Aktuelles

Jetzt schon für Bayreuth bestellen . . .

Ein Schnappschuss vom Festspielsommer 2017: Christoph Eß, Hornist im Festspielorchester, Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker und unser erster Referent nach der Sommerpause, traf in einer Walküre-Pause auf unsere Vorsitzende Dr. Jasenka Roth. Mit beiden gibt es ein Wiedersehen am Dienstag, 19. September 2017 um 19.30 Uhr im Großen Saals der VHS Bamberg Stadt (Tränkgasse 4), wo Eß nicht nur ausführlich über die Wagnertuba sprechen wird (in Kooperation mit der Volkshochschule Bamberg Stadt). Wer jetzt schon an die nächsten Festspiele denkt, liegt übrigens nicht falsch: Die Stichtage für die Kartenbestellung rücken näher (postalisch: 16. Oktober, online 31. Oktober 2017), und erstmals wollen die Bayreuther Festspiele bei der Kartenzuteilung die sie unterstützenden Vereine – dazu zählt als Mitglied im Richard-Wagner-Verband International (RWVI) auch der Richard-Wagner-Verband Bamberg – besonders berücksichtigen. Im Online-Bestellformular sowie auf den postalischen Bestellunterlagen gibt es eigens entsprechende Rubriken, d.h. unsere Mitglieder setzen erst einen Haken beim RWVI und schreiben dann in das entsprechende Feld Bamberg und die neue Mitgliedsnummer (die wir im Zuge einer Umstellung auf eine Vereinssoftware gerade erst vergeben haben). Wer seine neue Mitgliedsnummer nicht kennt, kann sie per E-Mail anfordern bei reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de. Ob alle RWV-Mitglieder tatsächlich eher eine Kartenzusage bekommen, kann natürlich niemand garantieren. Aber sicher ist die Meistersinger-Inszenierung jeden Versuch wert! Zur Walküre unter Placido Domingo sei lieber nichts gesagt, zumal selbst die Festspiele GmbH bei den eigenen Postkarten noch ziemlich üben muss (siehe Abbildung unten) . . .   Foto: Ulrike Müller  


Jede Sommerpause hat ihr Ende . . .

Zweifellos darf auch ein fleißiges Homepage-Lieschen (links) mal eine Sommerpause machen. Aber die hat ein Ende. Fangen wir an mit dem Terminflyer und vor allem mit dem sprachlich fulminanten Bericht unserer Bayreuth-Stipendiatin Marlene Lou Kleinerüschkamp (rechts), die beschreibt, was sie in der Festspielstadt erlebt hat. Demnächst unter Beers Tipps dann auch die angekündigte Kritik zur Meistersinger-Neuinszenierung von Barrie Kosky. 


Unsere nächste Veranstaltung

Die Wagnertuba – Geniestreich, Wohlklang und Glücksspirale zugleich

Warum ließ sich Richard Wagner für sein epochales Werk »Der Ring des Nibelungen« ein spezielles Instrument bauen, das optisch am ehesten dem Tenorhorn ähnelt, den Namen der Tuba trägt, von Hornisten geblasen wird und doch ein individuelles Instrument mit einem Klang geworden ist, der als feierlich, würdevoll, heroisch, dunkel, nobel und erhaben, in jedem Falle als einzigartig bezeichnet wird? Was sind die Besonderheiten dieses Blechblasinstrumentes? Warum gibt es Tenor- und Basstuben? Was ist der Unterschied zur allseits bekannten Tuba? Wer hat außer Wagner noch davon Gebrauch gemacht?

 

Beim Vortrag am 19. September 2017 um 19.30 Uhr im Großen Saal der VHS Bamberg Stadt (Tränkgasse 4) bekommen Sie Antworten auf diese Fragen aus allererster Hand: Christoph Eß, beliebter Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker, erklärt in Wort, Bild und Ton, was es mit der Wagner-Tuba auf sich hat. Darüber hinaus demonstriert er auch an seinem Waldhorn die Tonerzeugung eines Blechblasinstruments, die Unterschiede der verschiedenen Instrumente und die historische Entwicklung. Die eine oder andere Anekdote aus dem Leben eines Hornisten, dessen Instrument angeblich mit der Oboe zusammen zum Schwierigsten gehört, was man sich aussuchen konnte, wird nicht fehlen.

 

Sie werden – live gespielt – die Leitmotive, die Richard Wagner in seinem »Ring«

der Wagnertuba auf den Leib komponiert hat, hören sowie Auszüge aus Werken von Richard Strauss (»Alpensinfonie« und »Elektra«), aus Igor Strawinskis

»Le Sacre du printemps«, aus Anton Bruckners letzten drei Symphonien und noch einiges mehr. Ganz besonders freuen können Sie sich auf die Bamberger Erst-Aufführung des einzigen Solowerkes für Wagnertuba »Jägarna pa Karinhall« (Die Jägerin auf Karinhall), das der Münchner Komponist Johannes X. Schachtner während seines Aufenthalts im Künstlerhaus Villa Concordia komponiert hat. Der  Eintritt zu dieser Veranstaltung in Kooperation mit der Volkshochschule Bamberg Stadt ist frei, Nicht-Mitglieder des RWV Bamberg sind hoch willkommen. 

 

Christoph Eß (Foto: Hendrik Steffens) gilt als einer der führenden Hornisten seiner Generation. Neben seiner Tätigkeit als Solohornist der Bamberger Symphoniker ist er Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe und tritt zudem als gefragter Solist und Kammermusiker in Erscheinung. Zum Wintersemester 2017/2018 folgt er einem Ruf als Professor für Horn an die Musikhochschule Lübeck. Eß absolvierte sein Studium bei Prof. Christian Lampert in Basel und Stuttgart und schloss im Juni 2008 mit Auszeichnung ab. Er wurde mit Preisen ausgezeichnet beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2005 in München, beim Internationalen Musikwettbewerb »Prager Frühling 2007«, beim Richard-Strauss-Wettbewerb sowie beim »Concorso per Corno di Sannicandro di Bari«. 2008 wurde ihm der Solistenpreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern verliehen, 2009 ein Stipendium des Deutschen Musikrats und 2011 der Preis der Orpheum Stiftung in Zürich.

 

Als Solist gastierte Eß bei führenden Orchestern wie dem Symphonieorchester des

Bayrischen Rundfunks, den Bambergern Symphonikern, dem Tonhalle-Orchester

Zürich, dem Radio-Sinfonieorchester Berlin und den Kammerorchestern München,

Stuttgart und Salzburg. Produktionen bei den Labels Genuin classics und PragaDigitals sowie bei führenden Rundfunk-Anstalten wie dem Bayerischen Rundfunk, Deutschlandradio Kultur, dem Tschechischen Rundfunk sowie dem Schweizer Radio DRS unterstreichen seine Erfolge. Eß widmet sich zudem intensiv der Kammermusik in verschiedensten Formationen. Als Initiator des 2010 gegründeten Hornquartettes german hornsound sowie mit Partnern wie Christian Zacharias, Andreas Scholl, dem Fauré Quartett, dem Zemlinsky Quartett, Quatour Ebène, Boris Kusnezow und Viviane Hagner ist er in regelmäßigen Abständen auf

führenden Musikfestivals zu hören.


Operntermine im Fernsehen

Für alle, die mehr wissen wollen über Barrie Kosky und (nicht nur) seine Bayreuther Meistersinger-Inszenierung, gibt es aktuell auf arte tv den sehenswerten Film Monsieur Butterfly. Weitere Operntermine und -sendungen im Fernsehen sind im August auf folgenden drei Sendern kostenlos zu haben:

ARDalpha: 13.8., 20.15 Uhr, Hoffmanns Erzählungen (München, 2011, mit Diana Damrau); 20.8., 20.15 Uhr, Chowanschtschina (München 2007); 27.8., 20.15 Uhr Wozzeck (Zürich 2015, mit Christian Gerhaher)

arte: 12.8. ab 15.15 Uhr: Ein Tag aus Salzburg, u.a. um 15.35 Uhr Currentzis: Der Klassikrebell, um 20.15 Uhr Aida mit Anna Netrebko; 26.8., 21.45 Uhr, Nabucco aus Verona

3sat: 11.8., 19.20 Uhr Kulturzeit extra: Höhepunkte der Salzburger Festspiele; 19.8., 20.15 Uhr La clemenza di Tito unter Teodor Currentzis 


Die neuen »Meistersinger« in Bayreuth

Wer wissen will, wie die Festspiel-Neuinszenierung von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg wird, kann wahlweise die Nornen und/oder Besucher der für eine breitere Öffentlichkeit gesperrten Generalprobe befragen. Ansonsten gibt es jede Menge Vorberichterstattung. Zum Beispiel in der aspekte-Sendung vom 21. Juli sowie in Interviews mit Regisseur  Barrie Kosky, zum Beispiel mit der Deutschen Presse-Agentur und in der Neuen Musikzeitung. Hier noch die Links zu einem Kosky-Porträt in der Jüdischen Allgemeinen und zum Streitgespräch zwischen den Kritikern Manuel Brug und Jörn Florian Fuchs über die allgemeine Situation bei den Bayreuther Festspielen im Deutschlandfunk. Unsere Abbildung zeigt Barrie Kosky, den Meistersinger-Regisseur, Intendanten und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin (Foto: Jan Windzus). BR-Klassik begleitet die Premiere am 25. Juli im Hörfunk bereits ab 15.05 Uhr mit Informationen, Live-Gesprächen und Eindrücken von den Proben und überträgt dann die Aufführung im Rundfunk. Im Video-Livestream ist die Eröffnung ab 16 Uhr auf br-klassik.de/concert deutschlandweit im Internet zu sehen. In 3sat wird eine Fernsehfassung am Freitag, 28. Juli um 20.15 Uhr, ausgestrahlt, ARD-alpha wiederholt die Sendung am Sonntag, 30. Juli, ebenfalls zur Primetime um 20.15 Uhr. Alles übrigens kostenlos.


»Holländer«-Fahrt in der Bildergalerie

Brav wie weiland in der Volksschule: Unser Schnappschuss zeigt Teilnehmer unserer Fahrt zum Holländer in Oberammergau und oberbayerischen Blaue-Reiter-Stätten bei der Einführung im Gabriele-Münter-Haus in Murnau. Weitere Fotos finden Sie wie immer  in der Bildergalerie.

»Meistersinger«-Partitur in Wahnfried

Das Richard-Wagner-Museum Bayreuth stellt für die Dauer der Bayreuther Festspiele und aus Anlass

der diesjährigen Neuproduktion in seiner Schatzkammer erstmals die originale, hoch wertvolle Partiturhandschrift der Meistersinger von Nürnberg aus. Dieses Autograph ist die einzige erhaltene originale Partitur-Reinschrift Richard Wagners, die sich nicht im Archiv des Museums befindet und auch nie zuvor in Bayreuth war – weder zu Richard Wagners Lebzeiten noch später. Die Leihgabe des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg umfasst 464 Seiten, ist am Beginn der Festwiesen-Szene des 3. Aufzugs aufgeschlagen und wird in der Schatzkammer um weitere wertvolle Handschriften Wagners zu den Meistersingern ergänzt: dem Prosaentwurf, der Dichtung, dem Kompositionsentwurf und der Orchesterskizze, die den Weg zur Partitur aufzeigen. Unsere Abbildung zeigt die letzte Seite der am 24. Oktober 1867 abends um 8 Uhr in Tribschen vollendeten Partitur.


»Es gibt nichts Ewiges . . .«

Wieland Wagner wäre am 5. Januar 2017 hundert Jahre alt geworden. Das Richard-Wagner-Museum Bayreuth widmet ihm deshalb unter dem Titel

»Es gibt nichts Ewiges . . .«  nicht nur eine Sonderausstellung, die von 25.

Juli bis 19. November 2017 im Neubautrakt von Wahnfried zu sehen sein wird, sondern von 3. bis 5. August auch ein Symposium, in welchem namhafte Referenten den ästhetischen Grundlagen und Konzepten Wieland Wagners ebenso nachgehen wie dem Verhältnis von Biografie, Kunst und Politik diesseits und jenseits der historischen Zäsur von 1945. Laut Pressemitteilung versucht die Jubiläumsausstellung, dem Menschen und Bühnen-Künstler Wieland

Wagner nachzuspüren und einen Eindruck zu vermitteln von einer wegen seines frühen Tods im Alters von nur 49 Jahren nur kurz währenden, jedoch bis heute nachwirkenden, legendären Epoche der Bayreuther Festspiele und damit der Musiktheaterkunst und eines radikal gewandelten Wagner-Bildes weltweit. Für das  Symposium zeichnet auch Musikwissenschaftler Stephan Mösch verantwortlich, der im April auch an unserer Parsifal-Werkstatt mitgewirkt hat und in Wahnfried unter dem Titel »Der Flieder war’s« über »Wieland Wagner, die Meistersinger und das kollektive Gedächtnis« sprechen wird. Gemeinsam mit Museumsdirektor Sven Friedrich wird er auch Podiumsdiskussion »Wieland Wagner und die Folgen« mit der Wagnersängerin Anja Silja, dem Regisseur Stefan Herheim und dem Experten Prof. Dr. Jens-Malte Fischer moderieren. Das Foto zeigt Wieland Wagner vor einer Wagnerbüste. Vorlage: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth 


Zwei Stipendiaten auf einen Streich

Sie fahren zwar schön nacheinander nach Bayreuth, stellen sich hiermit aber schon mal gemeinsam vor:  Marlene Lou Kleinerüschkamp und Justus Böhm, unsere Stipendiaten 2017 und 2018. Erstere ist Germanistik- und Anglistikstudentin in Bamberg und hatte sich mit ihrem Videobeitrag   zur Parsifal-Werkstatt nachhaltig empfohlen. Sie wird im August 2017 im Rahmen des Stipendiums unter anderem drei Festspielaufführungen erleben dürfen und uns im nächsten Jahr mit einem exklusiven Vortrag zum Thema Ring beglücken. Letzterer ist in Bamberg und in den Haßbergen aufgewachsen, steht als Kontrabassist kurz vor seinem Studienabschluss am Salzburger Mozarteum und ist auch in der hiesigen Punk-, Rock- und Jazz-Szene kein Unbekannter mehr. Er wird schon im November 2017 im Spiegelsaal sein garantiert abwechslungsreiches Stipendiatenkonzert bestreiten und dann im Festspielsommer 2018 auf unsere Kosten zu den Stipendientagen nach Bayreuth fahren. Wir gratulieren! Ausführliche Infos zu unseren Stipendiaten finden sich in der entsprechenden Rubrik. Foto: Karlheinz Beer


»Tannhäuser« & »Carmen« auf arte

Wer am Sonntag noch nichts vorhat, darf sich freuen: Die ausverkaufte Tannhäuser-Vorstellung der Münchner Opernfestspiele wird am 9. Juli 2017 um 18 Uhr im Rahmen von »Oper für alle« auf den Max-Josephs-Platz übertragen und ist abends zeitversetzt ab 21.45 Uhr im Fernsehen komplett auf arte sowie als Livestream zu sehen. Die Premiere der Neuinszenierung von Romeo Castellucci wurde aus guten Gründen kontrovers aufgenommen. Musikalisch war die Vorstellung am 21. Mai 2017 unter Dirigent Kirill Petrenko zweifellos eine Sternstunde. Christian Gerhaher, in der neuen Saison der Bamberger Symphoniker Porträtkünstler, der unter anderem in Bamberg auch als Don Giovanni zu erleben sein wird, gelang als Wolfram von Eschenbach eine singuläre künstlerische Leistung. Fast ebenbürtig gefolgt von Anja Harteros als Elisabeth, Georg Zeppenfeld als König Heinrich, Elena Pankratova als Venus und vor allem Klaus Florian Vogt, dessen Leistung in der Titelrolle schon deshalb als phänomenal bezeichnet werden darf, weil er die strapaziöse Partie in allen drei Akten scheinbar anstrengungslos, mit heldentenoraler Kraft und viel Glanz durchgängig singend bewältigte. Was für ein Rollendebüt! 

 

Und wer am 6. Juli die Live-Übertragung der einfach großartigen, ins Mark treffenden Neuinszenierung von Georges Bizets Carmen aus Aix en Provence (Inszenierung: Dmitri Tcherniakov, Musikalische Leitung: Pablo Heras-Casado) verpasst hat, kann sie nach wie vor über die Homepage von arte sehen und hören. Unbedingt anschauen, denn diese Produktion ist ein Musterbeispiel für die bezwingende, ja notwendige Aktualisierung einer Opernhandlung.


Hochrangig besetztes Symposium

Diskurs Bayreuth heißt ein neues Rahmenprogramm zu den Bayreuther Festspiele, das ab diesem Festspielsommer künftig alljährlich durch wissenschaftliche Vorträge, Gespräche und musikalische Programme die kritische Auseinandersetzung mit Richard Wagner anregen will. Das erste zweitägige Symposium in Haus Wahnfried  ist durchgängig hochkarätig besetzt. Zum Thema »Wagners Werk und der Nationalsozialismus. Zur Frage des Sündenfalls in der Kunst« sprechen am 28. Juli nicht nur namhafte Wissenschaftler und Fachjournalisten, sondern auch der Komponist Dieter Schnebel und Meistersinger-Regisseur Barrie Kosky. Am 29. Juli dreht sich alles um die Fragen »Oper ohne Wagner? Musik ohne Oper. Die Situation der Künste in der Neuorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg«; zu den Referenten zählen Klaus Zehelein, Elisabeth Bronfen und Wolfgang Fink, der frühere Symphoniker-Intendant. Das von den Bayreuther Festspielen mit Unterstützung der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth und in Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Museum Bayreuth veranstaltete Symposium wird außerdem begleitet von einer vierteiligen Konzertreihe. Der Eintritt zum Symposium ist frei, um Voranmeldung wird gebeten. Ausführliche Infos gibt es auf der Homepage der Bayreuther Festspiele.


Mehrfach kostenlose »Meistersinger«

Die diesjährige Bayreuther Festspielpremiere begleitet der Bayerische Rundfunk gleich trimedial: BR Klassik überträgt am 25. Juli bereits ab 15.05 Uhr live vom Grünen Hügel im Hörfunk ein Festspielmagazin mit Informationen, Live-Gesprächen und Eindrücken von den Proben sowie ab 15.57 Uhr die Eröffnungsvorstellung mit Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Im Video-Livestream ist die Premiere ab 16 Uhr auf br-klassik.de/concert deutschlandweit im Internet zu sehen. In 3sat wird eine Fernsehfassung am Freitag, 28. Juli um 20.15 Uhr ausgestrahlt, ARD-alpha wiederholt die Sendung am Sonntag, 30. Juli, ebenfalls zur Primetime um 20.15 Uhr. Für die Meistersinger-Neuinszenierung zeichnet als Regisseur Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, verantwortlich  

(Bühnenbild: Rebecca Ringst, Kostüme: Klaus Bruns), es dirigiert Philippe Jordan. Schon jetzt kann man sagen, dass die solistische Besetzung vortrefflich sein dürfte – mit Michael Volle als Sachs, Johannes Martin Kränzle als Beckmesser, Klaus Florian Vogt als Stolzing, Daniel Behle als David, Anne Schwanewilms als Eva und Günther Groissböck als Pogner in den Hauptrollen.


Gebirgs-Holländer, ahoi!

Unsere RWV-Reisegruppe wird zwar erst kurz vor der Derniere, nämlich am 21. Juli, in Oberammergau mit dabei sein bei der außergewöhnlichen Schiffspartie. Aber schon jetzt gibt es jede Menge Vorberichte zur Neuinszenierung von Richard Wagners Fliegendem Holländer im Passionsspielhaus. Kein Wunder: heute, am 30. Juni, ist Premiere! Hier ein paar Links zur Einstimmung, und zwar zu den Berichten im Münchner Merkur, in der Welt, der Südwest-Presse, in der Süddeutschen Zeitung und der Münchner Abendzeitung. Und weil das Passionstheater so nachdrücklich mit einem Besuch Richard Wagners 1871 in Oberammergau wirbt, sei dem – ebenso nachdrücklich – unter Beers Tipps widersprochen. Foto: Passionstheater Oberammergau © Andy Stückl

Spannende Dreierrunde zu Wagner

Unter dem Titel »Der fremde Vertraute« diskutieren am 29. Juni 2017 um 19 Uhr im Saal von Haus Wahnfried drei Persönlichkeiten, denen Wagner auf verschiedene Weise zu einer Lebensaufgabe geworden ist, über ihre Annäherungen an und Haltungen zu Wagner, dessen Persönlichkeit, Biographie und Schaffen: der Dirigent und Musikdirektor der Bayreuther Festspiele Christian Thielemann, der Musiker, Musikologe und Musikantiquar Ulrich Drüner

und Wahnfried-Direktor Sven Friedrich. Die beiden letzteren konnten wir auch schon zu Gast bei uns in Bamberg erleben: Friedrich stellte im Juni 2015 das neue Wagner-Museum vor, im Januar 2017 konnten wir aus erster Hand Einblick in Ulrich Drüners Wagner-Biografie bekommen. Karten für die spannende Wagner-Dreierrunde zum Preis von 8 Euro sind nur an der Abendkasse des Richard-Wagner-Museums erhältlich. Unsere Abbildung zeigt Richard Wagner in einer Aufnahme von Joseph Albert in München vom 11. November 1864. Vorlage: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth


Leider gleich zwei Nachrufe

Zwei außergewöhnliche und außergewöhnlich liebenswürdige Protagonisten der Bayreuther Festspielszene sind von uns gegangen: der Dramatiker und spätberufene Ring-Regisseur Tankred Dorst (siehe links bei der Ausstellung zu seinem 80. Geburtstag 2005 in Sonneberg) und die bildende Künstlerin rosalie, von deren Bühnenbildern für Alfred Kirchners Ring-Inszenierung 1994 bis 1998 hier ein Entwurf zum vierten Rheingold-Bild zu sehen ist. Unter Beers Tipps wird ausführlicher an beide erinnert. Foto: Monika Beer


Wien, Wien, nur du allein . . .

»Man kann es in Wien«, sagte Helmuth Qualtinger einmal, an dessen Grab im Zentralfriedhof wir auch standen, »nicht mehr aushalten, aber woanders auch nicht.« Natürlich hat unsere Reisegruppe sich nicht nur mit einem Schalerl Kaffee begnügt, sondern war vom Beginn bis zum Ausklang der von Reiseleiter Dr. Jürgen Gröbel perfekt getakteten Wien-Fahrt von 3. bis 6. Juni eingebunden in ein vorzüglich ausgearbeitetes kulinarisches Programm. Auch die kulturellen Genüsse waren reichlich: mit Gruppen-Führungen durch die Egon-Schiele-Ausstellung in der Albertina und zu den Musiker- und Künstler-Gräbern auf dem Zentralfriedhof (siehe Foto unten), mit individuellen Ausstellungsbesuchen (bei Maria Theresia, Maria Lassnig, der feministischen Avantgarde der 1907er-Jahre usw.) bzw. beim Kirchgang am Pfingstsonntag (mit Anton Bruckners Messe d-moll im Stephansdom) sowie zwei Opernvorstellungen mit der szenisch von uns eher zwiespältig aufgenommenen Uraufführung von Mondparsifal Alpha 1-8 von und mit Jonathan Meese, Bernhard Lang und Simone Young im Theater an der Wien und der einhellig gefeierten Repertoirevorstellung der Götterdämmerung an der Wiener Staatsoper unter Peter Schneider mit großartigen Solisten in der fast zehn Jahre alten Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf, die bemerkenswert war durch ihre Sinnfälligkeit und die Konzentration auf das Wesentliche unter Auslassung fast aller Regietheatermoden (welchletztere es beim Mondparsifal am Abend zuvor umso reichlicher gegeben hatte). Weiteres Fotomaterial finden Sie in der Rubrik Bildergalerie.


Richard-Wagner-Preis für Oswald Georg Bauer

Oswald Georg Bauer, der auf unsere Einladung im Januar seine im Sommer 2016 erschienene Festspielgeschichte im Bamberger VHS-Saal vorstellte, wird für dieses sein Standardwerk mit dem Richard-Wagner-Preis ausgezeichnet. Die Leipziger Richard-Wagner-Stiftung nannte bei der Bekanntgabe des neuen Preisträgers dessen Buch ein

»enzyklopädisches Standardwerk über die Geschichte der Mutter aller

Festspiele«. Mit seiner zweibändigen, fast 1300 Seiten umfassenden Geschichte der Bayreuther Festspiele habe Bauer »etwas Großes, Außergewöhnliches und

bisher Einmaliges« geschaffen. Der Richard-Wagner-Preis ist mit 10 000 Euro dotiert und wird seit 2013 alljährlich verliehen. Die bisherigen Preisträger waren der Schriftsteller Friedrich Dieckmann (2013), die polnische Opernintendantin Ewa Michnik (2014), der Dirigent Christian Thielemann (2015) und die Sängerin Waltraud Meier (2016). Der Preis wird in einem Festakt am 2. Juli in der Oper Leipzig verliehen. Weitere Infos zu Bauer, seinem Vortrag und seiner Festspielgeschichte finden Sie weiter unten sowie in den Rubriken Beers Tipps und Presse. Unsere Abbildung zeigt Oswald Georg Bauer in einem Foto von Michael Weiser vom Nordbayerischen Kurier Bayreuth aus dem Jahr 2016).


Erneuter Online-Sofortkauf für Bayreuth ab 11. Juni um 14 Uhr

Die Bayreuther Festspiele 2017 sind noch nicht ausverkauft, denn sie starten einen

zweiten Online-Sofortverkauf. Hier im Wortlaut die Mitteilung:

 

Mitte Februar ging ein Kartenkontingent für alle Vorstellungen der Saison 2017 in den Online-Sofortkauf. Die Möglichkeit, ohne die üblichen Wartezeiten an die

begehrten und oftmals langjährig ausverkauften Tickets zu kommen, sorgte für

einen Ansturm im Netz. Nun gibt es eine zweite Chance: Wie angekündigt wird am 11. Juni 2017, ab 14 Uhr ein Rest-Kontingent aus nicht bezahlten und aus triftigen Gründen zurückgegebenen Karten freigeschaltet. Für kurzentschlossene Wagner- und Festspiel-Begeisterte gibt es zum letzten Mal Karten für die meisten der 30 Aufführungen der Bayreuther-Festspiele.

 

Die unter anderem per Newsletter verbreitete Mitteilung möchte suggerieren, dass auch jetzt noch Festspielkarten »oftmals langjährig ausverkauft« seien, informiert aber gleichzeitig, dass es auf diesem Weg »zum letzten Mal Karten für die meisten der 30 Aufführungen der Bayreuther Festspiele« gäbe. Wollen wir wetten, dass das »Rest-Kontingent aus nicht bezahlten und aus triftigen Gründen zurückgegebenen Karten« für den Ring des Nibelungen ziemlich groß ist und trotz des erwarteten und diesmal hoffentlich technisch zu bewältigenden Ansturms nicht nur am 11. Juni 2017 im Netz steht?


»Hitler. Macht. Oper« - eine Tagung im Opernhaus Nürnberg

Von 2. bis 4. Juni 2017 findet im Glucksaal des Nürnberger Opernhauses sowie im Kino des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände die Tagung »Hitler. Macht. Oper« statt. In den Vorträgen von Geschichts-, Musik- und Theaterwissenschaftlern sowie Vertretern aus den Bereichen Kunst und Museum werden die wechselseitigen Beziehungen zwischen inszenierter Herrschaft und herrschaftlicher Inszenierung am Beispiel Nürnbergs zur Zeit des Nationalsozialismus zur Sprache gebracht. Weitere Infos unter Beers Tipps.


Nürnberger »Ring«-Zyklus live auf BR Klassik

Der Bayerische Rundfunk überträgt den aktuellen Ring-Zyklus live aus dem Staatstheater Nürnberg. Am Dienstag, den 23. Mai läuft ab 19.30 Uhr im Programm BR-Klassik Das Rheingold; bereits ab 19.05 Uhr gibt es in der Sendung Foyer

Gespräche und Reportagen zum Nürnberger Ring. Die weiteren Termine sind: Die Walküre am Donnerstag, 25. Mai, um 17 Uhr, Siegfried am Sonntag, 28. Mai, um 17 Uhr und Götterdämmerung am Sonntag, 4. Juni, um 17 Uhr.


Wagners Geburtstag vor 140 Jahren

Am 22. Mai 1877 feierte Richard Wagner seinen 64. Geburtstag in London, wo er sich auf Konzertreise befand, um das Defizit der ersten Festspiele verringern. Gemeinsam mit Ring-Uraufführungsdirigent Hans Richter leitete er von 7. bis 29. Mai insgesamt acht umjubelte Konzerte in der Royal Albert Hall. Apropos: Auch die Royals gaben sich die Ehre! Am 12. Mai 1877 wurde Wagner durch einen Empfang des Prince of Wales geehrt, am 17. Mai 1877 folgte ein Empfang von Queen Victoria in Windsor Castle.  Ihr Sohn Prinz Leopold sprach Wagner auf dessen Hund Russ an, den er in Luzern gesehen hatte. Cosima notiert in ihre Tagebuch: »Windsor macht einen mächtigen Eindruck, nur will die innere Einrichtung durchaus nicht mit dem äußeren Bau stimmen; und selbst die schönen van Dycks, der herrliche Holbein und der magische Rembrandt passen nicht. Wie anders die Paläste in Italien!« Über den Geburtstag selbst schreibt Cosima:

 

Dienstag 22 R.'s Geburtstag! Sehr hübsche Briefe sämtlicher Kinder und mancherlei sonstige Gratulation.* Abends Bankett, bei welchem R. die Medaille verteilt, welche ich ihm bescherte; wahrscheinlich das letzte Werk Semper's, des großen Meisters! Materna, Richter, Wilhelmj erhalten sie. – R. spricht sehr ergreifend, dankt für den Empfang, und Semper zitierend vergleicht er Augenblicke und Jahre, solche Augenblicke, sagt er, lassen ihn die Jahre vergessen. Sonst das Fest ein wenig geräuschvoll, deutsch; man läßt Fidi leben!* Dieser Seite liegt ein Telegramm von Franz Liszt bei, aus Hannover vom gleichen Tage gerichtet an »Richard Wagner, Albert Hall, London. Herzensgruß Deines F.«

 

Zwei Tage später geht der gerade 64 Jahre alt gewordene Wagner ins Foto-Atelier Elliott & Fry in der Londoner Baker Street. Es entsteht eine Serie von acht Aufnahmen, die etwas Besonderes ist. Laut Gunther Braam, dem Autor des Standardwerks Richard Wagner in der zeitgenössischen Fotografie, welches dieser 2016 auch bei uns in Bamberg vorstellt hat, sticht diese Serie aus der Wagner-Ikonographie hervor, »weil sie uns Wagners Büste von (fast) allen Seiten zeigt.« Die Abbildung oben zeigt eine dieser Aufnahmen als Postkartenmotiv, die Aufnahme unten den sogenannten Wagnerorden nach einem Entwurf von Gottfried Semper, den Wagner vermutlich auch in London an die Künstler verteilte.

 


Unsere letzte Veranstaltung

Richard Wagner (1813–1883) und Karlheinz Stockhausen (1928–2007) waren beide auf ihre Art revolutionäre Komponisten und Persönlichkeiten, auch wenn letzterer Vergleiche mit Wagner vehement ablehnte. Wer mehr darüber wissen will, sollte sich Dienstag, den 16. Mai 2017 vormerken: Auf Einladung unseres Verbands sprach der junge Musikwissenschaftler Leopoldo Siano (siehe Foto)um 19.30 Uhr im Hotel Bamberger Hof über die Gemeinsamkeiten der beiden Komponisten. Der Titel seines Vortrags lautete »Zukunftsmusik: Stockhausen als Reinkarnation Wagners im 20. Jahrhundert?«

 

Von 1977 bis 2003 arbeitete Karlheinz Stockhausen wie besessen an seiner »Musikkathedrale«, dem Opernzyklus Licht. Gleichfalls 26 Jahre investierte Richard Wagner in den Ring des Nibelungen. Allerdings dauert die Heptalogie Stockhausens neunundzwanzig Stunden, das heißt ungefähr doppelt so lang wie Wagners Tetralogie. Nicht nur wegen der formalen Maßlosigkeit wurde Stockhausen mehrmals mit Wagner verglichen. Wie der Ring ist auch Licht eine monumentale Konzeption mit einem unverkennbaren Hang zum Gesamtkunstwerk (wie Wagner war Stockhausen Autor seiner Libretti). Stets und mit Entschiedenheit lehnte doch Stockhausen jedweden Vergleich mit Wagners Werk ab, indem er es als antithetisch zu seinem eigenem Opus betrachtete. Ihm war die Musik Wagners zu retrospektiv, emotionell und instinktiv; verächtlich nannte er sie: »Unterleibsmusik«.

 

Nichtsdestotrotz stand Stockhausen Wagner viel näher als er zugeben konnte. Mit dem Sachsen teilte der Rheinländer die universalistischen und globalisierenden Ansprüche sowie das Streben, aus der Musik eine Religion machen zu wollen. Diesbezüglich wurde von unterschiedlicher Seite bemerkt, dass Stockhausen in Kürten ein neues »Erlösungszentrum« beziehungsweise ein neues Bayreuth schaffen wollte. In seinem Vortrag veranschaulichte Leopoldo Siano anhand von Klangbeispielen und der Besprechung der jüngsten musikwissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema die geheimen Affinitäten zwischen diesen zwei revolutionären Persönlichkeiten der deutschen Musikgeschichte.

 

Zur Person: Dr. phil Leopoldo Siano ist 1982 in Rom geboren und siedelte nach musikalischen und musikwissenschaftlichen Studien in seiner Heimatstadt und Cremona 2009 nach Deutschland um, wo er sein Promotionsstudium an der Universität zu Köln mit einer Dissertation über den Werkzyklus Klang. Die 24 Stunden des Tages von Karlheinz Stockhausen absolvierte. Diese Arbeit wurde 2013 in einem Wiener Verlag veröffentlicht und 2014 mit dem Offermann-Hergarten-Preis ausgezeichnet. Seit 2012 ist er Dozent am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität zu Köln, wo er im Sommersemester 2017 Seminare zur Analyse elektroakustischer Musik und für das Gasthörer- und Seniorenstudium über »Mythos, Religion und Philosophie in den Musikdramen Richard Wagners« gibt. Als Musikpublizist und Vortragender bei verschiedenen Institutionen, darunter phonosophia, ist er international tätig. In der musikwissenschaftlichen Forschung hat er sich unter anderem auf Musik des 20. Jahrhunderts fokussiert. Derzeit arbeitet er an seinem neuen Buch zum Thema »Musik und Weltentstehung« (von der Barockzeit bis heute). Das »Hören als Seinserfahrung« ist der Schwerpunkt seiner Interessen und seines Wirkens. Er leitet auch Intensivworkshops zum Obertongesang.  


Nike Wagners Bayreuth-Abgesang

In einem Interview mit Wolfram Goertz in der Rheinischen Post hat Nike Wager (Foto: Karlheinz Beer) erstmals öffentlich geäußert, dass sie Nein sagen würde, wenn es um die Leitung der Bayreuther Festspiele geht. Als der Fragesteller das nicht glauben will, antwortet sie: »Können Sie aber. Auch Träume kommen irgendwann an ein Ende. Und immer nur Wagner zu machen, das ist doch grottenlangweilig.« Und auf die Frage, wo sie Wagner am liebsten hört, sagt die Wagner-Urenkelin: »Wissen Sie, was wunderbar ist? Ich kann an jedem Ort der Welt sein, sobald mich irgendwo ein Ton von Richard Wagner trifft, berührt mich das wie eine Umarmung. Das ist wie eine Heimkehr.«


Ainars Rubikis wird GMD in Berlin

Ainars Rubikis, den wir bei unserer übernächsten Opernfahrt am 21. Juli 2017 als Holländer-Dirigenten im Oberammergauer Passionsspielhaus erleben dürfen, wird ab der Spielzeit 2018/19 neuer Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin. Wie Intendant Barrie Kosky (der heuer in Bayreuth die Meistersinger neu inszeniert) und Kultursenator Klaus Lederer am 8. Mai mitteilten, tritt Rubikis sein Amt zunächst für drei Jahre mit einer Option auf Verlängerung an. Der in Riga geborene 38-jährige Musiker zählt zu den aufstrebenden Dirigenten der jüngeren Generation und gewann 2010 den prestigeträchtigen Mahler-Dirigentenwettbewerb in Bamberg. Von 2012 bis 2014 war er Musikchef des Theaters in Nowosibirsk, er dirigierte zudem an der Lyric Opera of Chicago, dem Bolschoi-Theater in Moskau, an der Komischen Oper Berlin und im Opernhaus Zürich – und bei den Bamberger Symphonikern unter anderem 2012 eine begeisternde Finta giardiniera. Wer mehr über ihn erfahren möchte, wird auf der Homepage des Fränkischen Tags fündig: Ein Gespräch vom 5. März 2010, unmittelbar nach dem Gewinn des Mahler-Wettbewerbs sowie ein Interview vom 20. Januar 2011. Hier außerdem noch ein Link zur aktuellen Berichterstattung im Berliner Tagesspiegel.

 

Und es lohnt sich, noch einmal zu lesen, was Herbert Blomstedt, Ehrendirigent der Bamberger Symphoniker und damaliges Jury-Mitglied, über Ainars Rubikis, den Sieger des 3. Mahler-Wettbewerbs, sagte: »Bei ihm ist eigentlich alles gut. Was ihn unterscheidet von vielen anderen, die vielleicht gleich begabt sind, ist, dass er ein Poet ist, sehr innerlich empfindet, sich selbst nicht ins Zentrum stellt. Und das wirkt sich sofort auf das Musizieren im Orchester aus, auf den Klang. Typen wie er sind leider selten geworden – und sind oft nicht besonders angesehen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass er auch vom Orchester, von der gesamten Jury geschätzt wird – und nicht nur von mir. Bleibt nur zu hoffen, dass das so auch von den Agenten und Managern der Welt gesehen wird. Denn die übliche Präferenz für die mehr extrovertierten, agilen, tanzenden, gymnastisierenden, boxenden Dirigenten ist gefährlich.«

 

Wer Interesse an unserer Opern- und Kunstfahrt nach Oberammergau am 21. und 22. Juli 2017 mit Ainars Rubikis hat, kann sich unter der E-Mail-Adresse reisedienst-rwv-Bamberg@t-online.de anmelden: Ein paar Plätze sind noch frei. Mehr Infos finden Sie unter Reisen. 



Werkstatt-Bilder in der Bildergalerie

Der strenge Zeitplan unserer Parsifal-Werkstatt führte dazu, dass der Video-Beitrag der Studentin Marlene Lou Kleinerüschkamp nicht vorgeführt werden konnte. Alle, die wissen wollen, wie eine junge Frau über den Parzival Wolframs von Eschenbach reflektiert, können sich den rund sieben Minuten dauernden Film unter der Rubrik Parsifal-Werkstatt anschauen. Zusätzlich kann man an dieser Stelle auch den Vortrag von Studentin Fiona Walter nachlesen. Fotos von den zwei Tagen der Werkstatt gibt es in der Bildergalerie, eine Parsifal-Kritik unter Beers Tipps


Intensiv, informativ und illuminierend

Keine Frage: unsere Parsifal-Werkstatt war ein voller Erfolg. So schreibt unser neues Mitglied Clemens Renker: »In Konnotation zu Parsifal danke ich sehr herzlich für die außerordentlich gelungene Werkstatt: Wie durch eine Verwandlungsmusik sind wir aktiven Zuhörer durch alle Referenten wissender geworden: Wir saßen zwar – doch wähnten wir uns stets schon weiter. Denn durch die gelungenste geistig-seelische Erbauung ward da die Zeit über die zwei Tage zum Raum. Und dann hatten wir noch zum Abschluss die Aufführung im Landestheater Coburg. Mein Gott! Ein voller Augenblick der Seligkeit!, schreibt Fjodor Dostojewski am Ende seines empfindsamen Romanes Weiße Nächte.« 

 

Das Foto von Raimund Roth oben zeigt den mit achtzig Besuchern gut gefüllten Saal vor der Eröffnung am Samstag und stehend Kulturbürgermeister Dr. Christian Lange und RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth, das Foto von Ronald Rinklef unten zeigt vor dem Eingang zu den Harmoniesälen am Sonntag nach dem Podiumsgespräch die Podiumsteilnehmer von links Parsifal-Regisseur Jakob Peters-Messer, Prof. Dr. Stephan Mösch, Intendant Bodo Busse vom Landestheater Coburg (LTC), Parsifal-Dirigent und LTC-Generalmusikdirektor Roland Kluttig, Sabine Zurmühl und Moderator Prof. Dr. Holger Noltze. Einen aktuellen Bericht von Rudolf Görtler aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags (und weiteren Tageszeitungen der Mediengruppe Oberfranken) vom 24. April 2017 finden Sie in der Rubrik Presse. Demnächst werden auch Fotos in die Bildergalerie eingestellt . . .

 


Die »Parsifal«-Werkstatt startet

Am Wochenende ist es endlich so weit: Unsere »Parsifal«-Werkstatt beginnt! Wer das Programm noch nicht kennt, sei auf die einschlägige Rubrik verwiesen, wo aktuelle Informationen zu einigen Referenten und ein lesenswerter Text von Regisseur Jakob Peters-Messer zu seiner Coburger Neuinszenierung ebenso zu finden sind wie der gesamte Ablauf der Tagung am 22. und 23. April 2017. Und weil sich doch manche oder mancher gefragt hat, ob der Mann auf der obigen Illustration von Werkstatt-Referent Thomas Goerge Parsifal sein mag, sei hiermit klargestellt, dass es sich um Amfortas handelt. Genauer gesagt hat der Künstler der gezeichneten Figur den fotografierten Kopf von Theodor Reichmann gegeben, der bei der »Parsifal«-Uraufführung 1882 und bis 1902 immer wieder den siechen Gralskönig im Festspielhaus verkörpert hat. Weiteres über dieses Sänger finden Sie unter Beers Tipps.


Mit der »Walküre« in die Osternacht

Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat
Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat

Wer nicht weiß, was er am Karsamstag Abend anfangen soll: Ab 20.15 Uhr sendet 3sat eine Aufzeichnung der prominent besetzten Walküre, die zur Eröffnung der diesjährigen Jubiläums-Osterfestspiele in Salzburg vor einer Woche ihre viel bejubelte Premiere feierte. Es handelt sich um die so genannte Re-Kreation der Eröffnungsinszenierung Herbert von Karajans aus dem Jahr 1967 (Regie: Vera Nemirova, Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen, Rekonstruktion des Originalbühnenbilds und Kostüme: Jens Kilian). Es musiziert die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann, die Hauptrollen singen und spielen Anja Harteros (szenisches Rollendebüt als Sieglinde), Peter Seiffert (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Anja Kampe (szenisches Rollendebüt als Brünnhilde), Vitalij Kowaljow (Wotan) und Christa Mayer (Fricka). Die Inszenierung wird am 17. April nochmals aufgeführt und später als Koproduktion mit dem Beijing Music Festival auch in Peking gezeigt. Die Reaktionen der Kritiker waren wie immer unterschiedlich. Hier Links zu Rezensionen von Eleonore Büning in der FAZ  Christine Lemke-Matwey in der Zeit, Christian Wildhagen in der NZZ sowie -geko- im Wiener Kurier. 


»Parsifal«-Generalprobe & Premiere

Der neue Coburger Parsifal, den wir mit unserer Parsifal-Werkstatt begleiten (ausführliche Infos dazu in der gleichnamigen Rubrik), hat am 6. April um 17 Uhr Generalprobe (bei der wir mit einer kleinen Gruppe dabei sind) und am 9. April um 16 Uhr seine längst ausverkaufte Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 13. April (17 Uhr), am 16., 23. und 30. April (jeweils 16 Uhr), am 15. Juni (17 Uhr) sowie am 18. und 25. Juni (jeweils 16 Uhr). Zur Aufführung am 23. April fahren wir mit einer großen Gruppe per Bus nach Coburg; zwei Restplätze sind noch frei. Fahrt und Eintritt kosten 55 Euro; Anmeldungen hierzu bitte direkt an unsere Vorsitzende unter roth@rwv-bamberg.de

 

Weitere Infos zum Parsifal auf der Homepage des Landestheaters, Kartentelefon unter 09561-898989. Das Probenfoto zeigt eine Szene mit Roman Payer, der am 22. April auch zu Gast in unserer Werkstatt sein und im Gespräch mit Intendant Bodo Busse und GMD Roland Kluttig Auskunft geben wird über sein Rollendebüt in der Titelpartie des Wagnerschen Bühnenweihfestspiels.  (Foto: Andrea Kremper)

 

In unserer Rubrik Parsifal-Werkstatt finden Sie den lesenswerten Programmhefttext von Regisseur Jakob Peters-Messer sowie einige Szenenfotos. Und hier noch ein Link zur Premierenkritik von Peter Jungblut beim Bayerischen Rundfunk und von Peter Krause auf der Online-Plattform concerti


Teodor Currentzis, den wir am 12. April in Meiningen erleben dürfen, wird aktuell in der Süddeutschen Zeitung bejubelt und zwar gleich mehrfach. Er wurde außerdem gerade zum neuen Chefdirigenten des SWR-Symphonieorchesters ab der Spielzeit 2018/19 gekürt. Und wer weiß? Vielleicht wird er auch noch Kirill Petrenkos Nachfolger in München? Wäre Nikolaus Bachler durchaus zuzutrauen . . .

 

***

Die Wiener Festwochen haben auf Ihrer Homepage neue Details über Bernhard Langs und Jonathan Meeses MONDPARSIFAL ALPHA 1-8 (ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ) veröffentlicht, der Komponist selbst hat seine Oper offenbar umbenannt, denn er nennt das Projekt inzwischen ParZeFool, wie seinem lesenswerten Text auf der Homepage des Klangforums Wien zu entnehmen ist. Simone Young wird die Uraufführung dirigieren, die wir im Juni bei unserer bereits ausgebuchten großen Musik- und Kunstfahrt 2017 besuchen! (Für Nachrücker gibt es eine Warteliste.) Unter Beers Tipps finden Sie Berichte über eine außergewöhnliche Siegfried-Wagner-Ausstellung in Berlin.


Pressetermin zur »Parsifal«-Werkstatt

Klappern gehört zum Geschäft. Am Aschermittwoch haben wir bei einem Pressegespräch im Hotel Bamberger Hof unsere »Parsifal«-Werkstatt vorgestellt. In der Rubrik Presse kann man den tollen Artikel von Rudolf Görtler aus dem Fränkischen Tag und den offiziellen Pressetext nachlesen, in der Rubrik Parsifal-Werkstatt alle Einzelheiten und Aktuelles von Werkstatt-Referent Thomas Goerge und Podiumsteilnehmer Jakob Peters-Messer.

Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer  Foto: Erich Weiß
Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer Foto: Erich Weiß

Was man sonst nur in Luzern erlebt . . .

Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova
Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova

Die Anmeldefrist für unsere Fahrt zum Karwochenkonzert mit dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis, seinem Orchester MusicAeterna aus Perm und zwei Gesangssolistinnen am 12. April 2017 in Meiningen ist zwar abgelaufen, aber es gibt eine Warteliste für eventuelle Nachrücker. Der außergewöhnliche Dirigent und das von ihm gegründete Orchester gastieren inzwischen an den großen Häusern, ob dass nun das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie, das Konzerthaus Berlin oder die Salzburger Festspiele sind, wo mit dem amerikanischen Regisseur Peter Sellars heuer die Mozart-Oper La clemenza di Tito realisiert wird.

 

»Wir haben die Ehre«, schreibt das Meininger Theater, »Teodor Currentzis und sein MusicAeterna-Ensemble mit einem deutschlandweit einzigartigen Programm bei uns zu Gast zu haben.« Und wo spielen die Gäste aus Perm dieses Programm in identischer Besetzung, d.h. mit Nuria Rial (Sopran) und Paula Murrily (Mezzosopran) noch? In Luzern, bei den dortigen Oster-Festspielen im berühmten KKL. Hier die schweizerische Konzertvorschau, die somit auch für das Konzert in Meiningen gilt:

 

Als »angelico maestro«, als  »engelhafter Meister«, ist Giovanni Battista Pergolesi in die Musikgeschichte eingegangen. Sein allzu früher Tod, der ihn 1736 im Alter von nur 26 Jahren ereilte, tat ein Übriges, um Vergleiche mit Mozart zu provozieren und seinen Mythos zu begründen. Vor allem Pergolesis letztes vollendetes Werk, das ergreifende Stabat Mater, wirkt wie eine Verheißung: Diese Musik will nicht durch Kunstfertigkeit überwältigen, sie will mit einer zu Herzen gehenden Schlichtheit berühren – ein Ideal, das ganze Generationen vorwegnimmt. Teodor Currentzis koppelt diesen frühen Geniestreich mit einer Passionsmusik des reifen Joseph Haydn, den Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze, die in der originalen Orchesterfassung von 1787 erklingen. Haydn spiegelt jedes der letzten Christus-Worte mit einer tiefgründigen musikalischen Meditation und lässt am Ende mit dem »Terremoto«, dem Erdbeben, den Zorn Gottes hereinbrechen: genau das Richtige für den Pultekstatiker Currentzis.

 

Erst Ende Januar 2017 wurde übrigens die Dokumentation »Currentzis – der Klassikrebell« von Christian Berger mit dem französischen FIPA-Preis ausgezeichnet, woraufhin die Deutsche Welle den sehenswerten Film in zwei Teilen online gestellt hat.

 

Die Anmeldefrist für das Karwochen-Konzert in Meiningen ist abgelaufen. Wer jetzt noch Interesse hat, kann sich als eventueller Nachrücker unter der E-Mail-Adresse

reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de auf die Warteliste setzen lassen. Busfahrt (Abfahrt 16.15 Uhr) und Eintrittskarte kosten für Mitglieder 75 Euro, für Nicht-Mitglieder 85 Euro. 


Unsere Februar-Veranstaltung

Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner
Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner

21. Februar 2017, 19.30 Uhr, Hotel Bamberger Hof: Richard Wagner – Die Inszenierung eines Lebens heißt die neue Biografie, in der der Musiker, Musikschriftsteller und Musik-Antiquar Dr. Ulrich Drüner aus Stuttgart Wagner in all seinen gegensätzlichen Facetten zeigt. Und zwar ohne die sonst gerne üblichen Beschönigungen oder Verteufelungen, was der Biografie auch prompt die Auszeichnung Buch des Jahres bei der internationalen Fachzeitschrift Opernwelt einbrachte. Die Fotos zeigen links Ulrich Drüner (Foto: privat) und oben eine Karikatur der Wagners, die erstmals in der neuen Biografie veröffentlicht wurde. 

 

Richard Wagner, der Selbstinszenator

Postfaktische Techniken schreibt man heute natürlich dem amerikanischen Präsidenten zu. Aber Richard Wagner? Der Stuttgarter Antiquar, Bratscher und Musikwissenschaftler Ulrich Drüner hat genau das getan, allerdings nicht mit diesem Ausdruck, denn der kam erst so richtig auf, als seine neue und tatsächlich auch mit Neuem aufwartende Biografie Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens (Blessing Verlag, 832 S., mit 123 Abbildungen) schon auf dem Markt war. Aber immerhin ein Journalist schrieb daraufhin, dass Wagner unter anderem »ein Virtuose in der Handhabung postfaktischer Techniken« und somit gewissermaßen »trumpistisch« gewesen sei.

 

Bevor jetzt alles durcheinander geht, besser der Reihe nach: Es ist nichts Neues, dass der Faktencheck nicht nur im Notfall ergibt, dass Richard Wagner immer wieder und auch bis zur Selbstverleugnung gelogen und Tatsachen so umgebogen hat, wie es ihm aktuell und vor allem nachträglich in den Kram passte. Beziehungsweise in seine Selbstinszenierung, die darauf abzielte, aus dem eigenen Leben einen Mythos zu formen. Was man mit offenen Augen in seinen Schriften nachlesen kann, zum Beispiel in seiner Autobiografie Mein Leben, die er von 1865 bis 1880 seiner zweiten Frau Cosima diktierte. Und nicht nur dort.

 

Ulrich Drüner deckt unter anderem auf, dass die sogenannten Hungerjahre in Paris so harmvoll gar nicht gewesen sein können, weil Wagner 1842 allein an den Opernbearbeitungen für Maurice Schlesinger das Jahresgehalt eines Musikers

verdiente. Der Autor zielt mit seinen deutlichen Klarstellungen auch, was den von

manchen Biografen immer noch verharmlosten Antisemitismus betrifft, aber nicht darauf ab, Wagner zu demontieren. Sondern er versucht, dessen ideologisch stets nach der einen oder anderen Seite verzerrtes Bild zurecht zu rücken.

 

Ob und wie ihm das gelingt, dürfen hiesige Musikfreunde am 21. Februar um 19.30 Uhr in einer Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbands Bamberg im Hotel Bamberger Hof erfahren. Ulrich Drüner wird über seine Biografie, seinen Zugang zu und seine Auseinandersetzung mit Wagner berichten. Als Mensch sieht er ihn in einigen bisher so noch nicht wahrgenommenen Facetten. Und als Musiker sieht der Musiker Drüner ihn so, dass niemand Wagner politisch zu verurteilen, zu beschönigen oder zu verteidigen brauche, denn »die Werte schöpfende Wirkung seiner Kunst kann ihm niemand nehmen.«

 

Weil ihm als Musikantiquar nicht nur faktisch erstaunliche Funde gelingen, zeigt er im Buch und in Bamberg unter anderem eine bisher unbekannte und treffliche Karikatur des »hohen Paares«, die der Wagner- und Cosima-Porträtist Franz von Lenbach auf die Rückseite eines nicht ausgefüllten Bayreuther Patronats-Scheines bannte, dessen Großbuchstabentexte bei dem sehr dünnen Papier etwas durchscheinen.

Dass Drüner im Buch noch mutmaßt, Lenbach habe bei den Wagners nur gerne kassiert und nichts gegeben, hat er inzwischen revidiert: Wie er von Wagnerforscher Egon Voss erfuhr, ist Lenbach »zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Subskribent der Firma Bayreuth geworden. Das als Ergänzung der Bildlegende S. 637; bei Abfassung derselben wusste ich das noch nicht«, schreibt er uns nach Bamberg. Womit postfaktisch alles perfekt ist, oder?

 

Lesenswerte Kritiken und Artikel zu Ulrich Drüners Wagner-Biographie

haben Alexander Dick in der Badischen Zeitung, Robert Jungwirth in der Neuen Zürcher Zeitung und Mirko Weber in der Stuttgarter Zeitung geschrieben.



Richard Wagners 134. Todestag

Heute vor 134 Jahren, am 13. Februar 1883, ist Richard Wagner gestorben. Wer mehr Details darüber wissen will, dem seien folgende Beiträge aus dem Blog Mein Wagner-Jahr auf der Homepage des Fränkischen Tags empfohlen:

Wagners Tod in Venedig I

Wagners Tod in Venedig II

Wagners Tod in Venedig III

Wagners Tod in Venedig IV

Auch einige Beiträge vor- und nachher beziehen sich konkret auf diesen Zeitraum. Leider sind bei einem Update der FT-Seite bis auf den jeweils ersten Bildtext alle weiteren Bildtexte sowie die aus guten Gründen gesetzten Links verloren gegangen. Also wundern Sie sich nicht!


Beeindruckende Bayreuth-Chronik

Das Festspielhaus 1876, noch ohne den vorgesetzten Königsbau, in einem Aquarell von Susanne Schinkel, der Tochter des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel und Tante von Hans von Wolzogen. Abbildung aus Oswald Georg Bauers zweibändiger Geschichte der Bayreuther Festspiele (Deutscher Kunstverlag).

 

Unter PRESSE finden Sie den aktuellen Bericht von Rudolf Görtler über Oswald Georg Bauers Vortrag im VHS-Saal aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags vom 19. Januar 2017. 

 

Auch für Oswald Georg Bauer war der sogenannte  Jahrhundert-Ring  in der Inszenierung von Patrice Chéreau und unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez das Bayreuther Schlüsselerlebnis. In seiner Festspielgeschichte widmet er allein dieser Festspielproduktion sechzig Druckseiten. Bei seinem Vortrag in Bamberg erinnerte er ausführlich an die letzte und legendäre Vorstellung der Götterdämmerung am 25. August 1980, bei der es den wohl längsten Schlussapplaus der Theatergeschichte gab: Er dauerte eine Stunde und 29 Minuten, es wurden 101 Vorhänge gezählt. Die Abbildung zeigt das Schlussbild, bei dem sich das Volk auf der Bühne zum Publikum wendet und mit ihm die aus dem Orchestergraben tönende Schlussmusik hört. Vorlage: Oswald Georg Bauer: Die Geschichte  der Bayreuther Festspiele, Band II, Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, Zustiftung Wolfgang Wagner. 


Unsere Januar-Veranstaltung

Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung  Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser
Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser

Wie schreibt man eine Chronik der Mutter aller Festspiele, die Geschichte der Bayreuther Festspiele? Genau diese Frage wird Oswald Georg Bauer auf unsere Einladung am 17. Januar um 19 Uhr im Großen VHS-Saal beantworten, indem er sein im letzten Festspielsommer erschienenes, zweibändiges und in jeder Hinsicht gewichtiges Werk inhaltlich und mit einigen Bildbeispielen vorstellt.  Dass Bauers Bayreuther Festspielchronik nicht nur hierzulande auf viel positive Resonanz gestoßen ist, zeigt unsere kleinere Abbildung: Im November war der Autor (Bildmitte) in Island und konnte sein jüngstes Werk gemeinsam mit der dortigen Wagnerverbandsvorsitzenden Selma Gudmundsdóttir (rechts) unter anderem dem isländischen Staatsoberhaupt, dem Historiker Gudni Th. Jóhannesson (links), präsentieren (Foto: Steinunn B. Ragnarsdóttir).

 

Oswald Georg Bauer ist 1941 geboren, stammt aus Würzburg, ist promovierter Theaterwissenschaftler und war von 1974 an ein prägender dramaturgischer Mitarbeiter der Festspiele. 1977 wurde er dort Pressechef und blieb beratend Wolfgang Wagner auch weiterhin treu, als er 1986 als Generalsekretär an die Bayerische Akademie der Schönen Künste in München wechselte. Am letzten Aufführungstag der Festspiele 1989 fragte Bauer den Wagner-Enkel, was dieser davon hielte, wenn er die Geschichte der Festspiele schreibe. »Herr Bauer«, erwiderte der Festspielleiter, »hiermit ernenne ich Sie zum Chronisten der Festspiele.«

 

An dem Zusatz »aber ausschließlich aus den Quellen« sollte sich der frisch gebackene Chronist ganz schön abarbeiten, denn es galt nicht nur, die festspielhausinternen Dokumente, Unterlagen, Presseberichte und das komplette Bildmaterial zu sichten und einzuordnen, sondern auch die Archivalienfülle andernorts sowie die überbordende Sekundärliteratur. Darüber hinaus suchte und fand Bauer bisher nicht veröffentlichte Berichte aus Nachlässen von Zeitzeugen. Von 2004 an arbeitete er kontinuierlich an dem Projekt.

 

Insgesamt 27 Jahre dauerte es vom Auftrag bis zur feierlichen Buchpräsentation in der Villa Wahnfried am 26. Juli 2016 – eine wahrhaft wagnerische Zeitspanne, denn von der ersten Idee bis zur Uraufführung des zentralen Wagner-Werks, der Ring-Tetralogie, dauerte es fast genauso lang. Band I beginnt 1850 mit den ersten Festspielplänen und umspannt mit etlichen Krisen- und Kriegszeiten ein komplettes Jahrhundert, Band II beginnt mit der Ära Neu-Bayreuths 1951 und präsentiert die seither jährliche Festspielgeschichte chronologisch bis ins Jahr 2000.

 

Kritiker haben das knapp 1300 Seiten und über 1000 Abbildungen umfassende, insgesamt mehr als sieben Kilo auf die Waage bringende Kompendium in seltener Einmütigkeit sofort als Standardwerk gerühmt. Der Bayreuth-Kenner Bernd Buchner, der mit Wagners Welttheater 2013 selbst eine Festspielgeschichte verfasst hat, schreibt in seiner erst jüngst veröffentlichten Rezension: »Das monumentale zweibändige Buch wird auf Jahrzehnte hinaus Maßstäbe setzen. Bestechend in der Detailfülle, farbig und hellsichtig formuliert, bietet das Werk ein großes, überwältigendes Leseerlebnis.«

 

Wer wissen will, warum und wie Richard Wagner die Mutter aller Festspiele erfunden hat und was sich seit der Eröffnung 1876 am Grünen Hügel nicht nur künstlerisch getan hat, der sollte sich am 17. Januar 2017 rechtzeitig einen Platz in der VHS sichern (Saalöffnung um 18.30 Uhr). Der Eintritt zu Oswald Georg Bauers Vortrag um 19 Uhr, den der Richard-Wagner-Verband Bamberg in Zusammenarbeit mit der VHS Bamberg Stadt anbietet, ist auch für Nicht-Mitglieder frei. 


Wielands Wagners 100. Geburtstag

Heute vor hundert Jahren, am 5. Januar 1917, wurde in Bayreuth Wieland Wagner geboren, der künstlerisch bedeutendste Nachkomme Richard Wagners. Was sich unter anderem auch daran ablesen lässt, dass das Nachrichtenmagazin Der Spiegel  ihm im Sommer 1965 unter dem Titel »Von Walhall nach Wall Street – Wagner-Enkel Wieland Wagner« seine Titelstory widmete (Heft Nr. 30 von 21. bis 27.7.1965). Eine ausführliche Würdigung finden Sie aus Anlass seines 50. Todestags am 17. Oktober 2016 unter Beers Tipps, lesenswerte aktuelle Geburtstagsartikel sind von Alexander Dick in der Badischen Zeitung, von Judith Sternburg in der Frankfurter Rundschau und Jürgen Liebig auf Deutschlandradio Kultur mit O-Tönen sowie mit aktuellen Infos der dpa-Bericht in den Salzburger Nachrichten. Die unten abgebildeten Postkarten aus dem Jahr 1917 zeigen Wieland als Baby im Kinderwagen und im Arm seiner Mutter Winifred, die damals zwanzig Jahre alt war.

 

Übrigens: Heute vor einem Jahr ist der Komponist und Dirigent Pierre Boulez gestorben, der 1966, also im letzten Festspielsommer, den Wieland Wagner erleben  durfte, als Parsifal-Dirigent am Grünen Hügel in Wielands legendärer Neubayreuth-Inszenierung debütierte, von 1976 bis 1980 als musikalischer Leiter im Jahrhundert-Ring Festspielgeschichte schrieb und noch im hohen Alter von 79 bzw. 80 Jahren mit der ihm eigenen künstlerischen Offenheit nochmals Parsifal in Bayreuth in der zu Unrecht umstrittenen Schlingensief-Inszenierung dirigierte.  

 


Unsere Vortrags- bzw. Gesprächsveranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Seminarräumen in der 1. Etage des Hotels Bamberger Hof, Schönleinsplatz 4, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen. (Stand: 18. September 2017, Terminänderungen vorbehalten)