberg Stadt  Fotos: Dietlinde Schunk-Assenmacher 



Unsere Vortrags- bzw. Gesprächsveranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Seminarräumen in der 1. Etage des Hotels Bamberger Hof, Schönleinsplatz 4, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen. 

(Stand: 05/2017, Terminänderungen vorbehalten)