Aktuelles

Die »Parsifal«-Werkstatt startet

Am Wochenende ist es endlich so weit: Unsere »Parsifal«-Werkstatt beginnt! Wer das Programm noch nicht kennt, sei auf die einschlägige Rubrik verwiesen, wo aktuelle Informationen zu einigen Referenten und ein lesenswerter Text von Regisseur Jakob Peters-Messer zu seiner Coburger Neuinszenierung ebenso zu finden sind wie der gesamte Ablauf der Tagung am 22. und 23. April 2017. Und weil sich doch manche oder mancher gefragt hat, ob der Mann auf der obigen Illustration von Werkstatt-Referent Thomas Goerge Parsifal sein mag, sei hiermit klargestellt, dass es sich um Amfortas handelt. Genauer gesagt hat der Künstler der gezeichneten Figur den fotografierten Kopf von Theodor Reichmann gegeben, der bei der »Parsifal«-Uraufführung 1882 und bis 1902 immer wieder den siechen Gralskönig im Festspielhaus verkörpert hat. Weiteres über dieses Sänger finden Sie unter Beers Tipps.

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Mit der »Walküre« in die Osternacht

Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat
Günther Schneider-Siemssen: Bühnenbildentwurf zu "Die Walküre" 1967 (Ausschnitt) Vorlage: 3sat

Wer nicht weiß, was er am Karsamstag Abend anfangen soll: Ab 20.15 Uhr sendet 3sat eine Aufzeichnung der prominent besetzten Walküre, die zur Eröffnung der diesjährigen Jubiläums-Osterfestspiele in Salzburg vor einer Woche ihre viel bejubelte Premiere feierte. Es handelt sich um die so genannte Re-Kreation der Eröffnungsinszenierung Herbert von Karajans aus dem Jahr 1967 (Regie: Vera Nemirova, Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen, Rekonstruktion des Originalbühnenbilds und Kostüme: Jens Kilian). Es musiziert die Sächsische Staatskapelle unter Christian Thielemann, die Hauptrollen singen und spielen Anja Harteros (szenisches Rollendebüt als Sieglinde), Peter Seiffert (Siegmund), Georg Zeppenfeld (Hunding), Anja Kampe (szenisches Rollendebüt als Brünnhilde), Vitalij Kowaljow (Wotan) und Christa Mayer (Fricka). Die Inszenierung wird am 17. April nochmals aufgeführt und später als Koproduktion mit dem Beijing Music Festival auch in Peking gezeigt. Die Reaktionen der Kritiker waren wie immer unterschiedlich. Hier Links zu Rezensionen von Eleonore Büning in der FAZ  Christine Lemke-Matwey in der Zeit, Christian Wildhagen in der NZZ sowie -geko- im Wiener Kurier.

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»Parsifal«-Generalprobe & Premiere

Der neue Coburger Parsifal, den wir mit unserer Parsifal-Werkstatt begleiten (ausführliche Infos dazu in der gleichnamigen Rubrik), hat am 6. April um 17 Uhr Generalprobe (bei der wir mit einer kleinen Gruppe dabei sind) und am 9. April um 16 Uhr seine längst ausverkaufte Premiere. Weitere Vorstellungen sind am 13. April (17 Uhr), am 16., 23. und 30. April (jeweils 16 Uhr), am 15. Juni (17 Uhr) sowie am 18. und 25. Juni (jeweils 16 Uhr). Zur Aufführung am 23. April fahren wir mit einer großen Gruppe per Bus nach Coburg; zwei Restplätze sind noch frei. Fahrt und Eintritt kosten 55 Euro; Anmeldungen hierzu bitte direkt an unsere Vorsitzende unter roth@rwv-bamberg.de

Weitere Infos zum Parsifal auf der Homepage des Landestheaters, Kartentelefon unter 09561-898989. Das Probenfoto zeigt eine Szene mit Roman Payer, der am 22. April auch zu Gast in unserer Werkstatt sein und im Gespräch mit Intendant Bodo Busse und GMD Roland Kluttig Auskunft geben wird über sein Rollendebüt in der Titelpartie des Wagnerschen Bühnenweihfestspiels.  (Foto: Andrea Kremper)

In unserer Rubrik Parsifal-Werkstatt finden Sie den lesenswerten Programmhefttext von Regisseur Jakob Peters-Messer sowie einige Szenenfotos. Und hier noch ein Link zur Premierenkritik von Peter Jungblut beim Bayerischen Rundfunk und von Peter Krause auf der Online-Plattform concerti.

 

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Teodor Currentzis, den wir am 12. April in Meiningen erleben dürfen, wird aktuell in der Süddeutschen Zeitung bejubelt und zwar gleich mehrfach. Er wurde außerdem gerade zum neuen Chefdirigenten des SWR-Symphonieorchesters ab der Spielzeit 2018/19 gekürt. Und wer weiß? Vielleicht wird er auch noch Kirill Petrenkos Nachfolger in München? Wäre Nikolaus Bachler durchaus zuzutrauen . . .

 

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Die Wiener Festwochen haben auf Ihrer Homepage neue Details über Bernhard Langs und Jonathan Meeses MONDPARSIFAL ALPHA 1-8 (ERZMUTTERZ DER ABWEHRZ) veröffentlicht, der Komponist selbst hat seine Oper offenbar umbenannt, denn er nennt das Projekt inzwischen ParZeFool, wie seinem lesenswerten Text auf der Homepage des Klangforums Wien zu entnehmen ist. Simone Young wird die Uraufführung dirigieren, die wir im Juni bei unserer bereits ausgebuchten großen Musik- und Kunstfahrt 2017 besuchen! (Für Nachrücker gibt es eine Warteliste.) Unter Beers Tipps finden Sie Berichte über eine außergewöhnliche Siegfried-Wagner-Ausstellung in Berlin.

 

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Pressetermin zur »Parsifal«-Werkstatt

Klappern gehört zum Geschäft. Am Aschermittwoch haben wir bei einem Pressegespräch im Hotel Bamberger Hof unsere »Parsifal«-Werkstatt vorgestellt. In der Rubrik Presse kann man den tollen Artikel von Rudolf Görtler aus dem Fränkischen Tag und den offiziellen Pressetext nachlesen, in der Rubrik »Parsifal«-Werkstatt alles Einzelheiten und Aktuelles von Werkstatt-Referent Thomas Goerge und Podiumsteilnehmer Jakob Peters-Messer.

Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer  Foto: Erich Weiß
Ohne Wagner geht's einfach nicht: beim Pressegespräch vor der "Parsifal"-Werkstatt-Plakatwand im Hotel Bamberger Hof rechts RWV-Vorsitzende Dr. Jasenka Roth und links ihre Stellvertreterin Monika Beer Foto: Erich Weiß

Was man sonst nur in Luzern erlebt . . .

Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova
Teodor Currentzis Foto: Olya Runyova

Die Anmeldefrist für unsere Fahrt zum Karwochenkonzert mit dem griechischen Dirigenten Teodor Currentzis, seinem Orchester MusicAeterna aus Perm und zwei Gesangssolistinnen am 12. April 2017 in Meiningen ist zwar abgelaufen, aber es gibt eine Warteliste für eventuelle Nachrücker. Der außergewöhnliche Dirigent und das von ihm gegründete Orchester gastieren inzwischen an den großen Häusern, ob dass nun das Wiener Konzerthaus, die Elbphilharmonie, das Konzerthaus Berlin oder die Salzburger Festspiele sind, wo mit dem amerikanischen Regisseur Peter Sellars heuer die Mozart-Oper La clemenza di Tito realisiert wird.

 

»Wir haben die Ehre«, schreibt das Meininger Theater, »Teodor Currentzis und sein MusicAeterna-Ensemble mit einem deutschlandweit einzigartigen Programm bei uns zu Gast zu haben.« Und wo spielen die Gäste aus Perm dieses Programm in identischer Besetzung, d.h. mit Nuria Rial (Sopran) und Paula Murrily (Mezzosopran) noch? In Luzern, bei den dortigen Oster-Festspielen im berühmten KKL. Hier die schweizerische Konzertvorschau, die somit auch für das Konzert in Meiningen gilt:

 

Als »angelico maestro«, als  »engelhafter Meister«, ist Giovanni Battista Pergolesi in die Musikgeschichte eingegangen. Sein allzu früher Tod, der ihn 1736 im Alter von nur 26 Jahren ereilte, tat ein Übriges, um Vergleiche mit Mozart zu provozieren und seinen Mythos zu begründen. Vor allem Pergolesis letztes vollendetes Werk, das ergreifende Stabat Mater, wirkt wie eine Verheißung: Diese Musik will nicht durch Kunstfertigkeit überwältigen, sie will mit einer zu Herzen gehenden Schlichtheit berühren – ein Ideal, das ganze Generationen vorwegnimmt. Teodor Currentzis koppelt diesen frühen Geniestreich mit einer Passionsmusik des reifen Joseph Haydn, den Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze, die in der originalen Orchesterfassung von 1787 erklingen. Haydn spiegelt jedes der letzten Christus-Worte mit einer tiefgründigen musikalischen Meditation und lässt am Ende mit dem »Terremoto«, dem Erdbeben, den Zorn Gottes hereinbrechen: genau das Richtige für den Pultekstatiker Currentzis.

 

Erst Ende Januar 2017 wurde übrigens die Dokumentation »Currentzis – der Klassikrebell« von Christian Berger mit dem französischen FIPA-Preis ausgezeichnet, woraufhin die Deutsche Welle den sehenswerten Film in zwei Teilen online gestellt hat.

 

Die Anmeldefrist für das Karwochen-Konzert in Meiningen ist abgelaufen. Wer jetzt noch Interesse hat, kann sich als eventueller Nachrücker unter der E-Mail-Adresse

reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de auf die Warteliste setzen lassen. Busfahrt (Abfahrt 16.15 Uhr) und Eintrittskarte kosten für Mitglieder 75 Euro, für Nicht-Mitglieder 85 Euro.

 

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Unsere letzte Veranstaltung

Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner
Cosima und Richard Wagner, 1874 von Franz von Lenbach gezeichnet – Vorlage: © Ulrich Drüner

21. Februar 2017, 19.30 Uhr, Hotel Bamberger Hof: Richard Wagner – Die Inszenierung eines Lebens heißt die neue Biografie, in der der Musiker, Musikschriftsteller und Musik-Antiquar Dr. Ulrich Drüner aus Stuttgart Wagner in all seinen gegensätzlichen Facetten zeigt. Und zwar ohne die sonst gerne üblichen Beschönigungen oder Verteufelungen, was der Biografie auch prompt die Auszeichnung Buch des Jahres bei der internationalen Fachzeitschrift Opernwelt einbrachte. Die Fotos zeigen links Ulrich Drüner (Foto: privat) und oben eine Karikatur der Wagners, die erstmals in der neuen Biografie veröffentlicht wurde. 

 

 

Richard Wagner, der Selbstinszenator

Postfaktische Techniken schreibt man heute natürlich dem amerikanischen Präsidenten zu. Aber Richard Wagner? Der Stuttgarter Antiquar, Bratscher und Musikwissenschaftler Ulrich Drüner hat genau das getan, allerdings nicht mit diesem Ausdruck, denn der kam erst so richtig auf, als seine neue und tatsächlich auch mit Neuem aufwartende Biografie Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens (Blessing Verlag, 832 S., mit 123 Abbildungen) schon auf dem Markt war. Aber immerhin ein Journalist schrieb daraufhin, dass Wagner unter anderem »ein Virtuose in der Handhabung postfaktischer Techniken« und somit gewissermaßen »trumpistisch« gewesen sei.

 

Bevor jetzt alles durcheinander geht, besser der Reihe nach: Es ist nichts Neues, dass der Faktencheck nicht nur im Notfall ergibt, dass Richard Wagner immer wieder und auch bis zur Selbstverleugnung gelogen und Tatsachen so umgebogen hat, wie es ihm aktuell und vor allem nachträglich in den Kram passte. Beziehungsweise in seine Selbstinszenierung, die darauf abzielte, aus dem eigenen Leben einen Mythos zu formen. Was man mit offenen Augen in seinen Schriften nachlesen kann, zum Beispiel in seiner Autobiografie Mein Leben, die er von 1865 bis 1880 seiner zweiten Frau Cosima diktierte. Und nicht nur dort.

 

Ulrich Drüner deckt unter anderem auf, dass die sogenannten Hungerjahre in Paris so harmvoll gar nicht gewesen sein können, weil Wagner 1842 allein an den Opernbearbeitungen für Maurice Schlesinger das Jahresgehalt eines Musikers

verdiente. Der Autor zielt mit seinen deutlichen Klarstellungen auch, was den von

manchen Biografen immer noch verharmlosten Antisemitismus betrifft, aber nicht darauf ab, Wagner zu demontieren. Sondern er versucht, dessen ideologisch stets nach der einen oder anderen Seite verzerrtes Bild zurecht zu rücken.

 

Ob und wie ihm das gelingt, dürfen hiesige Musikfreunde am 21. Februar um 19.30 Uhr in einer Veranstaltung des Richard-Wagner-Verbands Bamberg im Hotel Bamberger Hof erfahren. Ulrich Drüner wird über seine Biografie, seinen Zugang zu und seine Auseinandersetzung mit Wagner berichten. Als Mensch sieht er ihn in einigen bisher so noch nicht wahrgenommenen Facetten. Und als Musiker sieht der Musiker Drüner ihn so, dass niemand Wagner politisch zu verurteilen, zu beschönigen oder zu verteidigen brauche, denn »die Werte schöpfende Wirkung seiner Kunst kann ihm niemand nehmen.«

 

Weil ihm als Musikantiquar nicht nur faktisch erstaunliche Funde gelingen, zeigt er im Buch und in Bamberg unter anderem eine bisher unbekannte und treffliche Karikatur des »hohen Paares«, die der Wagner- und Cosima-Porträtist Franz von Lenbach auf die Rückseite eines nicht ausgefüllten Bayreuther Patronats-Scheines bannte, dessen Großbuchstabentexte bei dem sehr dünnen Papier etwas durchscheinen.

Dass Drüner im Buch noch mutmaßt, Lenbach habe bei den Wagners nur gerne kassiert und nichts gegeben, hat er inzwischen revidiert: Wie er von Wagnerforscher Egon Voss erfuhr, ist Lenbach »zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Subskribent der Firma Bayreuth geworden. Das als Ergänzung der Bildlegende S. 637; bei Abfassung derselben wusste ich das noch nicht«, schreibt er uns nach Bamberg. Womit postfaktisch alles perfekt ist, oder?

 

Lesenswerte Kritiken und Artikel zu Ulrich Drüners Wagner-Biographie

haben Alexander Dick in der Badischen Zeitung, Robert Jungwirth in der Neuen Zürcher Zeitung und Mirko Weber in der Stuttgarter Zeitung geschrieben.

 

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Aktivitäten von unseren Mitgliedern

Dr. Bettina Wagner, die neue Leiterin der Staatsbibliothek Bamberg, stellt sich im Mai mit einem Vortrag im Großen VHS-Saal und einer gemeinsam mit der Volkshochschule Bamberg Stadt veranstalteten Führung in der Staatsbibliothek dem Bamberger Publikum vor. Der Eintritt zu ihrem Vortrag Vom Medienwandel und Buchhandel. Die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert und ihre Folgen am 9. Mai 2017 um 19 Uhr im Großen VHS-Saal (Altes E-Werk, Tränkgasse 4) ist frei, für die Führung zum Thema Deutschsprachige Bibeln bis Luther. Einblick in die Schätze der Staatsbibliothek Bamberg (Staatsbibliothek, Domplatz 8) am 17. Mai 2017 um 18 Uhr muss man sich bei der VHS anmelden und drei Euro berappen. 

 

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Die Produktion von Wagners Tristan und Isolde, für die der Bamberger Maler, Bühnen- und Kostümbildner Karlheinz Beer das Bühnenbild schuf und deren zweite Aufführung wir am 10. April 2016 mit einen großen Gruppe in Landshut besucht haben, wird in der laufenden Saison wieder aufgenommen und am 14., 21. und 25. Mai 2017 nochmals im Landshuter Theaterzelt gezeigt. Weitere Informationen auf der Homepage des Landestheaters Niederbayern. Das Musical Jesus Christ Superstar ist eine weitere Produktion des Landestheaters, für die Beer das Bühnenbild geschaffen hat (Premiere im November 2016); sie steht auch noch im April in Landshut und Passau auf dem Spielplan. Opernfreunde dürfen sich schon jetzt auf Dezember 2017, wenn dort Der Rosenkavalier von Richard Strauss  in seinem Bühnenbild Premiere feiern wird.

 

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Richard Wagners 134. Todestag

Heute vor 134 Jahren, am 13. Februar 1883, ist Richard Wagner gestorben. Wer mehr Details darüber wissen will, dem seien folgende Beiträge aus dem Blog Mein Wagner-Jahr auf der Homepage des Fränkischen Tags empfohlen:

Wagners Tod in Venedig I

Wagners Tod in Venedig II

Wagners Tod in Venedig III

Wagners Tod in Venedig IV

Auch einige Beiträge vor- und nachher beziehen sich konkret auf diesen Zeitraum. Leider sind bei einem Update der FT-Seite bis auf den jeweils ersten Bildtext alle weiteren Bildtexte verloren gegangen. Also wundern Sie sich nicht!

 

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Beeindruckende Bayreuth-Chronik

Das Festspielhaus 1876, noch ohne den vorgesetzten Königsbau, in einem Aquarell von Susanne Schinkel, der Tochter des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel und Tante von Hans von Wolzogen. Abbildung aus Oswald Georg Bauers zweibändiger Geschichte der Bayreuther Festspiele (Deutscher Kunstverlag).

 

Unter PRESSE finden Sie den aktuellen Bericht von Rudolf Görtler über Oswald Georg Bauers Vortrag im VHS-Saal aus dem Feuilleton des Fränkischen Tags vom 19. Januar 2017. 

 

Auch für Oswald Georg Bauer war der sogenannte  Jahrhundert-Ring  in der Inszenierung von Patrice Chéreau und unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez das Bayreuther Schlüsselerlebnis. In seiner Festspielgeschichte widmet er allein dieser Festspielproduktion sechzig Druckseiten. Bei seinem Vortrag in Bamberg erinnerte er ausführlich an die letzte und legendäre Vorstellung der Götterdämmerung am 25. August 1980, bei der es den wohl längsten Schlussapplaus der Theatergeschichte gab: Er dauerte eine Stunde und 29 Minuten, es wurden 101 Vorhänge gezählt. Die Abbildung zeigt das Schlussbild, bei dem sich das Volk auf der Bühne zum Publikum wendet und mit ihm die aus dem Orchestergraben tönende Schlussmusik hört. Vorlage: Oswald Georg Bauer: Die Geschichte  der Bayreuther Festspiele, Band II, Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreuth, Zustiftung Wolfgang Wagner.

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Neue Service-Adresse für Fahrten

Wer sich für eine unserer Fahrten anmelden möchte, kann das jetzt direkt über die E-Mail-Adresse reisedienst-rwv-bamberg@t-online.de erledigen. Unser Vorstandsmitglied Dr. Jürgen Gröbel kümmert sich dann um alles Weitere. Apropos: Für die Parsifal-Generalprobe am 6. April in Coburg (nur für Mitglieder), das Karwochenkonzert mit MusicAeterna unter Teodor Currentzis (siehe unter Reisen) in Meiningen am 12. April und den Fliegenden Holländer in Oberammergau gibt es noch Karten – alles außergewöhnliche Kunstereignisse, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

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Unsere vorletzte Veranstaltung

Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung  Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser
Oswald Georg Bauer in seiner Münchner Wohnung Foto: © Nordbayerischer Kurier/Michael Weiser

Wie schreibt man eine Chronik der Mutter aller Festspiele, die Geschichte der Bayreuther Festspiele? Genau diese Frage wird Oswald Georg Bauer auf unsere Einladung am 17. Januar um 19 Uhr im Großen VHS-Saal beantworten, indem er sein im letzten Festspielsommer erschienenes, zweibändiges und in jeder Hinsicht gewichtiges Werk inhaltlich und mit einigen Bildbeispielen vorstellt.  Dass Bauers Bayreuther Festspielchronik nicht nur hierzulande auf viel positive Resonanz gestoßen ist, zeigt unsere kleinere Abbildung: Im November war der Autor (Bildmitte) in Island und konnte sein jüngstes Werk gemeinsam mit der dortigen Wagnerverbandsvorsitzenden Selma Gudmundsdóttir (rechts) unter anderem dem isländischen Staatsoberhaupt, dem Historiker Gudni Th. Jóhannesson (links), präsentieren (Foto: Steinunn B. Ragnarsdóttir).

 

Oswald Georg Bauer ist 1941 geboren, stammt aus Würzburg, ist promovierter Theaterwissenschaftler und war von 1974 an ein prägender dramaturgischer Mitarbeiter der Festspiele. 1977 wurde er dort Pressechef und blieb beratend Wolfgang Wagner auch weiterhin treu, als er 1986 als Generalsekretär an die Bayerische Akademie der Schönen Künste in München wechselte. Am letzten Aufführungstag der Festspiele 1989 fragte Bauer den Wagner-Enkel, was dieser davon hielte, wenn er die Geschichte der Festspiele schreibe. »Herr Bauer«, erwiderte der Festspielleiter, »hiermit ernenne ich Sie zum Chronisten der Festspiele.«

 

An dem Zusatz »aber ausschließlich aus den Quellen« sollte sich der frisch gebackene Chronist ganz schön abarbeiten, denn es galt nicht nur, die festspielhausinternen Dokumente, Unterlagen, Presseberichte und das komplette Bildmaterial zu sichten und einzuordnen, sondern auch die Archivalienfülle andernorts sowie die überbordende Sekundärliteratur. Darüber hinaus suchte und fand Bauer bisher nicht veröffentlichte Berichte aus Nachlässen von Zeitzeugen. Von 2004 an arbeitete er kontinuierlich an dem Projekt.

 

Insgesamt 27 Jahre dauerte es vom Auftrag bis zur feierlichen Buchpräsentation in der Villa Wahnfried am 26. Juli 2016 – eine wahrhaft wagnerische Zeitspanne, denn von der ersten Idee bis zur Uraufführung des zentralen Wagner-Werks, der Ring-Tetralogie, dauerte es fast genauso lang. Band I beginnt 1850 mit den ersten Festspielplänen und umspannt mit etlichen Krisen- und Kriegszeiten ein komplettes Jahrhundert, Band II beginnt mit der Ära Neu-Bayreuths 1951 und präsentiert die seither jährliche Festspielgeschichte chronologisch bis ins Jahr 2000.

 

Kritiker haben das knapp 1300 Seiten und über 1000 Abbildungen umfassende, insgesamt mehr als sieben Kilo auf die Waage bringende Kompendium in seltener Einmütigkeit sofort als Standardwerk gerühmt. Der Bayreuth-Kenner Bernd Buchner, der mit Wagners Welttheater 2013 selbst eine Festspielgeschichte verfasst hat, schreibt in seiner erst jüngst veröffentlichten Rezension: »Das monumentale zweibändige Buch wird auf Jahrzehnte hinaus Maßstäbe setzen. Bestechend in der Detailfülle, farbig und hellsichtig formuliert, bietet das Werk ein großes, überwältigendes Leseerlebnis.«

 

Wer wissen will, warum und wie Richard Wagner die Mutter aller Festspiele erfunden hat und was sich seit der Eröffnung 1876 am Grünen Hügel nicht nur künstlerisch getan hat, der sollte sich am 17. Januar 2017 rechtzeitig einen Platz in der VHS sichern (Saalöffnung um 18.30 Uhr). Der Eintritt zu Oswald Georg Bauers Vortrag um 19 Uhr, den der Richard-Wagner-Verband Bamberg in Zusammenarbeit mit der VHS Bamberg Stadt anbietet, ist auch für Nicht-Mitglieder frei.

 

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Wielands Wagners 100. Geburtstag

Heute vor hundert Jahren, am 5. Januar 1917, wurde in Bayreuth Wieland Wagner geboren, der künstlerisch bedeutendste Nachkomme Richard Wagners. Was sich unter anderem auch daran ablesen lässt, dass das Nachrichtenmagazin Der Spiegel  ihm im Sommer 1965 unter dem Titel »Von Walhall nach Wall Street – Wagner-Enkel Wieland Wagner« seine Titelstory widmete (Heft Nr. 30 von 21. bis 27.7.1965). Eine ausführliche Würdigung finden Sie aus Anlass seines 50. Todestags am 17. Oktober 2016 unter Beers Tipps, lesenswerte aktuelle Geburtstagsartikel sind von Alexander Dick in der Badischen Zeitung, von Judith Sternburg in der Frankfurter Rundschau und Jürgen Liebig auf Deutschlandradio Kultur mit O-Tönen sowie mit aktuellen Infos der dpa-Bericht in den Salzburger Nachrichten. Die unten abgebildeten Postkarten aus dem Jahr 1917 zeigen Wieland als Baby im Kinderwagen und im Arm seiner Mutter Winifred, die damals zwanzig Jahre alt war.

 

Übrigens: Heute vor einem Jahr ist der Komponist und Dirigent Pierre Boulez gestorben, der 1966, also im letzten Festspielsommer, den Wieland Wagner erleben  durfte, als Parsifal-Dirigent am Grünen Hügel in Wielands legendärer Neubayreuth-Inszenierung debütierte, von 1976 bis 1980 als musikalischer Leiter im Jahrhundert-Ring Festspielgeschichte schrieb und noch im hohen Alter von 79 bzw. 80 Jahren mit der ihm eigenen künstlerischen Offenheit nochmals Parsifal in Bayreuth in der zu Unrecht umstrittenen Schlingensief-Inszenierung dirigierte.  

 

 

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Pures Opernglück mit der Zugabe

Frank Piontek aus Bayreuth, der schon mehrfach als Referent zu Gast bei uns war, hat seinen Weihnachtswunsch mit einem Link begleitet, der niemandem vorenthalten werden darf. Die begeisternde Zugabe beim Schlussapplaus der Rameau-Oper Les Indes galantes (bitte auf den Link klicken!) unter William Christie an der Pariser Garnier-Oper ist ein wunderbares Heilmittel gegen jeglichen Kulturpessimismus!

 

Reise-Flyer und »Parsifal«-Projekt

Siehe auch unter Termine und Reisen

 

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Schräger Wagner zum Jahresausklang

Mitgliederversammlungen können mitunter labil, lächerlich, lähmend, lagerbildend, langatmig, langweilig, lästig, lastenschwer, lau, launisch, laut, leer, leidenschaftslos, leidvoll, lethargisch, liederlich, lügenhaft und sogar luziferisch sein. Dass im RWV Bamberg hingegen alles rund läuft, zeigte beispielhaft der Jahresabschluss im Keesmannsaal am 2. Dezember 2016. Sämtliche Vereinsregularien waren binnen vierzig Minuten erledigt. Positive Bilanzen zogen 1. Vorsitzende Jasenka Roth und Schatzmeisterin Friederike Ehrenforth – Dankesworte an all jene inklusive, die sich auf unterschiedliche Weise aktiv oder durch Spenden zusätzlich engagiert haben. Anträge gab es keine. Was nur heißen kann, dass unsere Mitglieder mit der Arbeit des Vorstands zufrieden sind. Letzteren wiederum entlasteten als Kassenprüfer Martin Köhl und Elmar Wendenburg.

 

Als neues Vorstandsmitglied wurde Jürgen Gröbel vorgestellt, der sich in erster Linie um die deutlich angewachsene Reise-Organisation kümmert – eine der zahlreichen Aufgaben, die seit der Wiedergründung des Verbands von Dietlinde Schunk-Assenmacher betreut wurde, die auf eigenen Wunsch ihre Vorstandsarbeit niedergelegt hat. Jasenka Roth verabschiedete die langjährige Schriftführerin mit einer ausführlichen und sehr persönlichen Würdigung. »Frau Schunk-Assenmacher«, sagte sie, »war von Anfang an ganze dreizehn Jahre im Vorstand des Verbandes. Sie hat ihn entscheidend geprägt. Ohne sie wäre der Verband nicht das, was er heute ist. Sie hat durch viele persönliche Kontakte Vorträge organisiert und für unsere Präsenz bei den Mitgliedern, Freunden und in der Presse gesorgt. Und sie hilft uns auch weiter.« Als Dankeschön gab es DVDs vom Mannheimer Ring in der Inszenierung von Achim Freyer, eine stark in den bildenden Künsten fußende Interpretation der Tetralogie, also aus jenem Bereich, mit dem sich die Kunsthistorikerin und Galeristin Schunk-Assenmacher auch beim Wagnerverband besonders einbrachte.

 

Zum öffentlichen Teil des Jahresabschlussfests hatten sich über siebzig Mitglieder und Freunde angemeldet sowie, eigens aus Weimar kommend, unsere diesjährige Stipendiatin Yuka Beppu und deren Freund. Auf die Keesmannschen Kochkünste folgte Musikdramatisches der schrägen Art. Martin Neubauer (Rezitator) und Heiko Triebener (Tuba) von den Bamberger Symphonikern ließen den Saal mit unerhörten Wagnerklängen, Stab- und sonstigen Reimen und vielem mehr erzittern. Kurz: ein Abend, der kein einmaliges Experiment bleiben soll.

 

Zu den weiteren künftigen Projekten gehören Opern- und Konzertreisen nach

Halle an der Saale, Meiningen, Wien und Oberammergau sowie das zweitägige

Parsifal-Symposium in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Coburg, wo wir

neben der Generalprobe auch eine Vorstellung der Neuinszenierung von Jakob

Peters-Messer besuchen. Daneben kommen wieder namhafte Referenten nach Bamberg – und mit Daphne Wagner erneut eine Wagner-Urenkelin. Als Stipendiat 2017 wird der aus Russland stammende Pianist, Komponist und Dirigent Sergey Neller, der beim letzten Mahler-Wettbewerb der Bamberger Symphoniker mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde, bei uns in Bamberg konzertieren. »Kommen Sie«, appellierte Jasenka Roth an Mitglieder und Gäste, »zu unseren Veranstaltungen. Man bekommt viele neue Impulse, ob inhaltlich oder im freundschaftlichen Austausch mit anderen. Und als Kollateralnutzen bleibt man lebendig, lern- und

entwicklungsfähig – und erfährt nebenbei auch etwas über Richard Wagner.«

 

Unsere Schnappschüsse zeigen oben und unten einen Blick in den Saal, in der Mitte links Jasenka Roth und Dietlinde Schunk-Assenmacher, mittig Martin Neubauer in Aktion und rechts Heiko Triebener. Fotos: privat

 

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Stimmenglanz im Spiegelsaal

Auch wenn diesmal leider keine Besucherrekorde gebrochen wurden: Es war

am Donnerstag ein tolles Stipendiatenkonzert, bei dem nicht nur unsere drei Stipendiaten Yuka Beppu (in schwarzer Robe), Florentine Schumacher (in teerosengelber und blütenbesteckter Robe) und Bartosz Szulc (in schwarzem Abendanzug mit Fliege) glänzten, sondern ebenso vier Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums Bamberg, die in das Programm einführten.

Unsere Fotos zeigen die Akteure beim Schlussapplaus, solo die Pianistin (Foto:

Jens Runge) sowie mit Musiklehrer Johannes Klehr und Jasenka Roth, der Vorsitzenden des Richard-Wagner-Verbands Bamberg (Fotos: Christina Reinecke).

 

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»Così fan tutte« aus Aix en Provence online

Die verstörend politisch aufgeladene »Così fan tutte« aus Aix en Provence sowie andere Opern kann man kostenlos online bei Arte sowie auf einer englischen Opernplattform erleben.

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Bühne frei für drei Nachwuchskünstler

Beim Festspielbesuch Mitte August von links: Florentine Schumacher, Bartosz Szulc und Yuka Beppu, unsere drei Stipendiaten 2016, die am 17. November um 20 Uhr im Spiegelssaal der Harmonie konzertieren. Foto: Jürgen Gröbel
Beim Festspielbesuch Mitte August von links: Florentine Schumacher, Bartosz Szulc und Yuka Beppu, unsere drei Stipendiaten 2016, die am 17. November um 20 Uhr im Spiegelssaal der Harmonie konzertieren. Foto: Jürgen Gröbel

Wie positiv sich unser Verband entwickelt, lässt sich unter anderem am wachsenden Publikumsinteresse ablesen – und an der Anzahl unserer Stipendiaten,

die kostenlos drei Festspielaufführungen in Bayreuth erleben dürfen. Heuer

waren es erstmals drei Nachwuchskünstler, die das begehrte Stipendium bekamen.

Am 17. November um 20 Uhr revanchieren sich Yuka Beppu, Florentine Schumacher und Bartosz Sculz mit einem exklusiven Auftritt im Spiegelsaal der Harmonie.

 

Das alljährliche Stipendiatenkonzert ist ein Höhepunkt im Vereinskalender. Denn es gibt jungen Musikern und Sängern, die noch in der Ausbildung oder am Anfang ihrer Karriere stehen, die Chance, sich in diesem Rahmen zu präsentieren. In lebhafter Erinnerung dürfte noch der Bamberger Felix Uttenreuther sein, der vor gut einem Jahr mit seinen Percussion-Instrumenten begeisterte und inzwischen als Akademist bei den Nürnberger Philharmonikern wirkt. Für das diesjährige Stipendium konnten sich wieder Mitwirkende der Sommer Oper Bamberg

bewerben.

 

Das Rennen machten die 1994 in Güstrow geborene Sopranistin Florentine Schumacher, die aus Japan stammende Pianistin und Liedbegleiterin Yuka Beppu

(Jahrgang 1988) und der um ein Jahr ältere polnische Bassist Bartosz Szulc aus Łódź. Alle drei sind den hiesigen Opernfreunden aus der Zauberflöte-Produktion der Sommer Oper 2015 in bester Erinnerung: Schumacher überraschte als spielfreudige Papagena, Bartosz war als Sarastro überzeugend – und Beppu wirkte hinter den Kulissen als einfühlsame und kundige Korrepetitorin und setzte auf der Bühne mit dem Glockenspiel zusätzliche Glanzlichter.

 

Bei ihrem Bamberger Konzert präsentieren sich die drei Stipendiaten teils solo, teils gemeinsam mit Werken von Isaac Albéniz, Johann Sebastian Bach, Gaetano Donizetti, Jan Gall, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Wolfgang Amadeus Mozart, Modest Mussorgsky, Johann Strauß und Carl Maria von Weber. Die Moderation des Abends übernehmen Schülerinnen und Schüler des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums Bamberg unter der Leitung von Johannes Klehr. Der Eintritt zu dem Konzert, das unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Andreas Starke steht, ist wie immer frei.

 

Kurzbiografien der drei Stipendiaten

Yuka Beppu wurde 1988 in Japan geboren. Nach dem Klavierstudium bei Prof. Yu Kakuno an der Universität Tokio absolvierte sie den Studiengang Künstlerische Liedgestaltung bei Prof. Karl-Peter Kammerlander an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, wo sie seit Oktober 2016 als Dozentin arbeitet. Sie gewann 2013 den Schubert International Klavierduo-Wettbewerb und 2015 den Sonderpreis für die beste Klavierbegleitung beim Lortzing-Wettbewerb in Leipzig. Ihr beruflicher Traum ist es, das Fach Liedgestaltung auch in Japan zu etablieren, da bis jetzt dafür keine Möglichkeit besteht. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich gern mit »Puzzels«, weil dabei, wie sie sagt, Schritt für Schritt aus kleinen Stücken ein schönes Bild entsteht und man dafür, ähnlich wie in der Musik, Imagination und Kreativität braucht.

 

Florentine Schumacher (Jahrgang 1994) stammt aus Güstrow und studiert seit Herbst 2013 klassischen Gesang bei Prof. Ursula Targler-Sell an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main, wo sie auch als Regieassistentin die Durchführung der szenischen Abende unterstützt. Im Jahr 2011 gewann sie den ersten Preis beim

Bundeswettbewerb Jugend musiziert im Fach Musical. In der Spielzeit 2013/14 war sie in der Rolle der Blonde in Mozarts Entführung aus dem Serail bei den

Burgfestspielen Bad Vilbel zu erleben, 2014 sang sie in Mozarts Così fan tutte am Stadttheater Koblenz. Beim Internationalen Louis-Spohr-Wettbewerb 2015 in Kassel gewann sie den Nachwuchspreis. Ihre Traumrollen sind Mozarts Königin der Nacht in der Zauberflöte und Violetta Valéry in La traviata von Giuseppe Verdi.

 

Bartosz Szulc (Jahrgang 1987) stammt aus dem polnischen Łódź. Er begann sein Gesangsstudium an der Musikakademie seiner Heimatstadt und studierte anschließend an der Fryderyk Chopin Musik-Universität in Warschau. Im

Jahr 2007 gewann er den Sonderpreis im Kunstliedwettbewerb in Kutno, 2009 den

zweiten Preis des Nationalen Gesangswettbewerbs Ludomir Rozycki in Gliwice und

2012 den dritten Preis sowie den Sonderpreis für die beste Stimme beim

Internationalen Giulio Perotti Gesangswettbewerb in Ueckermünde. Im kommenden

Jahr wird er im Opernhaus Łódź im Oratorium Semele von Georg Friedrich Händel

die Rolle des Cadmus/Somnus singen. In der Musik liebt er besonders den

Rhythmus – »je komplizierter, umso besser«. Seine Traumpartien sind Leporello

in Mozarts Don Giovanni und Kaspar in Carl Maria von Webers Freischütz.

 

Infos zur Stipendienstiftung

Die noch auf Wunsch Richard Wagners 1882 ins Leben gerufene Stipendienstiftung

vermittelt alljährlich rund 250 jungen Sängern, Musikern und sonstigen Bühnenschaffenden aus dem In- und Ausland den kostenlosen Besuch von

mehreren Aufführungen der Bayreuther Festspiele und verschafft ihnen damit

wertvolle Impulse für den weiteren künstlerischen Werdegang. Zahlreiche ehemalige Stipendiaten waren oder sind Mitwirkende der Bayreuther Festspiele und führender Opernhäuser weltweit. Die Stipendiaten unternehmen auf Kosten von zahlreichen lokalen Wagnerverbänden im In- und Ausland eine fünftägige Reise in die Welt Richard Wagners und der Bayreuther Festspiele. Neben den Opernaufführungen – heuer konnten die Stipendiaten Mitte August den Fliegenden Holländer, Parsifal und Götterdämmerung im Festspielhaus erleben – stehen Einführungsvorträge, eine Kranzniederlegung am Wagnergrab, diverse Führungen, Empfänge und Museumsbesuche und ein großes Konzert mit ausgewählten Stipendiaten in der Bayreuther Stadthalle auf dem Programm.

 

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Interview mit Dagny-Beidler auf der Homepage des WDR unter http://www1.wdr.de/kultur/musik/dagny-beidler-100.html

Weitreichende Kreise im Briefe-Meer

Was passiert, wenn man in das Meer von Richard Wagners über 10 000 Briefen ein paar flache Steine wirft? Natürlich zieht das Kreise – sogar erstaunlich viele und weit reichende, wenn jemand wie Martin Dürrer sie

geworfen hat. Das durften alle erleben, die am 11. Oktober 2016 zum Vortragsabend des Editionsleiters der Richard-Wagner-Briefausgabe ins Hotel Bamberger Hof gekommen waren. Denn der in Würzburg wirkende Musikwissenschaftler kennt Wagners Leben, Werk und das ganze Drumherum so umfassend und detailliert, dass er souverän anhand einer einzigen Brief- oder Telegrammsituation vom Hundertsten ins Tausendste kommen kann und trotzdem nicht den Überblick verliert. Was leicht passieren könnte, denn die bisher erschienenen Bände der Briefgesamtausgabe bringen es im Bücherregal inzwischen auf einen guten Meter.  

 

Für Bamberg hatte Dürrer neben der notwendigen Einführung in das vor fast fünfzig Jahren begonnenen und aktuell im Jahr 1872 gelandeten Editionsprojekt

signifikante Beispiele aus dem Briefwechsel: erstens für einen nicht abgeschickten Brief (Stichwort: Wagner als Schriftsteller), zweitens für einen Praxis-Brief

(Wagner als Dirigent und Beethoveninterpret), drittens für einen fingierten

Brief (Wagner als Gelegenheitsdichter) und viertens für einen konspirativen

Brief (Wagners berühmtestes Geburtstagsgeschenk). Wenigstens auf das Praxis-Beispiel soll hier kurz eingegangen werden, denn es beleuchtet nicht nur die für die Forschung zuweilen kuriose Auffindungssituation, sondern ein Musikstück, mit dem sich die Teilnehmer unserer letzten großen Reise in mehrfacher Weise auseinandersetzen konnten: Beethovens Eroica.

 

Genauer gesagt geht es um die berühmte Dissonanzstelle im 1. Satz, wo laut Dürrer kurz vor Eintritt der eigentlichen Reprise das Thema vom Horn im pianissimo, begleitet von 1. und 2. Violine im pianissimo possibile vorweggenommen wird. Auf Französisch schrieb Wagner an den Komponisten, Musikschriftsteller und Verleger Andrès Vidal y Llimona in Barcelona vom 4. Juli 1870 (siehe Abbildung, im Folgenden auf Deutsch): »Die Passage [Notenbeispiel] findet sich sehr wohl in der Partitur von Beethoven; sie wird als Antizipation‹ der Tonika angesehen, die an einigen Stellen vom Meister verwendet worden ist. Was mich persönlich angeht, ich finde, man könnte das As in der Begleitung als Schreibfehler ansehen, ohne dem Effekt der Antizipation des Themas zu schaden, das heißt, ich messe dieser Sache keine große Bedeutung bei.«

 

Martin Dürrer kommentierte das natürlich in aller Ausführlichkeit:

In dem vorliegenden Brief zeigt Wagner sich bei der Interpretation der Stelle etwas zurückhaltender als in seiner eigenen Dirigierpraxis. Anlässlich des Wagner-Konzert in Wien am 12. Mai 1872 berichtet der Musikreferent der Wiener Abendpost

August Wilhelm Ambros: »Drittens war das berühmte As der zweiten Geige in

zarter Rücksicht auf das damit zusammentreffende G des Waldhorns in G verbessert oder verschlimmbessert.« Ein weiterer Beleg zu der Stelle findet sich in den Tagebüchern Cosima Wagners, Eintrag vom 5. Februar 1871: »Das Gespräch beim  ›Bier‹ führt uns auf die Eroica und die berühmte Dissonanz, die R. perhorresziert, weil er jede Exzentrizität als solche nicht ausstehen kann; hier erhöht sie nicht den Ausdruck des Gedankens, sondern schadet ihm, leitet davon ab.« (CWT, Bd. 1, S. 352). – Auch von Hans von Bülow gibt es Zeugnisse, dass er diese Stelle harmonisch »entschärft« hat, wie Hans-Joachim Hinrichsen in seiner Arbeit über die Musikalische Interpretation Bülows nachgewiesen hat. In der Wagner-Schule war man sich in dieser Frage offenbar einig.

 

Bleibt noch der Exkurs über die Auffindung dieses Schreibens. Der Nachweis konnte noch kurz vor Redaktionsschluss ins Wagner-Briefverzeichnis aufgenommen worden. Auf die Publikation, in der der Brief als Faksimile abgebildet ist, wurde Martin Dürrer zufällig aufmerksam, als ihm in der Bibliothek des Erlanger Instituts für Musikwissenschaft in der Signaturgruppe »X« (etwa für Varia, Incerta et Kuriosa) ein Sammelband mit der Aufschrift »Wagneriana« auffiel. Darin waren

verschiedene Zeitschriftenhefte zusammengebunden, die Leo Fremgen, ein

aufmüpfiger Pfarrer, Wagner-Autor und früherer Bibliotheksbenutzer dem Institut

offenbar in den 1970er Jahren gespendet hatte. Darin fand sich unter anderem

die spanische Wagnerzeitung Monsalvat, in der der Brief in Erstveröffentlichung und mit Quellenangabe abgebildet war.

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Vor einem halben Jahrhundert, am 17. Oktober 1966, starb Wieland Wagner. Unter Beers Tipps wird an ihn erinnert.

Wieland Wagner mit seiner Frau Gertrud und Tochter Nike bei den Festspielen 1963 (Foto: Rago T. Ebeling)
Wieland Wagner mit seiner Frau Gertrud und Tochter Nike bei den Festspielen 1963 (Foto: Rago T. Ebeling)

Nike Wagners Bonner Festvortrag

Ein Höhepunkt unserer großen Musik- & Kunstreise 2016 war zweifellos die Rede von Intendantin Prof. Dr. Nike Wagner bei der Eröffnungsmatinee des Beethovenfests Bonn am 10. September in der Aula der Universität. Unsere Reisegruppe war begeistert, nicht wenige versicherten, dass sich schon deswegen die Reise gelohnt hat.  Mit freundlicher Genehmigung der Autorin geben wir den mit ». . . allons enfants . . .«

betitelten Vortrag unter unserer Rubrik Reisen wieder. Die Überschrift greift das diesjährige Motto des Beethovenfests Revolutionen auf, der Bezug auf Beethovens Eroica erklärt sich aus dem ebenfalls begeisternden musikalischen Programm der Matinee: Der Pianist Konstantin Scherbakov spielte zunächst die 15 Eroica-Variationen und nach dem Vortrag die Klavierfassung der Eroica von Franz Liszt, dem Ururgroßvater Nike Wagners.

Foto: Beethovenfest Bonn/© Cornelius Gollhardt

 

 

Musiktheater in Mondlandschaft

Unvergesslich: modernes Musiktheater in der Mondlandschaft der Kohlenmischhalle der erst im Dezember 2015 stillgelegten Zeche Auguste Victoria in Marl mit der gigantischen und imposant beweglichen Kohlenmischmaschine. In der Rubrik  Reisen finden Sie von unserem neuen Mitglied Ursula Lauterbach einen ersten Bericht über unsere Bonn/Marl-Reise. Unser Bild zeigt eine Szene aus der Uraufführung Die Fremden mit dem Orchester Asko/Schönberg unter Reinbert de Leeuw, der Sopranistin Katrien Baerts (hinten) sowie den Schauspielern Pierre Bokma, Elsie de Brauw, Benny Claessens, Sandra Hüller und Risto Kübar.  

Foto: JU/Ruhrtriennale

 

 

Neuere Einträge finden Sie auch unter Termine, Reisen und Beers Tipps! Und hier noch ein lesenswerter Artikel: 

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/musikfestivals-2016-als-der-sommer-weiblich-klang-ld.111538

sowie ein aktuelles Interview mit Katharina Wagner:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61103

Nicht zu vergessen: Am 11. September gibt es auf arte um 23.05 Uhr die Dokumentation »Der Klassikrebell« über Teodor Currentzis und seine Don Giovanni-Einspielung in Perm. Am 12. April 2017 gastiert Currentzis mit dem MusicAeterna-Orchester in Meiningen. Wir fahren hin! (siehe Termine und Reisen)

http://www.arte.tv/guide/de/061697-000-A/currentzis-der-klassikrebell

 

 

 

Unsere Stipendiaten in Bayreuth

Erstmals in seiner Geschichte hat der Richard-Wagner-Verband Bamberg gleich drei jungen Nachwuchskünstlern den kostenlosen Besuch von drei Aufführungen der Bayreuther Festspiele ermöglicht. Unser Foto zeigt unsere Stipendiaten 2016 am 15. August vor dem Festspielhaus (von links): Florentine Schumacher, Sopranistin aus Frankfurt, Bartosz Szulc, Bassist aus Łódź, sowie die aus Japan stammende Pianistin und Korrepetitorin Yuka Beppu, die alle drei 2015 erstmals bei der Zauberflöte-Produktion der SommerOper Bamberg aufeinander trafen und als Papagena, Sarastro bzw. Glockenspiel-Spielerin mitwirkten. Auch das Bamberger Publikum darf sich auf ein Wiedersehen freuen. Am 17. November bestreiten die drei im Spiegelsaal der Harmonie unser großes Stipendiatenkonzert. (Mehr Infos zu unseren Stipendiaten finden Sie unter dem entsprechenden Punkt in der Menue-Leiste oben)

 

Die auf Wunsch Richard Wagners 1882 ins Leben gerufene Stipendienstiftung vermittelt alljährlich insgesamt 250 jungen Sängern, Musikern und sonstigen Bühnenschaffenden aus dem In- und Ausland den kostenlosen Besuch von mehreren Aufführungen der Bayreuther Festspiele und verschafft ihnen damit wertvolle Impulse für den weiteren künstlerischen Werdegang. Zahlreiche ehemalige Stipendiaten waren oder sind Mitwirkende der Bayreuther Festspiele. Die Stipendiaten unternehmen eine fünftägige Reise in die Welt Richard Wagners und der Bayreuther Festspiele. Neben den Opernaufführungen – heuer konnten die Stipendiaten am Sonntag den Fliegenden Holländer, am Montag Parsifal und am Dienstag Götterdämmerung im Festspielhaus erleben – stehen Einführungsvorträge, eine Kranzniederlegung am Wagnergrab, diverse Führungen, Empfänge und Museumsbesuche auf dem Programm. Zum Abschluss der Veranstaltungen findet diesmal am 17. August ein öffentliches Konzert von ausgewählten Stipendiaten im Großen Haus der Stadthalle Bayreuth statt.                                        Foto: Jürgen Gröbel 

 

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Neue Bücher von unseren Referenten

Gleich von mehreren Referenten unserer Vortragsreihe gibt es neue Buchveröffentlichungen. Eva Rieger, die uns im April gemeinsam mit Wagner-Urenkelin Dagny Beidler Hablützel mit Malwida von Meysenbug, eine wichtige Freundin der Wagner-Familie, vorstellte, hat sich in ihrer neuesten Biografie ausführlich Frida Leider (1888–1975) gewidmet. Das Buchcover von Frida Leider. Sängerin im Zwiespalt ihrer Zeit zeigt die hochdramatische Sopranistin nicht umsonst als Brünnhilde: Frida Leider wurde zwar auch als Verdi- und Mozartinterpretin gefeiert, vor allem aber als die Wagner-Heroine – ob in Berlin, London, Chicago, New York, Mailand, Paris oder Bayreuth. Die erste Leider-Biografie stützt sich auf umfangreiche Archivrecherchen und geht auf die herausragenden gesanglichen Fähigkeiten Leiders ebenso ein wie auf die Problematik der Kunstausübung im totalitären NS-Regime. Als »jüdisch Versippte« ließ Bayreuth die Künstlerin schließlich fallen, woran letztlich ihre Karriere zerbrach. (269 S., mit zahlreichen Abb., Olms Verlag, 22 Euro)

 

 

Markus Kiesel, der uns im vergangenen November die wenig bekannten Entwürfe und Pläne für Richard Wagners Festtheater in München vorstellte, hat dem leider schon vergriffenen Standardwerk über das Bayreuther Festspielhaus jetzt einen weiteren, wiederum deutsch- und englischsprachigen Text-/Bildband folgen lassen. Wahnfried. Das Haus von Richard Wagner heißt der gemeinsam mit Joachim Mildner herausgegebene Band, der einen architektonischen Schwerpunkt hat, aber aufzeigt, dass und warum Wahnfried weitaus mehr als bloß eine Beispiel gebende Künstlervilla war. Mit historischem und aktuellem Bildmaterial reich illustriert, zeichnet das Buch die faszinierende Geschichte des Hauses bis hin zur 2015 fertiggestellten Grundsanierung und Errichtung von Erweiterungsbauten nach. Neben dem zentralen Beitrag zur Baugeschichte von Verena Naegele , die auch die erste Sonderausstellung im neu gestalteten Wagnermuseum verantwortete, melden sich weitere renommierte Fachleute zu Wort, darunter der Architekt Volker Staab, die Europa- und Kunstrechtsexpertin Gerte Reichelt und mit Nike Wagner eine Vertreterin jener Urenkel, die zuletzt in Wahnfried wohnten. (176 Seiten, Hardcover, über 200 farbige Abbildungen,  darunter ein Sterbesofa-Gemälde unseres Mitglieds Karlheinz Beer, ConBrio Verlag, 48 Euro)

 

Bleibt noch Holger Noltze, der nach seinem hochgelobten Buch Liebestod. Wagner, Verdi und wir bei uns im März von Matthias Hain ausführlich befragt wurde. Der Musikjournalist und Professor für Musik und Medien an der TU Dortmund hat die Musikerlegende Menahem Pressler interviewt, der 53 Jahre lang als Pianist beim Beaux Arts Trio wirkte und nach der Auflösung des Trios eine faszinierende Spätkarriere anschloss. Dieses Verlangen nach Schönheit heißt der Gesprächsband, der das erste Werk über und mit Menahem Pressler in deutscher Sprache ist: eine kluge und beherzte Annäherung an die Frage, warum wir auf Musik in unserem Leben nicht verzichten dürfen. Für Hiesige ist das Buch ein Muss, denn der 1923 in Magdeburg geborene und 1939 mit seiner Familie nach Palästina geflohene Pressler wird bekanntlich am 13. und 14. Oktober 2016 sein spätes Debüt bei den Bamberger Symphonikern geben. Gut möglich, dass Holger Noltze dann auch in der Konzerthalle sein wird . . . (200 Seiten, 15 SW-Abb., Edition Körber-Stiftung, 18 Euro)
Apropos: Holger Noltze wurde im Kontext der Parsifal-Neuinszenierung in Bayreuth vom Deutschlandfunk darüber befragt, was es auf sich hat mit Religion auf der Bühne und wie das von Wagner so benannte Bühnenweihfestspiel auf das  Publikum wirkt. Ist lesenswert!
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Neuigkeiten aus Bayreuth

Marimbaklänge im Bruderwald

Felix Uttenreuther, unser letztjähriger Stipendiat, gibt auf Einladung der Bayerischen Staatsforsten gemeinsam mit Sarah Rempe am 4. August 2016 von 19 bis 21 Uhr im Bruderwald ein Konzert, das unter dem Motto »Lausch mal!« steht. Die Darbietung findet auf der Erlebniswiese des Walderlebnispfades statt (www.erlebe-bruder-wald.de), der Eintritt ist frei. Die Erlebniswiese ist ausgeschildert ab Eingang Bruderwald hinter dem Klinikum Bamberg (an der Wendeschleife der Buger Straße, 96049 Bamberg). Parkplätze sind leider nur in begrenzter Anzahl am Waldparkplatz/P Klinikum vorhanden. Mit dem Stadtbus (VGN) ist der Bruderwald aber gut über die Linien 918 und 937 Haltestelle »Am Bruderwald« (zeitweise »Klinikum«) erreichbar. Fahrräder können direkt an der Erlebniswiese abgestellt werden. Für eine kleine Erfrischung wird gesorgt. Es gibt jedoch weder Stühle noch ein Zelt. Bei schlechtem Wetter muss das Konzert leider ausfallen. Als Sitzgelegenheiten stehen einige Baumstämme zur Verfügung. Klappstühle oder Decken wären empfehlenswerte Accessoires für den Konzertabend. Die Vogelwelt wird wohl kurzzeitig verstummen ob des Trommelwirbels. Vielleicht hören sich aber auch die Spechte des Bruderwaldes ein Stück ab von der ausgefeilten Technik des Schlagzeugsounds und trommeln künftig in modernen Rhythmen. Wie auch immer: »Der Wald legt das Lauschen nahe« (Hermann Hesse).

 

Für Felix Uttenreuther geht das Jahr übrigens gut weiter: Ab der kommenden Spielzeit ist er Akademist bei den Nürnberger Philharmonikern im Opernhaus. Diese Stelle sieht neben dem Mitwirken bei monatlich fünfzehn Proben und Konzerten auch Unterricht bei Orchestermusikern sowie Probespieltrainings vor und geht über den Zeitraum von zwei Jahren. Wir gratulieren und freuen uns mit ihm. Unser Bild zeigt ihn bei der Eröffnung des Mahnmals für Widerstand und Zivilcourage am 25. Juni 2016 (mit Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und OB Andreas Starke im Hintergrund). Foto: Mechthildis Bocksch/Willi-Aron-Gesellschaft Bamberg

 

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Ein paar Links zu »Parsifal«-Kritiken

Bayreuth auf BR Klassik

Heute gibt's Wagner satt: BR Klassik setzt am 30. Juli um 17.57 Uhr die Reihe der Festspielübertragungen fort mit dem Fliegenden Holländer, im Fernsehen folgt um 20.15 Uhr auf 3SAT die Parsifal-Neuinszenierung - ein verzwickter Fall, denn entweder verpasst man vom Holländer die letzte Viertelstunde oder vom Parsifal den Beginn . . . Weitere Bayreuth-Produktionen im Radio auf BR Klassik sind jeweils um 18.05 Uhr am 7. August Die Walküre, am 13. August Siegfried, am 14. August Götterdämmerung und am 27. August Tristan und Isolde.

 

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»Parsifal« im Livestream und auf 3SAT

Wem das Geld für die etwas zeitversetzte Kino-Übertragung der Bayreuther Festspielpremiere zu schade ist – im Bamberger Cinestar werden die Aufzeichnungen ohnehin nicht mehr gezeigt, weil das von den

Met-Übertragungen verwöhnte Publikum sich über die technische Mängel der Bayreuther Opernfilme beklagte – der braucht nicht zu darben: Den

Premieren-Parsifal aus Bayreuth gibt es am Montag um 16 Uhr kostenlos als Livestream auf BR Klassik und am 30. Juli um 20.15 Uhr auf 3SAT kostenlos im Fernsehen – in beiden Fällen dann ohne den nur fürs Kino agierenden Moderator

Axel Brüggemann und Katharina Wagner. Letztere macht das offenbar nur für jenes

zahlende Publikum, von dem die BF Medien GmbH profitiert. Hier die entsprechenden Links: 

http://www.wagner-im-kino.de/

https://www.br-klassik.de/concert/ausstrahlung-775304.html

https://www.3sat.de/page/?source=/musik/187217/index.html

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/festspiele-die-substanz-schwindet_496950

 

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Ein Kino-Tipp

Unser Mitglied Inge Bayer-Melzer schickt uns folgenden Kino-Tipp: »Zur Zeit läuft im Odeon-Kino (Luitpoldstraße) ein sehr interessanter, wunderschön authentisch gemachter Film, den ich Ihnen sehr empfehlen möchte: Lou Andreas-Salomé,

ein Film über eine sehr bemerkenswerte Frau, die schon sehr jung die überlieferte

Rolle der Frau und die nur von Männern bestimmte Welt Ende des 19. Jahrhunderts

ablehnte, statt dessen eine philosophische Karriere einschlug, Gedichte schrieb, sich in intellektuellen Kreisen bewegte und nicht zuletzt die Muse berühmtester Männer dieser Zeit gewesen ist, wie zum Beispiel Rainer Maria Rilke, Friedrich Nietzsche, um nur diese zu nennen. Sie lernte Freud kennen, wandte sich der Psychoanalyse zu und verkehrte auch im Hause Malwida von Meysenbugs, kurzum – eine absolut

außergewöhnliche, bemerkenswerte und viel zu wenig bekannte Frau, die stets die

Fahne der Gleichberechtigung hoch hielt. Dazu ist an der Kasse eine Bildbiographie

mit vielen Originalfotos aus dieser Zeit für zehn Euro zu erhalten. Ebenfalls

grandios. Hoffe sehr, dass Sie diesen Film anschauen können, gibt er doch ein

wunderbares Zeitzeugnis wieder!«

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Albert Giers Schwanengesang

Prof. Dr. Albert Gier, der unserem Verband lange als aktives Mitglied verbunden ist, also immer wieder auch als Referent und Kooperationspartner wirkte, hält am Dienstag, 12. Juli um 18 Uhr, unter dem Titel Schwanengesang von Sirenen seine Abschiedsvorlesung an der Bamberger Universität (Gebäude U 7/01.05 in der Austraße), zu der alle Interessenten willkommen sind. Seit 1988 war Albert Gier Inhaber der Professur für Romanische Literaturwissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und forschte hier zur französischen und italienischen Literatur vom Mittelalter bis zur Gegenwart sowie zum Text im Musiktheater und zu den Beziehungen zwischen Literatur und Musik. 1994 gründete er das Dokumentationszentrum für Librettoforschung; ein Schwerpunkt war die Sammlung von Primär- und Sekundärliteratur auf dem gesamten Gebiet der Libretto-, Opern- und Operettenforschung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze zum Text in Oper und Operette. Mit den Bamberger Vorträgen zum (Musik-)Theater begann 2003 auch die Zusammenarbeit mit unserem Richard-Wagner-Verband.
In seiner Abschiedsvorlesung widmet Gier sich den Sirenen. Sind es Mädchen, Vogel- oder Fischfrauen? Verheißen sie intellektuelle und erotische Lust, oder müssen Seefahrer, die sich ihnen nähern, ihre Kühnheit bitter bereuen? Schon seit der Antike ranken sich um die Figur der Sirene zahlreiche Mythen – und auch heute noch beschäftigt sich die kollektive Phantasie mit dem rätselhaften Geschöpf. Woher diese Faszination für Sirenen rührt und was sie so einzigartig macht, erfahren wir beim Gier'schen Schwanengesang.
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Schon wieder eine Dirigenten-Absage

Keine vier Wochen vor der Eröffnung haben die Bayreuther Festspiele keine Dirigenten mehr für ihre Parsifal-Premiere. Andres Nelsons hat um Auflösung seines Vertrags gebeten. Mehr dazu unter http://www.bayreuther-festspiele.de/news/170/details_44.htm und unter http://www.welt.de/kultur/buehne-konzert/article156704933/Eklat-in-Bayreuth-Parsifal-ohne-Dirigent.html

http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Dirigent-Andris-Nelsons-sagt-Premiere-bei-Wagner-Festspielen-in-Bayreuth-ab

 

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Wagnerischer Geburtstagsgruß

Bekanntlich hat sich Richard Wagner auch selbst zum Geburtstag gratuliert, in humorvoller Gedichtform, die in seinen gesammelten Schriften gleich in zwei Versionen überliefert ist. So schrieb er am 19. Mai 1855 von London aus seiner Frau Minna nach Zürich:

Im wunderschönen Monat Mai

kroch Richard Wagner aus dem Ei:

ihm wünschen, die zumeist ihn lieben,

er wäre besser drin geblieben.

 

Und ebenfalls in den achtzehnhundertfünfziger Jahren überlieferte Wagners Freund Ernst Benedikt Kietz folgende Variante:

Im wunderschönen Monat Mai

kroch Richard Wagner aus dem Ei;

es wünschen Viele, die ihn lieben,

er wäre lieber drin geblieben.

 

Heutzutage geht natürlich alles anders, zum Beispiel reichlich tristanesk: http://www.classicfm.com/composers/wagner/guides/happy-birthday/#21odwagCxk9W8iQA.97

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Auftritt zur Mahnmal-Enthüllung

Unser Stipendiat von 2015, der Schlagzeuger und Perkussionist Felix Uttenreuther, sorgt am 25. Juni 2016 für die musikalische Umrahmung bei der Enthüllung des Widerstands-Mahnmals im Harmoniegarten Bamberg. Das von der Willy-Aron-Gesellschaft initiierte, von Bildhauer Albert Ultsch künstlerisch umgesetzte Mahnmal mit Bronzebüsten auf Stelen erinnert an drei Personen, die symbolisch für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der Region stehen: Willy Aron als Vertreter der Justiz und des politischen Widerstands der SPD, Hans Wölfel als Anwalt und Vertreter des kirchlichen Widerstands und Claus Schenk Graf von Stauffenberg als Vertreter des Widerstands innerhalb des Militärs.

Die Mahnmal-Enthüllung startet um 11 Uhr zunächst mit einem Festakt im E.-T.-A.-Hoffmann-Theater. Neben Festansprachen von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Prof. Dr. Susanne Talabardon von der Bamberger Universität steht unter anderem auch die Uraufführung der Kammersymphonie in fünf Sätzen Aufbruch/Widerstand/Stille von Eduard Resatsch, hauptberuflich Cellist bei den Bamberger Symphonikern, auf dem Programm. Um 12 Uhr folgt im Harmoniegarten die offizielle Mahnmal-Enthüllung, die musikalisch von unserem Stipendiaten umrahmt wird.    

 

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Künstlerisch aktive Mitglieder

Auch im Juni sind einige unserer Mitglieder künstlerisch aktiv: Das von Bühnen- und Kostümbildner Karlheinz Beer ausgestattete Schauspiel Die Grönholm-Methode steht nach der Premiere am 28. Mai noch am 5., 15. und 23. Juni 2016 im Großen Haus des Landestheaters Coburg auf dem Programm und wird  dort auch in der kommenden Saison zu erleben sein.  (Szenenfoto mit den vier Protagonisten, die bei ihrem Vorstellungsgespräch in einer surreal-abstrakten Szenerie unter anderem auch gemeinsam eine Pyramide bauen und dabei singen müssen: Andrea Kremper). 

audida, der Chor der Bamberger Kreismusikschule, den Harald Schneider gegründet hat und seither leitet, gibt am Samstag, 11. Juni, um 18 Uhr im Saal des  Frensdorfer Bauernmuseums gemeinsam mit dem Chor Reichwein Singverein aus Berlin sein heuriges Sommerkonzert. Unter der Leitung von Harald Schneider und Christian Höffling singen die beiden Chöre Liebeslieder aus drei Jahrhunderten und vielen Ländern. Sie besingen die Liebe, die man genauso braucht wie die Luft zum Atmen (All I need is the air that I breathe), die verlorene und wieder gefundene Liebe und das große Glück. Aber auch die Dramen wie Eifersucht und die unglückliche Liebe, die das ganze Leben wertlos scheinen lässt, dürfen in diesem abwechslungsreichen Programm nicht fehlen. Gemeinsame Konzertabende mit anderen Chören haben bei audida eine lange Tradition. Dieses Mal wird sie besonders gerne gepflegt, da Christian Höffling selbst jahrelang audida-Mitglied war, bevor er über Bremen nach Berlin ging und jetzt selbst als Chorleiter arbeitet. Der Eintritt zum Konzert ist frei, die Chöre freuen sich aber über Spenden zur Deckung der Unkosten.

Hugo Scholter (im Foto rechts) probt als Regisseur aktuell mit dem Bariton Christoph von Weitzel (links), der Sopranistin Margriet Buchberger und dem Tenor Christian Bauer für einen ganz besonderen Mozart-Abend am Samstag, 25. Juni um 19 Uhr im Rahmen der Orangerie-Konzerte im Hof von Schloss Unternzenn (bei Bad Windsheim): Im ersten Teil gibt es szenisch die frühe Mozart-Oper Bastien und Bastienne, mit Arieneinlagen aus anderen Mozartopern und unter der musikalischen Leitung von Ulrich Pakusch: Ein Schäferspiel um amouröse Verwirrungen und Irrungen, mit zauberischen Instruktionen wie damit umzugehen sei. Im zweiten Teil und der anbrechenden Abenddämmerung wird dann Eine kleine Nachtmusik in kammermusikalischer Besetzung mit dem Ensemble Rebekka Hartmann und Freunde, einem Streichquintett mit sechs Bläsern, zu hören sein. Bei schlechtem Wetter findet der Mozart-Abend in der Kirche St. Maria in Unternzenn statt. Kartenvorverkauf unter www.orangerie-konzerte.de

 

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Happy Birthday, Richard!

Am 22. Mai 2016 ist der 203. Geburtstag von Richard Wagner. Unter Beers Tipps finden Sie zwei Glückwunsch-Artikel. Und als ob der »Meister« persönlich ein Auge drauf gehabt hätte, veröffentlichen wir an seinem Ehrentag unter Reisen erstmals alle Details zu unserer diesjährigen großen Musik & Kunstfahrt im September! 

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Festspielkarten gibt es wieder online

Am 18. Mai gibt es ab 14 Uhr online wieder Festspielkarten zu kaufen, nachdem der Online-Kartenverkauf schon nach dem Erstverkaufstag am 1. Februar 2016 wieder geschlossen worden war. Angekündigt wurde die Aktion sehr kurzfristig heute auf der Homepage der Bayreuther Zeitung und des Bayerischen Rundfunks. Alles Weitere unter http://ticketshop.bayreuther-festspiele.de/de

 

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Pfingstmontags-»Meistersinger«

Nicht vergessen: Am 16. Mai um 16 Uhr wird auf BR Klassik live die Premiere der Meistersinger-Neuinszenierung aus der Bayerischen Staatsoper München übertragen – eine exzellent besetzte Produktion unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko, deren erste Aufführungen bis zur Sommerpause binnen weniger Minuten ausverkauft waren. Weitere Infos unter https://www.br-klassik.de/programm/radio/ausstrahlung-684858.html und unter

https://www.staatsoper.de/staatsoper/stueckinfo/die-meistersinger-von-nuernberg/2016-05-16-16-00.html?tx_sfstaatsoper_pi1%5BfromSpielplan%5D=1&tx_sfstaatsoper_pi1%5BpageId%5D=545&cHash=914aa2a3dd9c8e93f6d540293ae606b1

Das äußerlich und inhaltlich hochwertige Max Joseph-Magazin der Staatsoper beschäftigt sich in seiner jüngsten Ausgabe ebenfalls mit Wagners Meistersingern, unter anderem mit einer Frageaktion an Künstler und Kulturschaffende. Es liest sich spannend, wie die Antworten zum Teil einhellig, zum Teil unterschiedlich ausfallen auf die Frage, wie vermessen Kunst sein darf, welche Regeln sie braucht, wonach sich ihr Wert bemisst wo Kunst irrt – und was Oper ist, kann und muss. Eine hilfreiche Lektüre für Anfänger und Fortgeschrittene. Download unter https://www.staatsoper.de/maxjoseph.html frei nach Hans Sachsen Fliedermonolog:

 

»Ich fühl's – und kann's nicht versteh'n –

kann's nicht behalten – doch auch nicht vergessen;

und fass ich es ganz – kann ich's nicht messen!

Doch wie wollt' ich auch messen,

was unermesslich mir schien?

Kein' Regel wollte da passen

und war doch kein Fehler drin.«

 

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Seit Montag wird wieder gemahlert!

Wer einmal dabei war, macht es immer wieder und besucht alle öffentlichen Runden im Mahler-Dirigenten-Wettbewerb der Bamberger Symphoniker, denn das ist eine wunderbare Schule des Hörens. Wann und wo sonst hat man die Gelegenheit zum direkten Interpretationsvergleich? Hier die Termine:

Montag, 9. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Hauptrunde
17.00 bis 19.30 Uhr: Hauptrunde

Dienstag, 10. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Hauptrunde

Mittwoch, 11. Mai
10.00 bis 12.30 Uhr: Semifinale
17.00 bis 19.30 Uhr: Semifinale

Donnerstag, 12. Mai
10.00 bis 11.00 Uhr: Semifinale 
17.00 bis 20.00 Uhr: Finale

Freitag, 13. Mai
19.00 Uhr: Abschlusskonzert, dirigiert vom ersten Preisträger oder dem Wettbewerbsgewinner

 

Aktuelle Termine finden Sie unter https://www.bamberger-symphoniker.de/the-mahler-competition/ablauf.html

 

 

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Maistersingermonat

Einige unserer Mitglieder sind im Monat Mai vor allem in Sachen Die Meistersinger von Nürnberg unterwegs: Eine Fahrgemeinschaft besucht am 8. Mai die Derniere der Inszenierung am Opernhaus in Chemnitz (Regie: Michael Heinicke, Dirigent: Frank Beermann), die am 19. März 2016 zum ersten Mal gezeigt wurde.

Am 16. Mai folgt die Premiere der Meistersinger-Neuinszenierung an der Bayerischen Staatsoper (Regie: David Bösch, Dirigent: Kirill Petrenko, mit Wolfgang Koch als Sachs, Jonas Kaufmann als Stolzing und Markus Eiche als Beckmesser), die um 16 Uhr auch live im Radio auf BR Klassik übertragen wird. Und zum Monatsende, am 29. Mai, gibt es in Erfurt eine weitere Meistersinger-Premiere (Regie: Vera Nemirova, Dirigentin: Joana Mallwitz), eine Produktion, die im Herbst unter der musikalischen Leitung von Kirill Karabits, der Konzertfreunden schon von seinen Auftritten in Bamberg her ein Begriff ist, auch in Weimar aufgeführt wird. Mehr dazu später unter Beers Tipps.

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Sehen wir uns heute im Kino?

Am 30. April 2016 um 19 Uhr steht im CineStar Bamberg als Live-Übertragung aus der New Yorker Met Elektra von Richard Strauss auf dem Programm, in einer genialen Inszenierung von Patrice Chéreau, der die Übernahme dieser seiner letzten Regiearbeit an das berühmte amerikanische Opernhaus nicht mehr erleben durfte. Chéreau, der im Alter von nur 32 Jahren durch seine Ring-Inszenierung 1976 in Bayreuth auf einen Schlag in der ganzen Welt bekannt wurde, hat Elektra 2013 beim Festival von Aix en Provence inszeniert und starb wenige Monate nach der Premiere an Krebs siehe Nachruf in meinem Wagner-Jahr-Blog auf http://www.infranken.de/ueberregional/infrankenblog/Ein-Theatergenius-mit-Charme-und-Feuer;art61321,542299

Die Produktion wurde mit denselben Solisten ins Programm der Mailänder Scala übernommen und wird nach der Met u.a. auch noch an der Berliner Staatsoper Station machen. Wie bei der Premiere dirigiert Esa-Pekka Salonen, aus der ursprünglichen Besetzung sind außerdem Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrianne Pieczonka als Crysothemis dabei. Die Titelpartie singt und spielt Nina Stemme, Orest ist der amerikanische Bass Eric Owens. Es lohnt sich garantiert – auch wenn dieser Opernabend vergleichsweise kurz ist. 

 

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Am 30. April 2016 um 19 Uhr steht im CineStar Bamberg als Live-Übertragung aus der New Yorker Met Elektra von Richard Strauss auf dem Programm, in einer genialen Inszenierung von Patrice Chéreau, der die Übernahme dieser seiner letzten Regiearbeit an das berühmte amerikanische Opernhaus nicht mehr erleben durfte. Chéreau, der im Alter von nur 32 Jahren durch seine Ring-Inszenierung 1976 in Bayreuth auf einen Schlag in der ganzen Welt bekannt wurde, hat Elektra 2013 beim Festival von Aix en Provence inszeniert und starb wenige Monate nach der Premiere an Krebs siehe Nachruf in meinem Wagner-Jahr-Blog auf http://www.infranken.de/ueberregional/infrankenblog/Ein-Theatergenius-mit-Charme-und-Feuer;art61321,542299

Die Produktion wurde mit denselben Solisten ins Programm der Mailänder Scala übernommen und wird nach der Met u.a. auch noch an der Berliner Staatsoper Station machen. Wie bei der Premiere dirigiert Esa-Pekka Salonen, aus der ursprünglichen Besetzung sind außerdem Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrianne Pieczonka als Crysothemis dabei. Die Titelpartie singt und spielt Nina Stemme, Orest ist der amerikanische Bass Eric Owens. Es lohnt sich garantiert – auch wenn dieser Opernabend vergleichsweise kurz ist. 

 

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Faszinierender »Tristan« in Landshut

Ensembleszene vom Ende des 1. Akt der Tristan-Inszenierung von Stefan Tilch im Bühnenbild des Bamberger Künstlers Karlheinz Beer    Foto: Peter Litvai

 

Begeistert waren am Ende alle: Unsere Kunst- und Opernfahrt nach Landshut am 10. April war ein voller Erfolg. Beeindruckend schon die kundige Führung durch das in einen Bergstollen gebaute Skulpturenmuseum von Fritz Koenig, die Lust aufs Wiederkommen machte. Auch das anschließende Mittagessen im Schlosshotel Schönbrunn war ein Genuss. Ganz zu schweigen von der Neuinszenierung von Wagners Tristan und Isolde im Theaterzelt des Niederbayerischen Landestheaters, einem Renovierungsprovisorium, in dem außer der übermäßigen Heizung nichts provisorisch war – entgegen mancher Befürchtung selbst die Akustik nicht. Im Gegenteil: Keiner der 28 Tristan-Besucher aus dem durch das A-Orchester der Symphoniker verwöhnten Bamberg merkte, dass die um immerhin über zwanzig Musiker aufgestockte Niederbayerische Philharmonie zumindest, was den Tariflohn betrifft, nur ein D-Orchester ist.

 

Zudem gab es am Sonntag eine Ausnahme- und Notsituation: GMD Basil Coleman, der noch am Freitag die umjubelte Premiere dirigiert hatte – bei der Premierenfeier erzählte Intendant Stefan Tilch, dass ein Landshuter Opernfreund, der seit über vierzig Jahren alle Premieren miterlebte, ihm sagte, dass es noch nie einen solchen Beifall gegeben habe – musste wegen einer plötzlichen Erkrankung absagen. Uwe Sandner, GMD am Pfalztheater Kaiserslautern, der erst am Samstag dort die Premiere einer Tristan-Neuinszenierung dirigiert hatte, sprang ein und löste die schwierige Aufgabe mit den quasi auf der Stuhlkante sitzenden Musikern und den noch konzentrierteren Sängern so souverän, dass man nur staunen konnte. Eine einzigartige Gesamtleistung.

 

Dass die rundherum überzeugende Annette Seiltgen nur zwei Tage zuvor ihre erste Isolde, der sängerdarstellerisch unter die Haut gehende Stephan Bootz seinen ersten König Marke und Anne-Theresa Møller ihre erste Brangäne gesungen hatten, dass George Humphrey an diesem Abend sein Tristan-Debüt überhaupt feierte, merkte man den Interpreten nicht an. Bleibt noch zu berichten, dass auch szenisch der Funken übersprang. Die Inszenierung von Intendant Stefan Tilch im sich von Akt zu Akt verändernden Museumsraum von Karlheinz Beer mit den Videos von Florian Rödl und den Kostümen von Ursula Beutler ist ein bannendes Kammerspiel mit einigen Szenen, die man so noch nicht gesehen, verstanden und nachempfunden hat. Termine und Fotos von Peter Litvai zur Aufführung gibt es unter http://www.landestheater-niederbayern.de/events/128

 

Unser RWV-Mitglied Karlheinz Beer arbeitet in Passau konkret längst an seinem nächsten Opernbühnenbild. Am 14. Mai 2016 hat in der Dreiländerhalle Passau – auch das ein größerer Spielort des Theaters als sonst – Giuseppe Verdis Aida in der Regie des britischen Regisseurs Stephen Medcalf Premiere. In Landshut wird die Inszenierung bei gutem Wetter als Freilichtaufführung im Prantlgarten gezeigt, also just dort, wo auch das eingangs erwähnte Skulpturenmuseum situiert ist.

  

 

Wagnerurenkelin Daphne Wagner und Tristan-Bühnenbildner Karlheinz Beer bei der Premierenfeier im Landshuter Theaterzelt am 8. April 2016                Foto: Monika Beer 

 

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Dagny Beidler ist Symphoniker-Fan

Wagner-Urenkelin Dagny Beidler, die Enkelin von Isolde Beidler, der ersten gemeinsamen Tochter von Richard und Cosima Wagner,  und Musikologin und Wagnerkennerin Professor Eva Rieger kamen zu ihrem Vortrag in Bamberg schon einen Tag früher, um die Bamberger Symphoniker, die sie unter anderem schon von etlichen Auftritten beim Luzern-Festival kannten und bewunderten, auch in ihrer eigenen Konzerthalle erleben zu können. Nach dem Konzert am 4. April schrieb die Wagner-Urenkelin aus dem schweizerischen Familienzweig über ihre unvergesslichen Eindrücke wie folgt: »Noch immer klingt das Konzert der Bamberger Symphoniker in mir nach. Die Interpretation der 3. Mahler war eine Offenbarung. Diese Hingabe des Orchesters und dieses einfühlende Dirigat von Jonathan Nott waren ein Höhepunkt in meinem Konzertleben. Es war einfach überwältigend. Es war auch festzustellen, wie stolz die Bamberger auf ihr Orchester sind.«

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Ein Blaustrumpf als Bildungslücke

Die feministische Musikologin Eva Rieger (links), Wagner-Urenkelin Dagny Beidler (rechts) und im Hintergrund ein Bildnis von Malwida von Meysenbug                      Foto: Anja Hartmann

 

Dass Richard Wagner die unterschiedlichsten Menschen in seinen Bann ziehen konnte, ist bekannt. Für viele eine Bildungslücke schloss sich am 5. April mit dem gemeinsamen Vortrag von Wagner-Urenkelin Dagny Beidler aus dem schweizerischen Winterthur und der feministischen Musikologin Eva Rieger

aus Vaduz in Liechtenstein über Malwida von Meysenbug (1816–1903). Die aus Kassel stammende Schriftstellerin war nicht nur eine sehr erfolgreiche Autorin, deren Memoiren einer Idealistin sich zum Missfallen Wagners besser verkauften als dessen Autobiografie, sondern war eine politisch aufgeklärte, demokratisch und liberal gesinnte Frau, die aus gutem Grund als eine Vorläuferin der Frauenemanzipation gilt. Dass sie eine Idealistin war, lässt sich schon daran ablesen, dass sie sich trotz ihrer adeligen Herkunft mit Herz und Hirn der 1848er Revolution verschrieb und als unverheiratetes Fräulein zeitlebens für das Recht der Frauen auf Bildung und Arbeit kämpfen sollte.

 

»Noch sah ich meinen Weg nicht klar«, schrieb sie in ihren Erinnerungen über ihre jungen Jahre, »wusste noch nicht, wie ich verwirklichen sollte, was sich in meinen

Gedanken bewegte, aber ich fühlte, dass das Ziel meines Lebens hinfort sein werde, an der Emanzipation der Frauen von den engen Grenzen, welche die Gesellschaft ihrer Entwicklung gesteckt hat, und von den Kleinlichkeiten und der Unwissenheit, welche die Folgen davon waren, arbeiten zu helfen.« Was das konkret im 19. Jahrhundert bedeutete, schilderten die Referentinnen einprägsam am Beispiel von Malwidas Brotberuf in ihrem britischen Exil als Hauslehrerin und Gouvernante.

 

Erstaunlicherweise war sie schon aufgrund einiger theoretischer Schriften und noch in Unkenntnis der Musik eine Wagnerianerin. Auf das erste, noch kühle Treffen der beiden in London, wo Malwida zeitweise lebte, folgten viele weitere, darunter zur ausgepfiffenen Tannhäuser-Uraufführung in Paris und den ersten Festspiel-Aufführungen in Bayreuth. Sie fand Aufnahme in den engsten Freundes- und Familienkreis, obwohl Wagner gebildete und emanzipierte Frauen wie sie sonst gerne als Blaustrümpfe bezeichnete, war in Wahnfried ebenso gerne gesehen wie bei diversen Aufenthalten der Wagners in Italien, wo Malwida sich zuletzt niederließ.

 

Der informative und inspirierende Vortrag gewann seine Lebendigkeit auch durch die abwechselnd, mit unterschiedlichen Stimm- und Dialektfarben sprechenden Referentinnen, die anschließend einige ihrer Bücher signierten und sich mit den Besuchern, die in den schönen Dachgeschoss-Saal der Stadtbücherei gekommen waren, noch länger angeregt austauschten. Beidler und Rieger waren übrigens schon tags zuvor gekommen und konnten unter anderem auf Einladung der Bamberger Symphoniker das legendäre Dutilleux- und Mahlerkonzert mit der Sopranistin Barbara Hannigan und der Altistin Gerhild Romberger unter Jonathan Nott erleben, was die nicht erst seit dem halbkonzertanten Ring in Luzern schon vorhandene Begeisterung der beiden für unser Orchester nur noch größer machte. Apropos Luzern: In Bamberg fand die Premiere ihres Meysenbug-Vortrags statt, die nächste Station wird im November die Wagnervilla in Tribschen sein.

 

Dagny Beidler (rechts), Eva Rieger (links) und RWV-Vorsitzende Jasenka Roth nach dem Meysenbug-Vortrag in Saal der Stadtbücherei                                                  Foto: Anja Hartmann

 

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Perlen aus der Tiefe der »Winterreise«

Laut Kurt Tucholsky hat jedes Glück einen kleinen Stich: Der wunderbare Winterreise-Abend am 21. März 2016 von und mit Hugo Scholter im Bamberger Hof schlug die Besucher, darunter Winterreise-Interpret und Bariton Christoph von Weitzel aus Bad Windsheim, nachhaltig in Bann. RWV-Bamberg-Vorsitzende Jasenka Roth resümierte denn auch: »Hugo Scholter hat für uns die Perlen aus der Tiefe geholt.« Nur bedauerten all jene, die im Januar den 24-teiligen Liederzyklus in Coburg erleben konnten, dass es die kenntnisreiche Einführung erst jetzt gab. Schon die von Scholter ausgewählten Musikbeispiele machten klar, wie unterschiedlich Sänger und Pianisten das Schubert-Werk angehen. Was den Referenten aber nicht davon abhielt, inhaltlich klare Aussagen und Kommentare zu geben. Und wer weiß: Vielleicht wird die von ihm inszenierte Winterreise mit Christoph von Weitzel nach über hundert Vorstellungen 2017 endlich auch in Bamberg zu erleben sein? Unser Bild zeigt den Bariton und vielmaligen Winterreise-Interpreten Christoph von Weitzel (links) und unser Mitglied Hugo Scholter, seines Zeichens Schauspieler, Regisseur, Rezitator, Musiker und Gesangspädagoge.

Foto: Eva-Suzanne Bayer

 

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Wagner, Verdi und vor allem: Wir!

Unser Gast aus Dortmund, der Journalist, Wagnerbuch-Autor und Professor Holger Noltze, überraschte die Zuhörer am 11. März 2016 mit seiner relativ spät erwachten hohen Wertschätzung für Giuseppe Verdis Opern, machte aber im Gespräch mit Matthias Hain, dem kundigen Fragesteller, PR-Referenten der Bamberger Symphoniker und zeitweiligen RWV-Bamberg-Vorsitzenden, klar, dass Wagner natürlich auch seine Meriten hat. Aber eben andere. Was die animierten Zuhörer in der Nachbereitung gerne zu seinem hochgelobten Buch Liebestod. Wagner, Verdi, Wir (Verlag Hoffmann und Campe) greifen lässt. Und er verdeutlichte vor den nicht nur darob erfreuten Zuhörern immer wieder, dass es bei aller Musik-, Opern-, Gesangs- und Inszenierungskunst vor allem darauf ankommt, was sie aktuell bei jedem einzelnen auslöst. Was für ein inspirierender und auf hohem Niveau auch unterhaltsamer Abend!

 

Prof. Dr. Holger Noltze (links) im Gespräch mit Matthias Hain   Foto: D. Schunk-Assenmacher 

 

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Nike Wagner bei uns in Bamberg

Erstmals war Wagner-Urenkelin Nike Wagner am Samstag, 6. Februar 2016, in Bamberg zu erleben und sprach auf Einladung des Richard-Wagner-Verbands  im vollbesetzten großen VHS-Saal zum Thema Wagners BeethovenWeitere Texte und Berichte zu dieser Veranstaltung finden Sie unter Presse und unter Rückblick.

Nike Wagner (ganz links) mit Jasenka Roth, 1. Vorsitzende des RWV Bamberg, Christine Sünkel, stellv. Leiterin der VHS Bamberg Stadt, RWV-Mitglied Christiana Schmidt und 3. Bürgermeister Wolfgang Metzner, sowie (rechts) ein Blick in den vollbesetzten Saal der Volkshochschule Bamberg Stadt    Foto: Dietlinde Schunk-Assenmacher

 

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Unsere Vortrags- bzw. Gesprächsveranstaltungen finden, wenn nicht anders angegeben, in den Seminarräumen in der 1. Etage des Hotels Bamberger Hof, Schönleinsplatz 4, statt. Der Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen. 

(Stand: 04/2017, Terminänderungen vorbehalten)