Aktuelles

Gralsglocken in Bayreuth und »Rosenkavalier« in Landshut

Detaillierte Informationen zu unseren letzten beiden Halbtagesfahrten in diesem Jahr finden Sie unter der Rubrik REISEN.


Jetzt online: »Die Walküre« aus der Opera North in Leeds

https://operavision.eu/en/library/performances/operas/die-walkure


Ein fulminantes Stipendiatenkonzert

Der Spiegelsaal der Harmonie war beim Stipendiatenkonzert bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: © Erich Weiß
Der Spiegelsaal der Harmonie war beim Stipendiatenkonzert bis auf den letzten Platz besetzt. Foto: © Erich Weiß

Von wegen »Wagnerverbandskonzert ohne Wagner«! Der Kontrabassist Justus Böhm und seine probaten Mitstreiter Dominik Schramm (Gitarre) und Harald Schneider (Klavier) spielten zwar beim diesjährigen Stipendiatenkonzert keine Note aus dem kompositorischen Schaffen des »Meisters«, aus Bayreuth. Aber der junge Musiker, der im nächsten Sommer auf Kosten unseres Verbands zu fünf ereignisreichen Festspieltagen fahren darf, baute Richard Wagner gekonnt und gewitzt in seine souveränen Ansagen ein. Und sang als Erstes jene vielsagend-magische Phrase der Rheintochter Woglinde »Nur wer der Minne Macht versagt« aus dem »Rheingold«, die verblüffender Weise fast identisch ist mit dem Beginn des Largos der Sonate in g-Moll des Barockkomponisten Henry Eccles, mit dessen Stück das abwechslungsreiche Programm begann. In den unkonventionell, in sanftem Bogen zu den Fenstern ausgerichteten Stuhlreihen blieb übrigens kein einziger Platz frei. Wer erst kurz vor Konzertbeginn kam, konnte sich nur noch aufs Podium setzen, fast 200 Besucher erlebten dann ein Konzert, in dem Justus Böhm die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und -techniken seines Instruments beeindruckend vorführte. Das Publikum, darunter Bürgermeister Wolfgang Metzner als Vertreter von Schirmherrn Oberbürgermeister Andreas Starke und Stadträtin Annerose Ackermann, war begeistert. Man darf gespannt sein, wie der 24-jährige Mozarteum-Bachelor sich weiter entwickelt.

Wagnerverbandsvorsitzende Dr. Jasenka Roth und die drei ausführenden Künstler Harald Schneider (Klavier), Justus Böhm (Kontrabass) und Dominik Schramm (Gitarre). Foto: © Erich Weiß
Wagnerverbandsvorsitzende Dr. Jasenka Roth und die drei ausführenden Künstler Harald Schneider (Klavier), Justus Böhm (Kontrabass) und Dominik Schramm (Gitarre). Foto: © Erich Weiß
Die drei Künstler mit Marlene Lou Kleinerüschkamp, unserer diesjährigen Bayreuth-Stipendiatin. Foto: © Erich Weiß
Die drei Künstler mit Marlene Lou Kleinerüschkamp, unserer diesjährigen Bayreuth-Stipendiatin. Foto: © Erich Weiß

 

Um die Ansprachen kurz zu halten, hat unsere Vorsitzende Dr. Jasenka Roth auf die im Vorfeld eingeholten persönlichen Anekdoten der drei Künstler verzichtet, die  hiermit gerne nachgereicht seien. Die Fotos von der Generalprobe sowie vom Konzert stammen von Erich Weiß, der unsere Drucksachen gestaltet und als Fotograf schon mit dem Berganza-Preis ausgezeichnet wurde. Weitere Fotos vom Konzert finden Sie in unserer Bildergalerie. 

 

Justus Böhm am Kontrabass Foto: © Erich Weiß
Justus Böhm am Kontrabass Foto: © Erich Weiß

Anekdote 1: Justus Böhm und sein verirrter Bogen

Bei der Generalprobe für ein Orchesterkonzert war ich früh dran, hab meine Sachen ausgepackt und mich dann erst einmal länger mit anderen Orchestermitgliedern unterhalten. Wir waren zwei Bassisten. Als ich zurück zum Pult kam – der andere Bassist war schon kräftig am Fiddeln – und meinen Bass in die Hand nahm, musste ich feststellen, dass ich offenbar vergessen hatte, meinen Bogen auszupacken. Doch im Bogenetui befand sich kein Bogen mehr. Inzwischen hatte das Orchester schon mit dem Stimmen angefangen, während ich auf der Suche nach dem Bogen durch den Raum irrte. Kurz bevor ich dem Organisator sagen wollte, dass ich meinen Bogen vergessen hatte, fiel dem anderen Bassisten schließlich auf, dass er die ganze Zeit mit meinem Bogen gespielt hatte.

 

Dominik Schramm und seine Gitarre Foto: © Erich Weiß
Dominik Schramm und seine Gitarre Foto: © Erich Weiß

Anekdote 2: Dominik Schramms Ode an die Fingernägel

Es gibt wohl bei fast allen Musikern, die ein Instrument intensiv studieren, mindestens ein Merkmal, das bei genauerer Betrachtung einen recht präzisen Schluss über dessen Instrument oder wenigstens Instrumentengruppe zulässt. Recht unauffällige Beispiele wären zum Beispiel die leicht angeschrägte Hornhaut der Harfenisten, oder die zusätzlichen Hautschichten zwischen den Fingern bei Mallet-Spielern, die dort entsteht, wo die Klöppel gehalten werden. Etwas auffälliger sind dann etwa der Bratscher- oder Geigerfleck am linken Unterkiefer, oder die sogenannten »Froschfinger« bei Kontrabassisten beziehungsweise ebenfalls die Belastungsspuren an der Seite des linken Daumens. Das mit am Abstand am meisten Zeit und Nerven in Anspruch nehmende dieser Merkmale sind aber sicherlich die Fingernägel der Gitarristen. Kaum ein Körperteil verlangt so viel Pflege und Aufmerksamkeit wie die hörnernen Kleinodien an der rechten Hand eines jeden Gitarrenspielers. Tägliche Pflege durch Feilen, auftragen von Nagelhärtern und immerwährende Vorsicht beim Anfassen von Dingen mit rauen Oberflächen, beim Entknoten von Schuhen, bei reflexartigen Bewegungen, bei allem, wo man mit Erde in Kontakt kommen könnte, beim Abspülen, beim Sport usw. Die Liste könnte wohl annähernd endlos fortgesetzt werden. Durchaus ein hoher Preis für die Fähigkeit, eine Gitarrensaite korrekt anzupfen (und sich außerdem in sehr effizienter Weise hinterm Ohr kratzen) zu können. Außerdem fällt es auf, wie viele Leute einen darauf ansprechen, oder einfach nur geistesabwesend auf meine rechte Hand schauen. Die obligatorische Frage »Warum hast du so lange Fingernägel?« kann nervig sein, aber auch durchaus erheitern, wenn man sie zum Beispiel mit »Ich kann die Nagelschere nur mit rechts halten« beantwortet, oder »Das ist Teil eines neuen Selbstverteidigungskurses«. Das eigentliche Problem ist aber nun, dass man sehr abhängig vom Wohlbefinden der Nägel wird. Bricht einer ab, ist der Finger fürs Spielen solange nutzlos, bis man entweder alle anderen Nägel kürzt, oder der betroffene Nagel wieder nachwächst. In Erinnerung blieb mir diesbezüglich ein Preisträgerkonzert von »Jugend musiziert«, dass ich in meinen frühen Jugendjahren mit meinem guten Freund und Duopartner Malte gespielt hatte im schönen Weinbrennersaal in Baden Baden. Vermutlich das Vorspiel vor den meisten Leuten bis dato, einige hundert Stühle bei Kronleuchterschein. Wenige Stunden davor war mir allerdings der Nagel meines Zeigefingers abgerissen; in der Not wurde dieser dann kurzerhand mit Sekundenkleber wieder drangebastelt. Hinter der Bühne, wenige Minuten vor dem Auftritt, riss er ein zweites Mal und musste erneut fixiert werden. Auf der Bühne hielt er für das erste Stück und verabschiedete sich dann erneut, was sich im Klangbild in einem unschönen bling-krrk-bling-krrk manifestierte. Diesen Moment werde ich wohl nie vergessen, mit improvisierten Fingersätzen und viel gutem Willen spielten wir den Vortrag dennoch tapfer zu Ende; die meisten Konzertbesucher hatten die Tortur vermutlich nicht bemerkt.

 

Harald Schneider ist ein versierter Begleiter am Flügel. Kontrabass spielt er übrigens auch. Foto: © Erich Weiß
Harald Schneider ist ein versierter Begleiter am Flügel. Kontrabass spielt er übrigens auch. Foto: © Erich Weiß

Anekdote 3: Wie Harald Schneider zum Wagnerverband kam

Harald Schneider ist nicht nur ein versierter Musiker und Pädagoge, sondern auch ein Rätselfreund. Und ist auf diesem Umweg zum Wagnerverband gekommen. Im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 stellte Monika Beer, damals noch FT-Redakteurin, einen Wagner-Blog ins Netz, den H. S. aufmerksam verfolgte. Jeden Monat gab es in »Mein Wagner-Jahr« auf infranken.de, der Internetplattform der Mediengruppe Oberfranken, eine Wissenswette mit Fragen zum Thema, bei der es Bücher und andere Sachpreise zu gewinnen gab. H. S. gewann unter verschiedenen Absenderadressen gleich mehrfach und obendrein als Hauptpreis den gemeinsamen Besuch der Premiere einer Wagneroper nach Wahl mit der Bloggerin (und stellvertretenden Vorsitzenden des Wagnerverbands Bamberg). Es wurde die »Walküre« in Nürnberg, und H. S. wurde sofort als Mitglied geworben. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.


Nibelungentagung an der Uni Bamberg

altiu maere heute. Die Nibelungen und ihre Rezeption im 21. Jahrhundert heißt eine Tagung von 9. bis 11. November 2017, die unser Mitglied Prof. Dr. Ingrid Bennewitz und Dr. Detlef Goller vom Zentrum für Mittelalterstudien (ZeMas) an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg organisiert haben. Das Tagungsprogramm finden Sie unter https://www.uni-bamberg.de/germanistik/aedl/aktuell/artikel/altiu-maere-heute-die-nibelungen-und-ihre-rezeption-im-21-jahrhundert-09-11112017/



Vom wahren und unwahren Wahnfried

Mit so viel Publikum hatten sie gar nicht gerechnet: Wagner-Urenkelin Daphne Wagner und ihr Schriftsteller-Ehemann Tilman Spengler waren überrascht, dass zu ihrer Lesung aus ihrem nun schon fünfzehn Jahre alten Buch »Zu Gast bei Wagner« rund achtzig Besucher in den großen VHS-Saal gekommen waren.  Der Abend machte auf amüsante Weise klar, dass Geschichten vom Rande des Hügels, selbst wenn sie sehr authentisch von einer echten Urenkelin des »Meisters« vorgetragen werden, nicht immer authentisch sein müssen. Sie können auch gut erfunden sein. Unsere Schnappschüsse in der Bildergalerie stammen von Vorstandsmitglied Ulrike Müller. 


Weil Freitag, der dreizehnte, war . . .

. . . sei gerne folgendes aus einem Artikel der Rheinischen Post vom 13. Oktober 2017 zitiert:

Viele große Geister waren zahlengläubig. Richard Wagner beispielsweise glaubte an die 13, weiß der bekannte Wuppertaler Germanist Heinz Rölleke. Wagner nahm die Anzahl der Buchstaben seines Namens 13 und sein Geburtsjahr (1813), um sein Leben danach auszurichten. Er schrieb seine Werke immer am 13. eines Monats, führte sie an diesen Tagen auf und eröffnete die ersten Bayreuther Festspiele an einem 13. (August 1876). Wagner schrieb 13 Opern. Und »für alle Zweifler«, so Rölleke starb an einem 13.

Stimmt zwar definitiv nur zum Teil, aber zumindest tendenziell hat es was.


Durch Küche & Keller von Wahnfried

Daphne Wagner und Tilman Spengler lesen am 24. Oktober um 19.30 Uhr im VHS-Saal aus ihrem Buch »Zu Gast bei Wagner«

 

Künstler-Ehepaare von diesem Kaliber sind selten. Umso größer die Freude, dass Daphne Wagner, Schauspielerin und Wagner-Urenkelin, und ihr Mann Tilman Spengler, Schriftsteller, Sinologe, Rezitator und Redenschreiber, zu einer kulinarischen Lesung nach Bamberg kommen: Am 24. Oktober um 19.30 Uhr werden die beiden auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands und der Volkshochschule Bamberg Stadt im großen VHS-Saal Geschichten aus ihrem längst vergriffenen Buch »Zu Gast bei Wagner« vortragen – und damit auch die natürlich im Raum stehende Frage klären, ob bei den Wagners in Wahnfried Met getrunken wurde und wenn ja, ob gar aus Hörnern. Der Eintritt ist frei.

 

Als der reich bebilderte Band über Kunst, Kultur und Kulinarisches in der Villa Wahnfried vor fünfzehn Jahren in der Collection Rolf Heyne erschien, gab es in Bayreuth, München, Salzburg und andernorts Buchpräsentationen der besonderen Art mit echten Kostproben, (was übrigens auch für die Bamberger Lesung jetzt zumindest angedacht war). Dass der mit dreiunddreißig Rezepten und stimmigen Fotos von Barbara Lutterbeck angereicherte Band ein Erfolg werden würde, lag schon bei der Buchpremiere auf der Hand: Peter Jonas, der damalige Münchner Staatsopernintendant, stellte nämlich fest, dass die beiden Autoren mit ihrem Werk »Wagner aus dem schweren Bett der Musikgeschichte« befreit  hätten.

 

Die Leichtigkeit der Anekdoten um Lieblingsspeisen und Abneigungen, Trinksitten und Diätvorschriften bei den Wagners versteht sich von selbst. Denn Tilman

Spengler hält sich zwar an das, was seine Wagnerfamilienfrau Daphne nach durchaus aufwändigen Recherchen eingebracht hat, würzt sie aber mit seinem ureigenen Hintergrundwissen und Erzählcharme, mit Erfindungslust und einer großen Prise Ironie. Mehr soll vorab nicht verraten werden. Nur so viel: Daphne Wagner und Tilman Spengler (Foto: Angelika Lehne-Döring) bringen einen kleinen Restbestand an Büchern mit, die sie nach der Lesung auch gerne zum Sonderpreis abgeben und mit Autogrammen versehen.

 

Daphne Wagner ist als jüngste Tochter von Wieland und Gertrud Wagner am 13. November 1946 in Bayreuth geboren und in Wahnfried aufgewachsen. Wie ihre Geschwister Iris, Wolf-Siegfried (genannt Wummi) und Nike ging sie zunächst in Bayreuth in die Schule und folgte ihnen später ins Internat, zuletzt in Stein am Chiemsee. 1966 trat sie ihre Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin an, schon im Jahr darauf debütierte sie am Wiener Theater in der Josefstadt in Anouilhs Stück »Die Probe« als Hortense an der Seite von Karlheinz Böhm als Graf und Ursula Lingen als Gräfin. 1969/70 folgte ihr erstes festes Engagement am Theater Essen.

 

Schon bei ihrer nächsten Station, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, traf sie 1971 auf den Regisseur Dieter Dorn, der prägend für ihre künstlerische Laufbahn und für fünfzehn Jahre auch ihr Lebensgefährte werden sollte. Beim ersten gemeinsamen Stück, der »Lysistrata« von Aristophanes, spielte sie nicht nur eine Böotin, sondern sprang auch gleich als Regieassistentin ein. Was sie eigentlich gerne öfter gemacht hätte, aber damals galt noch – sie hat es sogar schriftlich von einem renommierten Theaterleiter –: Keine Frauen ans Regiepult! (Das späte Regiedebüt sollte ihr erst 2013 beschieden sein, als sie im letztmalig von ihrer Schwester Nike geleiteten Kunstfest Weimar einsprang für das Stück »Nieder mit Wagner!«) Nach weiteren Engagements in Basel und am Schillertheater Berlin war sie von 1977 bis 2008, zeitweise auch als Pressesprecherin, Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele.

 

Neben vielen Auftritten in Dorn-Inszenierungen und Uraufführungen, darunter in Stücken von Botho Strauß als K in »Kalldeway, Farce« und als Frau mit Hut in »Schlusschor«, als Andromache in Shakespeares »Troilus und Cressida« sowie als Tod/Morgane le Fay/Orgeluse in Tankred Dorsts »Merlin oder Das wüste Land«, spielte sie auch unter Regisseuren wie Alexander Lang, Volker Schlöndorff, Anselm Weber, Ernst Wendt, Robert Wilson, George Tabori und Peter Zadek und Jossi Wieler, mit dem sie das Stück »Das Fest des Lamms« von Leonora Carrington realisierte, der Geliebten des Surrealisten Max Ernst, über die sie gemeinsam mit Tilman Spengler in New York auch einen Dokumentarfilm gedreht hat.

 

Apropos Film: Wenn man ihre vielen Bühnenauftritte bedenkt, ist die Liste ihrer Kino- und Fernsehfilme beeindruckend lang. Ihr erster wichtiger Spielfilm war »Der starke Ferdinand« von Alexander Kluge 1976, es folgten als erster Mehrteiler 1982 die »Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull« unter Bernhard Sinkel und 1983 der auch als Fernsehserie gezeigte Wagner-Film von Tony Palmer mit Richard Burton in der Titelrolle und ihr als Fürstin Metternich. Zu den TV-Serien, bei denen

sie in Hauptrollen mitwirkte, zählen »Unsere Hagenbecks« im ZDF (38 Episoden in

drei Staffeln) und »Wildbach« in der ARD (52 Episoden in vier Staffeln). Der

jüngste Film, den sie gedreht hat, heißt »Mittelreich« von und mit Josef Bierbichler

und kommt im nächsten März in die Kinos und später ins Fernsehen. In dieser

bayerischen Familien-Nachkriegs-Wirtschaftswundersaga spielt sie die Baronin Fricka von Wähnen – und an ihrer Seite debütiert Tilman Spengler als Baron Frido von Wähnen.

 

Dass Daphne Wagner auch als Rezitatorin bekannt ist, sei hier nur als biografische Randnotiz vermerkt: Sie wurde benannt nach einer Lieblingsoper ihrer Mutter Gertrud, ihr Patenonkel war Richard Strauss junior, der gleichnamige Enkel des Komponisten, und unter anderem mit ihm bestritt sie viele Lesungen von Briefen und Texten von Wagner, Cosima und Strauss. Und noch was Familiäres: Nach dem Tod ihrer ältesten Schwester Iris 2014 übernahm sie deren Platz im Stiftungsrat der Richard-Wagner-Stiftung und versuchte streitbar, aber vergeblich noch zu verhindern, dass die Familie dort nichts mehr zu sagen hat.

 

Tilman Spengler ist am 2. März 1947 in Oberhausen geboren und ist im besten Sinne des Wortes ein Polyhistor von hohen Graden, kurz ein universalgebildeter und universalbegabter Künstler, Wissenschaftler und Publizist, der sich durch sein literarisches Schaffen, durch seine eloquenten Streifzüge nicht nur durch die Weltliteratur, sondern insbesondere auch durch China, sowie auch als Redenschreiber unter anderem für den jetzigen Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier einen Namen gemacht hat. Er studierte in Heidelberg, Taipeh und München Sinologie, Politikwissenschaft und neuere Geschichte, promovierte 1972 und arbeitete zunächst als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Sozialwissenschaften und als Mitarbeiter des Philosophen Carl Friedrich von

Weizsäcker sowie als Journalist für namhafte Publikationen und von 1980 bis

2008 als Mitherausgeber der Zeitschrift Kursbuch.

 

Mit seiner 1991 erschienenen Romanbiographie »Lenins Hirn«, die in einundzwanzig Sprachen übersetzt wurde, erlangte er als Schriftsteller auf Anhieb auch internationalen Ruhm, mit der Leidensgeschichte in 24 Wirbeln »Wenn Männer sich verheben« 1996 gelang ihm ebenfalls ein Bestseller. 1999 bekam er als „Mainzer Stadtschreiber die erste öffentliche Auszeichnung, 2003 folgte der Ernst-Hoferichter-Preis, 2008 der Literaturpreis der Stadt München.

 

Über sein letztes, 2015 erschienenes Buch – »Waghalsiger Versuch, in der Luft zu kleben«, eine Hommage an den Maler Jörg Immendorff – schreibt Spenglers

Schriftstellerkollege Sten Nadolny: »Ein großes Vergnügen. Der Text liest sich amüsant wie wundersam sirrender Nonsense, gibt aber auch die Gewissheit, dass Immendorff und die Situationen genau getroffen sind, sozusagen mit genauer Zärtlichkeit. Ich stelle mir immer wieder Immendorff selbst vor, wie er die Texte liest und ins Kichern gerät, weil er sich völlig wahrgenommen und gleichzeitig auf die Schippe genommen fühlt.« Der nächste Spengler-Titel ist längst in Arbeit und

soll zur Buchmesse 2018 herauskommen: ein Buch über eine große Kunstfälschung

des 20. Jahrhunderts.

 

Dass er, wie Harald Eggebrecht zu seinem 70. Geburtstag in der Süddeutschen Zeitung vermerkte, ein »begnadeter Stegreiferzähler« ist, wissen alle, die seine Sendereihe »Klassiker der Weltliteratur« kennen und lieben, mit der es auf einhunderteins Folgen brachte: »Man denke nur«, so Eggebrecht, »an seine Fernsehauftritte bei BR Alpha, wo er nie den Faden verlor, an dem er den Zuschauer durchs Labyrinth der Weltliteratur geleitete, vorbei an all den Behinderungen durch seltsam pseudogemütliche Studioeinrichtungen und unvermittelte

Kameraeinstellungswechsel.« Und noch ein Geburtstagsartikel sei dankbar

zitiert. Mark Siemons schrieb in der FAZ über sein Romandebüt: »Vieles, was

diesen Schriftsteller ausmacht, schießt da zusammen: die Leichtigkeit des Tons,

der sich so sehr vom dräuenden Sound seines Großonkels Oswald abhebt, und eine

Ironie, die so sanft und unaufgeregt daherkommt, dass sie manchmal die Schärfe

der Analyse übersehen lässt, auf der sie beruht.«

 

Laut Siemons gehört zu seinen beglückenden Erfahrungen in China die Fähigkeit der Leute dort, sich Begriffe wie Bälle zuzuwerfen. Was sich wunderbar ins Biografische fügt, denn Spengler hat vor zehn Jahren in eine Familie eingeheiratet, in der man nicht mit Begriffen, aber spielerisch-virtuos mit Wagner-Zitaten umzugehen weiß. Dass er seine langjährige Lebenspartnerin Daphne Wagner übrigens erst an seinem 60. Geburtstag geheiratet hat, ist, wie er in einem Interview erzählte, aus einem banalen Grund geschehen: »Sie hat vorher einfach nicht eingewilligt und sie wusste nicht, was sie mir zum Geburtstag schenken soll.«


Christoph Eß als Publikumsrenner

Es waren mehr als hundert Zuhörer, die zu unserer Auftaktveranstaltung des Herbst- & Winterprogramms mit Christoph Eß in den Großen VHS-Saal kamen und begeistert waren. Gute hundert Minuten gab der Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker souverän  in freier Rede und brillant im musikalischen Vortrag eine so gekonnte Einführung in die Besonderheiten der Wagnertuba, dass alle, die das erlebt haben, das von Wagner initiierte Instrument künftig mit anderen Ohren hören werden. Und natürlich dürfte die Hochachtung des Publikums vor der künstlerischen Leistung von Christoph Eß und allen Hornisten noch um einiges gewachsen sein, wenn man um die ständige Transkriptionsleistungen der Musiker weiß. Die Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Wagnertuba waren ebenso aufschlussreich wie die nur wenig vom Band und überwiegend live gespielten Musikbeispiele von 1875 bis heute, angefangen beim Rheingold-Es-Dur und endend mit dem bisher einzigen Solostück für Wagnertuba, »Jägarna pa Karinhall« (Die Jägerin auf Karinhall). Der junge Münchner Komponist Johannes X. Schachtner sprach gerne ein paar einleitende Sätze zur Bamberger Erstaufführung dieses während seines Aufenthalts in der Villa Concordia entstandenen Stücks, das eben nicht nur den vornehmen Klang des Instruments pflegt, sondern viele und sehr  unterschiedliche Facetten aufscheinen lässt. Dankbarer Beifall für einen bereichernden Abend, der im VHS-Bistrot ausklang. 

Unsere aus beleuchtungstechnischen Gründen leider unzureichenden Schnappschüsse zeigen Christoph Eß beim Vortrag, Johannes Schachtner und RWV-Vorsitzende Jasenka Roth sowie den Bamberger Maler und Bühnenbildner Karlheinz Beer, der aktuell an einer Rosenkavalier-Neuinszenierung am Landestheater Niederbayern arbeitet, zu der wir am 16. Dezember eine Busfahrt nach Landshut anbieten. Fotos: Karlheinz Beer und Ulrike Müller

Jetzt schon für Bayreuth bestellen . . .

Ein Schnappschuss vom Festspielsommer 2017: Christoph Eß, Hornist im Festspielorchester, Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker und unser erster Referent nach der Sommerpause, traf in einer Walküre-Pause auf unsere Vorsitzende Dr. Jasenka Roth. Mit beiden gibt es ein Wiedersehen am Dienstag, 19. September 2017 um 19.30 Uhr im Großen Saals der VHS Bamberg Stadt (Tränkgasse 4), wo Eß nicht nur ausführlich über die Wagnertuba sprechen wird (in Kooperation mit der Volkshochschule Bamberg Stadt). Wer jetzt schon an die nächsten Festspiele denkt, liegt übrigens nicht falsch: Die Stichtage für die Kartenbestellung rücken näher (postalisch: 16. Oktober, online 31. Oktober 2017), und erstmals wollen die Bayreuther Festspiele bei der Kartenzuteilung die sie unterstützenden Vereine – dazu zählt als Mitglied im Richard-Wagner-Verband International (RWVI) auch der Richard-Wagner-Verband Bamberg – besonders berücksichtigen. Im Online-Bestellformular sowie auf den postalischen Bestellunterlagen gibt es eigens entsprechende Rubriken, d.h. unsere Mitglieder setzen erst einen Haken beim RWVI und schreiben dann in das entsprechende Feld Bamberg und die neue Mitgliedsnummer (die wir im Zuge einer Umstellung auf eine Vereinssoftware gerade erst vergeben haben). Wer seine neue Mitgliedsnummer nicht kennt, kann sie per E-Mail anfordern bei reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de. Ob alle RWV-Mitglieder tatsächlich eher eine Kartenzusage bekommen, kann natürlich niemand garantieren. Aber sicher ist die Meistersinger-Inszenierung jeden Versuch wert! Zur Walküre unter Placido Domingo sei lieber nichts gesagt, zumal selbst die Festspiele GmbH bei den eigenen Postkarten noch ziemlich üben muss (siehe Abbildung unten) . . .   Foto: Ulrike Müller  


Jede Sommerpause hat ihr Ende . . .

Zweifellos darf auch ein fleißiges Homepage-Lieschen (links) mal eine Sommerpause machen. Aber die hat ein Ende. Fangen wir an mit dem Terminflyer und vor allem mit dem sprachlich fulminanten Bericht unserer Bayreuth-Stipendiatin Marlene Lou Kleinerüschkamp (rechts), die beschreibt, was sie in der Festspielstadt erlebt hat. Demnächst unter Beers Tipps dann auch die angekündigte Kritik zur Meistersinger-Neuinszenierung von Barrie Kosky. 


Die neuen »Meistersinger« in Bayreuth

Wer wissen will, wie die Festspiel-Neuinszenierung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg wird, kann wahlweise die Nornen und/oder Besucher der für eine breitere Öffentlichkeit gesperrten Generalprobe befragen. Ansonsten gibt es jede Menge Vorberichterstattung. Zum Beispiel in der aspekte-Sendung vom 21. Juli sowie in Interviews mit Regisseur  Barrie Kosky, zum Beispiel mit der Deutschen Presse-Agentur und in der Neuen Musikzeitung. Hier noch die Links zu einem Kosky-Porträt in der Jüdischen Allgemeinen und zum Streitgespräch zwischen den Kritikern Manuel Brug und Jörn Florian Fuchs über die allgemeine Situation bei den Bayreuther Festspielen im Deutschlandfunk. Unsere Abbildung zeigt Barrie Kosky, den Meistersinger-Regisseur, Intendanten und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin (Foto: Jan Windzus). BR-Klassik begleitet die Premiere am 25. Juli im Hörfunk bereits ab 15.05 Uhr mit Informationen, Live-Gesprächen und Eindrücken von den Proben und überträgt dann die Aufführung im Rundfunk. Im Video-Livestream ist die Eröffnung ab 16 Uhr auf br-klassik.de/concert deutschlandweit im Internet zu sehen. In 3sat wird eine Fernsehfassung am Freitag, 28. Juli um 20.15 Uhr, ausgestrahlt, ARD-alpha wiederholt die Sendung am Sonntag, 30. Juli, ebenfalls zur Primetime um 20.15 Uhr. Alles übrigens kostenlos.


»Holländer«-Fahrt in der Bildergalerie

Brav wie weiland in der Volksschule: Unser Schnappschuss zeigt Teilnehmer unserer Fahrt zum Holländer in Oberammergau und oberbayerischen Blaue-Reiter-Stätten bei der Einführung im Gabriele-Münter-Haus in Murnau. Weitere Fotos finden Sie wie immer  in der Bildergalerie.

»Meistersinger«-Partitur in Wahnfried

Das Richard-Wagner-Museum Bayreuth stellt für die Dauer der Bayreuther Festspiele und aus Anlass

der diesjährigen Neuproduktion in seiner Schatzkammer erstmals die originale, hoch wertvolle Partiturhandschrift der Meistersinger von Nürnberg aus. Dieses Autograph ist die einzige erhaltene originale Partitur-Reinschrift Richard Wagners, die sich nicht im Archiv des Museums befindet und auch nie zuvor in Bayreuth war – weder zu Richard Wagners Lebzeiten noch später. Die Leihgabe des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg umfasst 464 Seiten, ist am Beginn der Festwiesen-Szene des 3. Aufzugs aufgeschlagen und wird in der Schatzkammer um weitere wertvolle Handschriften Wagners zu den Meistersingern ergänzt: dem Prosaentwurf, der Dichtung, dem Kompositionsentwurf und der Orchesterskizze, die den Weg zur Partitur aufzeigen. Unsere Abbildung zeigt die letzte Seite der am 24. Oktober 1867 abends um 8 Uhr in Tribschen vollendeten Partitur.


»Es gibt nichts Ewiges . . .«

Wieland Wagner wäre am 5. Januar 2017 hundert Jahre alt geworden. Das Richard-Wagner-Museum Bayreuth widmet ihm deshalb unter dem Titel

»Es gibt nichts Ewiges . . .«  nicht nur eine Sonderausstellung, die von 25.

Juli bis 19. November 2017 im Neubautrakt von Wahnfried zu sehen sein wird, sondern von 3. bis 5. August auch ein Symposium, in welchem namhafte Referenten den ästhetischen Grundlagen und Konzepten Wieland Wagners ebenso nachgehen wie dem Verhältnis von Biografie, Kunst und Politik diesseits und jenseits der historischen Zäsur von 1945. Laut Pressemitteilung versucht die Jubiläumsausstellung, dem Menschen und Bühnen-Künstler Wieland

Wagner nachzuspüren und einen Eindruck zu vermitteln von einer wegen seines frühen Tods im Alters von nur 49 Jahren nur kurz währenden, jedoch bis heute nachwirkenden, legendären Epoche der Bayreuther Festspiele und damit der Musiktheaterkunst und eines radikal gewandelten Wagner-Bildes weltweit. Für das  Symposium zeichnet auch Musikwissenschaftler Stephan Mösch verantwortlich, der im April auch an unserer Parsifal-Werkstatt mitgewirkt hat und in Wahnfried unter dem Titel »Der Flieder war’s« über »Wieland Wagner, die Meistersinger und das kollektive Gedächtnis« sprechen wird. Gemeinsam mit Museumsdirektor Sven Friedrich wird er auch Podiumsdiskussion »Wieland Wagner und die Folgen« mit der Wagnersängerin Anja Silja, dem Regisseur Stefan Herheim und dem Experten Prof. Dr. Jens-Malte Fischer moderieren. Das Foto zeigt Wieland Wagner vor einer Wagnerbüste. Vorlage: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth 


Zwei Stipendiaten auf einen Streich

Sie fahren zwar schön nacheinander nach Bayreuth, stellen sich hiermit aber schon mal gemeinsam vor:  Marlene Lou Kleinerüschkamp und Justus Böhm, unsere Stipendiaten 2017 und 2018. Erstere ist Germanistik- und Anglistikstudentin in Bamberg und hatte sich mit ihrem Videobeitrag   zur Parsifal-Werkstatt nachhaltig empfohlen. Sie wird im August 2017 im Rahmen des Stipendiums unter anderem drei Festspielaufführungen erleben dürfen und uns im nächsten Jahr mit einem exklusiven Vortrag zum Thema Ring beglücken. Letzterer ist in Bamberg und in den Haßbergen aufgewachsen, steht als Kontrabassist kurz vor seinem Studienabschluss am Salzburger Mozarteum und ist auch in der hiesigen Punk-, Rock- und Jazz-Szene kein Unbekannter mehr. Er wird schon im November 2017 im Spiegelsaal sein garantiert abwechslungsreiches Stipendiatenkonzert bestreiten und dann im Festspielsommer 2018 auf unsere Kosten zu den Stipendientagen nach Bayreuth fahren. Wir gratulieren! Ausführliche Infos zu unseren Stipendiaten finden sich in der entsprechenden Rubrik. Foto: Karlheinz Beer


Hochrangig besetztes Symposium

Diskurs Bayreuth heißt ein neues Rahmenprogramm zu den Bayreuther Festspiele, das ab diesem Festspielsommer künftig alljährlich durch wissenschaftliche Vorträge, Gespräche und musikalische Programme die kritische Auseinandersetzung mit Richard Wagner anregen will. Das erste zweitägige Symposium in Haus Wahnfried  ist durchgängig hochkarätig besetzt. Zum Thema »Wagners Werk und der Nationalsozialismus. Zur Frage des Sündenfalls in der Kunst« sprechen am 28. Juli nicht nur namhafte Wissenschaftler und Fachjournalisten, sondern auch der Komponist Dieter Schnebel und Meistersinger-Regisseur Barrie Kosky. Am 29. Juli dreht sich alles um die Fragen »Oper ohne Wagner? Musik ohne Oper. Die Situation der Künste in der Neuorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg«; zu den Referenten zählen Klaus Zehelein, Elisabeth Bronfen und Wolfgang Fink, der frühere Symphoniker-Intendant. Das von den Bayreuther Festspielen mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth und in Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth veranstaltete Symposium wird außerdem begleitet von einer vierteiligen Konzertreihe. Der Eintritt zum Symposium ist frei, um Voranmeldung wird gebeten. Ausführliche Infos gibt es auf der Homepage der Bayreuther Festspiele.


Gebirgs-Holländer, ahoi!

Unsere RWV-Reisegruppe wird zwar erst kurz vor der Derniere, nämlich am 21. Juli, in Oberammergau mit dabei sein bei der außergewöhnlichen Schiffspartie. Aber schon jetzt gibt es jede Menge Vorberichte zur Neuinszenierung von Richard Wagners Fliegendem Holländer im Passionsspielhaus. Kein Wunder: heute, am 30. Juni, ist Premiere! Hier ein paar Links zur Einstimmung, und zwar zu den Berichten im Münchner Merkur, in der Welt, der Südwest-Presse, in der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Abendzeitung. Und weil das Passionstheater so nachdrücklich mit einem Besuch Richard Wagners 1871 in Oberammergau wirbt, sei dem – ebenso nachdrücklich – unter Beers Tipps widersprochen. Foto: Passionstheater Oberammergau © Andy Stückl

Spannende Dreierrunde zu Wagner

Unter dem Titel »Der fremde Vertraute« diskutieren am 29. Juni 2017 um 19 Uhr im Saal von Haus Wahnfried drei Persönlichkeiten, denen Wagner auf verschiedene Weise zu einer Lebensaufgabe geworden ist, über ihre Annäherungen an und Haltungen zu Wagner, dessen Persönlichkeit, Biographie und Schaffen: der Dirigent und Musikdirektor der Bayreuther Festspiele Christian Thielemann, der Musiker, Musikologe und Musikantiquar Ulrich Drüner

und Wahnfried-Direktor Sven Friedrich. Die beiden letzteren konnten wir auch schon zu Gast bei uns in Bamberg erleben: Friedrich stellte im Juni 2015 das neue Wagner-Museum vor, im Januar 2017 konnten wir aus erster Hand Einblick in Ulrich Drüners Wagner-Biografie bekommen. Karten für die spannende Wagner-Dreierrunde zum Preis von 8 Euro sind nur an der Abendkasse des Richard-Wagner-Museums erhältlich. Unsere Abbildung zeigt Richard Wagner in einer Aufnahme von Joseph Albert in München vom 11. November 1864. Vorlage: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth


Leider gleich zwei Nachrufe

Zwei außergewöhnliche und außergewöhnlich liebenswürdige Protagonisten der Bayreuther Festspielszene sind von uns gegangen: der Dramatiker und spätberufene Ring-Regisseur Tankred Dorst (siehe links bei der Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag 2005 in Sonneberg) und die bildende Künstlerin rosalie, von deren Bühnenbildern für Alfred Kirchners Ring-Inszenierung 1994 bis 1998 hier ein Entwurf zum vierten Rheingold-Bild zu sehen ist. Unter Beers Tipps wird ausführlicher an beide erinnert. Foto: Monika Beer


Wien, Wien, nur du allein . . .

»Man kann es in Wien«, sagte Helmuth Qualtinger einmal, an dessen Grab im Zentralfriedhof wir auch standen, »nicht mehr aushalten, aber woanders auch nicht.« Natürlich hat unsere Reisegruppe sich nicht nur mit einem Schalerl Kaffee begnügt, sondern war vom Beginn bis zum Ausklang der von Reiseleiter Dr. Jürgen Gröbel perfekt getakteten Wien-Fahrt von 3. bis 6. Juni eingebunden in ein vorzüglich ausgearbeitetes kulinarisches Programm. Auch die kulturellen Genüsse waren reichlich: mit Gruppen-Führungen durch die Egon-Schiele-Ausstellung in der Albertina und zu den Musiker- und Künstler-Gräbern auf dem Zentralfriedhof (siehe Foto unten), mit individuellen Ausstellungsbesuchen (bei Maria Theresia, Maria Lassnig, der feministischen Avantgarde der 1907er-Jahre usw.) bzw. beim Kirchgang am Pfingstsonntag (mit Anton Bruckners Messe d-moll im Stephansdom) sowie zwei Opernvorstellungen mit der szenisch von uns eher zwiespältig aufgenommenen Uraufführung von Mondparsifal Alpha 1-8 von und mit Jonathan Meese, Bernhard Lang und Simone Young im Theater an der Wien und der einhellig gefeierten Repertoirevorstellung der Götterdämmerung an der Wiener Staatsoper unter Peter Schneider mit großartigen Solisten in der fast zehn Jahre alten Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf, die bemerkenswert war durch ihre Sinnfälligkeit und die Konzentration auf das Wesentliche unter Auslassung fast aller Regietheatermoden (welchletztere es beim Mondparsifal am Abend zuvor umso reichlicher gegeben hatte). Weiteres Fotomaterial finden Sie in der Rubrik Bildergalerie.


Richard-Wagner-Preis für Oswald Georg Bauer

Oswald Georg Bauer, der auf unsere Einladung im Januar seine im Sommer 2016 erschienene Festspielgeschichte im Bamberger VHS-Saal vorstellte, wird für dieses sein Standardwerk mit dem Richard-Wagner-Preis ausgezeichnet. Die Leipziger Richard-Wagner-Stiftung nannte bei der Bekanntgabe des neuen Preisträgers dessen Buch ein

»enzyklopädisches Standardwerk über die Geschichte der Mutter aller

Festspiele«. Mit seiner zweibändigen, fast 1300 Seiten umfassenden Geschichte der Bayreuther Festspiele habe Bauer »etwas Großes, Außergewöhnliches und

bisher Einmaliges« geschaffen. Der Richard-Wagner-Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird seit 2013 alljährlich verliehen. Die bisherigen Preisträger waren der Schriftsteller Friedrich Dieckmann (2013), die polnische Opernintendantin Ewa Michnik (2014), der Dirigent Christian Thielemann (2015) und die Sängerin Waltraud Meier (2016). Der Preis wird in einem Festakt am 2. Juli in der Oper Leipzig verliehen. Weitere Infos zu Bauer, seinem Vortrag und seiner Festspielgeschichte finden Sie weiter unten sowie in den Rubriken Beers Tipps und Presse. Unsere Abbildung zeigt Oswald Georg Bauer in einem Foto von Michael Weiser vom Nordbayerischen Kurier Bayreuth aus dem Jahr 2016).


Erneuter Online-Sofortkauf für Bayreuth ab 11. Juni um 14 Uhr

Die Bayreuther Festspiele 2017 sind noch nicht ausverkauft, denn sie starten einen

zweiten Online-Sofortverkauf. Hier im Wortlaut die Mitteilung:

 

Mitte Februar ging ein Kartenkontingent für alle Vorstellungen der Saison 2017 in den Online-Sofortkauf. Die Möglichkeit, ohne die üblichen Wartezeiten an die

begehrten und oftmals langjährig ausverkauften Tickets zu kommen, sorgte für

einen Ansturm im Netz. Nun gibt es eine zweite Chance: Wie angekündigt wird am 11. Juni 2017, ab 14 Uhr ein Rest-Kontingent aus nicht bezahlten und aus triftigen Gründen zurückgegebenen Karten freigeschaltet. Für kurzentschlossene Wagner- und Festspiel-Begeisterte gibt es zum letzten Mal Karten für die meisten der 30 Aufführungen der Bayreuther-Festspiele.

 

Die unter anderem per Newsletter verbreitete Mitteilung möchte suggerieren, dass auch jetzt noch Festspielkarten »oftmals langjährig ausverkauft« seien, informiert aber gleichzeitig, dass es auf diesem Weg »zum letzten Mal Karten für die meisten der 30 Aufführungen der Bayreuther Festspiele« gäbe. Wollen wir wetten, dass das »Rest-Kontingent aus nicht bezahlten und aus triftigen Gründen zurückgegebenen Karten« für den Ring des Nibelungen ziemlich groß ist und trotz des erwarteten und diesmal hoffentlich technisch zu bewältigenden Ansturms nicht nur am 11. Juni 2017 im Netz steht?


Wagners Geburtstag vor 140 Jahren

Am 22. Mai 1877 feierte Richard Wagner seinen 64. Geburtstag in London, wo er sich auf Konzertreise befand, um das Defizit der ersten Festspiele verringern. Gemeinsam mit Ring-Uraufführungsdirigent Hans Richter leitete er von 7. bis 29. Mai insgesamt acht umjubelte Konzerte in der Royal Albert Hall. Apropos: Auch die Royals gaben sich die Ehre! Am 12. Mai 1877 wurde Wagner durch einen Empfang des Prince of Wales geehrt, am 17. Mai 1877 folgte ein Empfang von Queen Victoria in Windsor Castle.  Ihr Sohn Prinz Leopold sprach Wagner auf dessen Hund Russ an, den er in Luzern gesehen hatte. Cosima notiert in ihre Tagebuch: »Windsor macht einen mächtigen Eindruck, nur will die innere Einrichtung durchaus nicht mit dem äußeren Bau stimmen; und selbst die schönen van Dycks, der herrliche Holbein und der magische Rembrandt passen nicht. Wie anders die Paläste in Italien!« Über den Geburtstag selbst schreibt Cosima:

 

Dienstag 22 R.'s Geburtstag! Sehr hübsche Briefe sämtlicher Kinder und mancherlei sonstige Gratulation.* Abends Bankett, bei welchem R. die Medaille verteilt, welche ich ihm bescherte; wahrscheinlich das letzte Werk Semper's, des großen Meisters! Materna, Richter, Wilhelmj erhalten sie. – R. spricht sehr ergreifend, dankt für den Empfang, und Semper zitierend vergleicht er Augenblicke und Jahre, solche Augenblicke, sagt er, lassen ihn die Jahre vergessen. Sonst das Fest ein wenig geräuschvoll, deutsch; man läßt Fidi leben!* Dieser Seite liegt ein Telegramm von Franz Liszt bei, aus Hannover vom gleichen Tage gerichtet an »Richard Wagner, Albert Hall, London. Herzensgruß Deines F.«

 

Zwei Tage später geht der gerade 64 Jahre alt gewordene Wagner ins Foto-Atelier Elliott & Fry in der Londoner Baker Street. Es entsteht eine Serie von acht Aufnahmen, die etwas Besonderes ist. Laut Gunther Braam, dem Autor des Standardwerks Richard Wagner in der zeitgenössischen Fotografie, welches dieser 2016 auch bei uns in Bamberg vorstellt hat, sticht diese Serie aus der Wagner-Ikonographie hervor, »weil sie uns Wagners Büste von (fast) allen Seiten zeigt.« Die Abbildung oben zeigt eine dieser Aufnahmen als Postkartenmotiv, die Aufnahme unten den sogenannten Wagnerorden nach einem Entwurf von Gottfried Semper, den Wagner vermutlich auch in London an die Künstler verteilte.

 



Nike Wagners Bayreuth-Abgesang

In einem Interview mit Wolfram Goertz in der Rheinischen Post hat Nike Wager (Foto: Karlheinz Beer) erstmals öffentlich geäußert, dass sie Nein sagen würde, wenn es um die Leitung der Bayreuther Festspiele geht. Als der Fragesteller das nicht glauben will, antwortet sie: »Können Sie aber. Auch Träume kommen irgendwann an ein Ende. Und immer nur Wagner zu machen, das ist doch grottenlangweilig.« Und auf die Frage, wo sie Wagner am liebsten hört, sagt die Wagner-Urenkelin: »Wissen Sie, was wunderbar ist? Ich kann an jedem Ort der Welt sein, sobald mich irgendwo ein Ton von Richard Wagner trifft, berührt mich das wie eine Umarmung. Das ist wie eine Heimkehr.«



Werkstatt-Bilder in der Bildergalerie

Der strenge Zeitplan unserer Parsifal-Werkstatt führte dazu, dass der Video-Beitrag der Studentin Marlene Lou Kleinerüschkamp nicht vorgeführt werden konnte. Alle, die wissen wollen, wie eine junge Frau über den Parzival Wolframs von Eschenbach reflektiert, können sich den rund sieben Minuten dauernden Film unter der Rubrik Parsifal-Werkstatt anschauen. Zusätzlich kann man an dieser Stelle auch den Vortrag von Studentin Fiona Walter nachlesen. Fotos von den zwei Tagen der Werkstatt gibt es in der Bildergalerie, eine Parsifal-Kritik unter Beers Tipps


Intensiv, informativ und illuminierend

Keine Frage: unsere Parsifal-Werkstatt war ein voller Erfolg. So schreibt unser neues Mitglied Clemens Renker: »In Konnotation zu Parsifal danke ich sehr herzlich für die außerordentlich gelungene Werkstatt: Wie durch eine Verwandlungsmusik sind wir aktiven Zuhörer durch alle Referenten wissender geworden: Wir saßen zwar – doch wähnten wir uns stets schon weiter. Denn durch die gelungenste geistig-seelische Erbauung ward da die Zeit über die zwei Tage zum Raum. Und dann hatten wir noch zum Abschluss die Aufführung im Landestheater Coburg. Mein Gott! Ein voller Augenblick der Seligkeit!, schreibt Fjodor Dostojewski am Ende seines empfindsamen Romanes Weiße Nächte.« 

 

Das Foto von Raimund Roth oben zeigt den mit achtzig Besuchern gut gefüllten Saal vor der Eröffnung am Samstag und stehend Kulturbürgermeister Dr. Christian Lange und RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth, das Foto von Ronald Rinklef unten zeigt vor dem Eingang zu den Harmoniesälen am Sonntag nach dem Podiumsgespräch die Podiumsteilnehmer von links Parsifal-Regisseur Jakob Peters-Messer, Prof. Dr. Stephan Mösch, Intendant Bodo Busse vom Landestheater Coburg (LTC), Parsifal-Dirigent und LTC-Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Sabine Zurmühl und Moderator Prof. Dr. Holger Noltze. Einen aktuellen Bericht von Rudolf Görtler aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags (und weiteren Tageszeitungen der Mediengruppe Oberfranken) vom 24. April 2017 finden Sie in der Rubrik Presse. Demnächst werden auch Fotos in die Bildergalerie eingestellt . . .

 


Die »Parsifal«-Werkstatt startet

Am Wochenende ist es endlich so weit: Unsere »Parsifal«-Werkstatt beginnt! Wer das Programm noch nicht kennt, sei auf die einschlägige Rubrik verwiesen, wo aktuelle Informationen zu einigen Referenten und ein lesenswerter Text von Regisseur Jakob Peters-Messer zu seiner Coburger Neuinszenierung ebenso zu finden sind wie der gesamte Ablauf der Tagung am 22. und 23. April 2017. Und weil sich doch manche oder mancher gefragt hat, ob der Mann auf der obigen Illustration von Werkstatt-Referent Thomas Goerge Parsifal sein mag, sei hiermit klargestellt, dass es sich um Amfortas handelt. Genauer gesagt hat der Künstler der gezeichneten Figur den fotografierten Kopf von Theodor Reichmann gegeben, der bei der »Parsifal«-Uraufführung 1882 und bis 1902 immer wieder den siechen Gralskönig im Festspielhaus verkörpert hat. Weiteres über dieses Sänger finden Sie unter Beers Tipps.


Mit der »Walküre« in die Osternacht

Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat
Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat

Wer nicht weiß, was er am Karsamstag Abend anfangen soll: Ab 20.15 Uhr sendet 3sat eine Aufzeichnung der prominent besetzten Walküre, die zur Eröffnung der diesjährigen Jubiläums-Osterfestspiele in Salzburg vor einer Woche ihre viel bejubelte Premiere feierte. Es handelt sich um die so genannte Re-Kreation der Eröffnungsinszenierung Herbert von Karajans aus dem Jahr 1967 (Regie: Vera Nemirova, Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen, Rekonstruktion des Originalbühnenbilds und Kostüme: Jens Kilian). Es musiziert die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann, die Hauptrollen singen und spielen Anja Harteros (szenisches Rollendebüt als Sieglinde), Peter Seiffert (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Anja Kampe (szenisches Rollendebüt als Brünnhilde), Vitalij Kowaljow (Wotan) und Christa Mayer (Fricka). Die Inszenierung wird am 17. April nochmals aufgeführt und später als Koproduktion mit dem Beijing Music Festival auch in Peking gezeigt. Die Reaktionen der Kritiker waren wie immer unterschiedlich. Hier Links zu Rezensionen von Eleonore Büning in der FAZ  Christine Lemke-Matwey in der Zeit, Christian Wildhagen in der NZZ sowie -geko- im Wiener Kurier. 


»Parsifal«-Generalprobe & Premiere

Der neue Coburger Parsifal, den wir mit unserer Parsifal-Werkstatt begleiten (ausführliche Infos dazu in der gleichnamigen Rubrik), hat am 6. April um 17 Uhr Generalprobe (bei der wir mit einer kleinen Gruppe dabei sind) und am 9. April um 16 Uhr seine längst ausverkaufte Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 13. April (17 Uhr), am 16., 23. und 30. April (jeweils 16 Uhr), am 15. Juni (17 Uhr) sowie am 18. und 25. Juni (jeweils 16 Uhr). Zur Aufführung am 23. April fahren wir mit einer großen Gruppe per Bus nach Coburg; zwei Restplätze sind noch frei. Fahrt und Eintritt kosten 55 Euro; Anmeldungen hierzu bitte direkt an unsere Vorsitzende unter roth@rwv-bamberg.de

 

Weitere Infos zum Parsifal auf der Homepage des Landestheaters, Kartentelefon unter 09561-898989. Das Probenfoto zeigt eine Szene mit Roman Payer, der am 22. April auch zu Gast in unserer Werkstatt sein und im Gespräch mit Intendant Bodo Busse und GMD Roland Kluttig Auskunft geben wird über sein Rollendebüt in der Titelpartie des Wagnerschen Bühnenweihfestspiels.  (Foto: Andrea Kremper)

 

In unserer Rubrik Parsifal-Werkstatt finden Sie den lesenswerten Programmhefttext von Regisseur Jakob Peters-Messer sowie einige Szenenfotos. Und hier noch ein Link zur Premierenkritik von Peter Jungblut beim Bayerischen Rundfunk und von Peter Krause auf der Online-Plattform concerti


Teodor Currentzis, den wir am 12. April in Meiningen erleben dürfen, wird aktuell in der Süddeutschen Zeitung bejubelt und zwar gleich mehrfach. Er wurde außerdem gerade zum neuen Chefdirigenten des SWR-Symphonieorchesters ab der Spielzeit 2018/19 gekürt. Und wer weiß? Vielleicht wird er auch noch Kirill Petrenkos Nachfolger in München? Wäre Nikolaus Bachler durchaus zuzutrauen . . .

 

***

Die Wiener Festwochen haben auf Ihrer Homepage neue Details über Bernhard Langs und Jonathan Meeses MONDPARSIFAL ALPHA 1-8 (ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ) veröffentlicht, der Komponist selbst hat seine Oper offenbar umbenannt, denn er nennt das Projekt inzwischen ParZeFool, wie seinem lesenswerten Text auf der Homepage des Klangforums Wien zu entnehmen ist. Simone Young wird die Uraufführung dirigieren, die wir im Juni bei unserer bereits ausgebuchten großen Musik- und Kunstfahrt 2017 besuchen! (Für Nachrücker gibt es eine Warteliste.) Unter Beers Tipps finden Sie Berichte über eine außergewöhnliche Siegfried-Wagner-Ausstellung in Berlin.


Pressetermin zur »Parsifal«-Werkstatt

Klappern gehört zum Geschäft. Am Aschermittwoch haben wir bei einem Pressegespräch im Hotel Bamberger Hof unsere »Parsifal«-Werkstatt vorgestellt. In der Rubrik Presse kann man den tollen Artikel von Rudolf Görtler aus dem Fränkischen Tag und den offiziellen Pressetext nachlesen, in der Rubrik Parsifal-Werkstatt alle Einzelheiten und Aktuelles von Werkstatt-Referent Thomas Goerge und Podiumsteilnehmer Jakob Peters-Messer.

Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer  Foto: Erich Weiß
Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer Foto: Erich Weiß

Was man sonst nur in Luzern erlebt . . .

Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova
Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova

Die Anmeldefrist für unsere Fahrt zum Karwochenkonzert mit dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis, seinem Orchester MusicAeterna aus Perm und zwei Gesangssolistinnen am 12. April 2017 in Meiningen ist zwar abgelaufen, aber es gibt eine Warteliste für eventuelle Nachrücker. Der außergewöhnliche Dirigent und das von ihm gegründete Orchester gastieren inzwischen an den großen Häusern, ob dass nun das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie, das Konzerthaus Berlin oder die Salzburger Festspiele sind, wo mit dem amerikanischen Regisseur Peter Sellars heuer die Mozart-Oper La clemenza di Tito realisiert wird.

 

»Wir haben die Ehre«, schreibt das Meininger Theater, »Teodor Currentzis und sein MusicAeterna-Ensemble mit einem deutschlandweit einzigartigen Programm bei uns zu Gast zu haben.« Und wo spielen die Gäste aus Perm dieses Programm in identischer Besetzung, d.h. mit Nuria Rial (Sopran) und Paula Murrily (Mezzosopran) noch? In Luzern, bei den dortigen Oster-Festspielen im berühmten KKL. Hier die schweizerische Konzertvorschau, die somit auch für das Konzert in Meiningen gilt:

 

Als »angelico maestro«, als  »engelhafter Meister«, ist Giovanni Battista Pergolesi in die Musikgeschichte eingegangen. Sein allzu früher Tod, der ihn 1736 im Alter von nur 26 Jahren ereilte, tat ein Übriges, um Vergleiche mit Mozart zu provozieren und seinen Mythos zu begründen. Vor allem Pergolesis letztes vollendetes Werk, das ergreifende Stabat Mater, wirkt wie eine Verheißung: Diese Musik will nicht durch Kunstfertigkeit überwältigen, sie will mit einer zu Herzen gehenden Schlichtheit berühren – ein Ideal, das ganze Generationen vorwegnimmt. Teodor Currentzis koppelt diesen frühen Geniestreich mit einer Passionsmusik des reifen Joseph Haydn, den Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze, die in der originalen Orchesterfassung von 1787 erklingen. Haydn spiegelt jedes der letzten Christus-Worte mit einer tiefgründigen musikalischen Meditation und lässt am Ende mit dem »Terremoto«, dem Erdbeben, den Zorn Gottes hereinbrechen: genau das Richtige für den Pultekstatiker Currentzis.

 

Erst Ende Januar 2017 wurde übrigens die Dokumentation »Currentzis – der Klassikrebell« von Christian Berger mit dem französischen FIPA-Preis ausgezeichnet, woraufhin die Deutsche Welle den sehenswerten Film in zwei Teilen online gestellt hat.

 

Die Anmeldefrist für das Karwochen-Konzert in Meiningen ist abgelaufen. Wer jetzt noch Interesse hat, kann sich als eventueller Nachrücker unter der E-Mail-Adresse

reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de auf die Warteliste setzen lassen. Busfahrt (Abfahrt 16.15 Uhr) und Eintrittskarte kosten für Mitglieder 75 Euro, für Nicht-Mitglieder 85 Euro. 


Richard Wagners 134. Todestag

Heute vor 134 Jahren, am 13. Februar 1883, ist Richard Wagner gestorben. Wer mehr Details darüber wissen will, dem seien folgende Beiträge aus dem Blog Mein Wagner-Jahr auf der Homepage des Fränkischen Tags empfohlen:

Wagners Tod in Venedig I

Wagners Tod in Venedig II

Wagners Tod in Venedig III

Wagners Tod in Venedig IV

Auch einige Beiträge vor- und nachher beziehen sich konkret auf diesen Zeitraum. Leider sind bei einem Update der FT-Seite bis auf den jeweils ersten Bildtext alle weiteren Bildtexte sowie die aus guten Gründen gesetzten Links verloren gegangen. Also wundern Sie sich nicht!


Beeindruckende Bayreuth-Chronik

Das Festspielhaus 1876, noch ohne den vorgesetzten Königsbau, in einem Aquarell von Susanne Schinkel, der Tochter des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel und Tante von Hans von Wolzogen. Abbildung aus Oswald Georg Bauers zweibändiger Geschichte der Bayreuther Festspiele (Deutscher Kunstverlag).

 

Unter PRESSE finden Sie den aktuellen Bericht von Rudolf Görtler über Oswald Georg Bauers Vortrag im VHS-Saal aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags vom 19. Januar 2017. 

 

Auch für Oswald Georg Bauer war der sogenannte  Jahrhundert-Ring  in der Inszenierung von Patrice Chéreau und unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez das Bayreuther Schlüsselerlebnis. In seiner Festspielgeschichte widmet er allein dieser Festspielproduktion sechzig Druckseiten. Bei seinem Vortrag in Bamberg erinnerte er ausführlich an die letzte und legendäre Vorstellung der Götterdämmerung am 25. August 1980, bei der es den wohl längsten Schlussapplaus der Theatergeschichte gab: Er dauerte eine Stunde und 29 Minuten, es wurden 101 Vorhänge gezählt. Die Abbildung zeigt das Schlussbild, bei dem sich das Volk auf der Bühne zum Publikum wendet und mit ihm die aus dem Orchestergraben tönende Schlussmusik hört. Vorlage: Oswald Georg Bauer: Die Geschichte  der Bayreuther Festspiele, Band II, Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, Zustiftung Wolfgang Wagner. 


Wielands Wagners 100. Geburtstag

Heute vor hundert Jahren, am 5. Januar 1917, wurde in Bayreuth Wieland Wagner geboren, der künstlerisch bedeutendste Nachkomme Richard Wagners. Was sich unter anderem auch daran ablesen lässt, dass das Nachrichtenmagazin Der Spiegel  ihm im Sommer 1965 unter dem Titel »Von Walhall nach Wall Street – Wagner-Enkel Wieland Wagner« seine Titelstory widmete (Heft Nr. 30 von 21. bis 27.7.1965). Eine ausführliche Würdigung finden Sie aus Anlass seines 50. Todestags am 17. Oktober 2016 unter Beers Tipps, lesenswerte aktuelle Geburtstagsartikel sind von Alexander Dick in der Badischen Zeitung, von Judith Sternburg in der Frankfurter Rundschau und Jürgen Liebig auf Deutschlandradio Kultur mit O-Tönen sowie mit aktuellen Infos der dpa-Bericht in den Salzburger Nachrichten. Die unten abgebildeten Postkarten aus dem Jahr 1917 zeigen Wieland als Baby im Kinderwagen und im Arm seiner Mutter Winifred, die damals zwanzig Jahre alt war.

 

Übrigens: Heute vor einem Jahr ist der Komponist und Dirigent Pierre Boulez gestorben, der 1966, also im letzten Festspielsommer, den Wieland Wagner erleben  durfte, als Parsifal-Dirigent am Grünen Hügel in Wielands legendärer Neubayreuth-Inszenierung debütierte, von 1976 bis 1980 als musikalischer Leiter im Jahrhundert-Ring Festspielgeschichte schrieb und noch im hohen Alter von 79 bzw. 80 Jahren mit der ihm eigenen künstlerischen Offenheit nochmals Parsifal in Bayreuth in der zu Unrecht umstrittenen Schlingensief-Inszenierung dirigierte.  

 


Unsere Vortrags- bzw. Gesprächsveranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Seminarräumen in der 1. Etage des Hotels Bamberger Hof, Schönleinsplatz 4, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen. (Stand: 14. November 2017, Terminänderungen vorbehalten)